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Gut zwei Millionen Bundesbürger leiden an
ständigen Ohrgeräuschen (chronischem Tinnitus) und jährlich kommen mehr als
250.000 Menschen hinzu. Obwohl es keine Heilung für dieses Leiden gibt, haben Ärzte
in mehreren Ländern sehr gute Erfahrungen mit der so genannten
Tinnitus-Retraining- Therapie gemacht.
Als Tinnitus bezeichnet man Ohrgeräusche, die von keiner äußeren Schallquelle erzeugt
werden, sondern im eigenen Hörsystem entstehen. Halten diese Geräusche länger als drei
Monate an, so spricht man von chronischem Tinnitus. Die häufigste Ursache hierfür ist eine
Schädigung des Innenohrs, wie sie beispielsweise beim Knalltrauma oder Hörsturz auftreten
kann. Erkrankungen wie Fettstoffwechsel- störungen, Bluthochdruck oder Abnutzung der
Halswirbelsäule können ebenfalls Tinnitus hervorrufen. Auch Stress oder innere Anspannung
sind mögliche Faktoren bei der Entstehung von Tinnitus.
Obwohl 20 Prozent der Menschen mit chronischem Tinnitus diesen als "störend" bis
"unerträglich" bewerten, ist er eigentlich ein sehr leises Geräusch, vergleichbar mit dem
Geräuschpegel eines Waldes bei fast vollständiger Windstille (5 bis 10 Dezibel - dB). Das
eigene Schluckgeräusch zum Beispiel liegt mit etwa 30 dB deutlich höher. Es wundert daher
nicht, dass der Tinnitus in ruhiger Umgebung am meisten stört, denn bei normalem Lärmpegel
wird er oft einfach übertönt.
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Dennoch kann das Dauergeräusch zum beherrschenden Faktor werden. Wenn es erstmals
auftritt, wird man aufmerksam und hört intensiver hin. Bleibt das Geräusch, nimmt die
Unsicherheit zu. Wird der Betroffene dann mit Aussagen konfrontiert wie "Da kann man nichts
machen" oder "Das kann der Vorbote eines Herzinfarktes oder eines Gehirnschlags sein",
steigern sich die Ängste und Sorgen. Man achtet jetzt verstärkt auf das Geräusch: Es fängt an,
das Leben immer mehr zu beherrschen.
Die Tinnitus-Retraining-Therapie zielt darauf ab, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Sie baut
auf vier Elementen auf: Aufklärung und Beratung, um Verständnis für die Mechanismen des Tinnitus zu gewinnen
und Ängste abzubauen. Psychologische Betreuung, um inneren Anspannungen oder versteckten Konflikten entgegen
zu wirken, die häufig Begleiterscheinungen oder gar Ursache des Tinnitus sind.
Entspannungstechniken, die die Auseinandersetzung mit dem eigenen Zustand erleichtern
und fit machen für die Belastungen des Alltags.
Tinnitus-Control-Instrumente, die ein permanentes, leises Therapierauschen erzeugen. Sie
helfen dem Patienten, wieder mehr auf die Umgebung zu hören, und lenken damit allmählich
vom Tinnitus ab.
Literaturhinweis:
Eberhard Biesinger, Die Behandlung von Ohrgeräuschen, Stuttgart
1999, Trias Verlag
Online-Empfehlung:
Deutsche
Tinnitus-Liga e.V.
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