Archiv Dez. 2004 / Jan. 2005                                                                   

Wann braucht man Hörgeräte?

(fgh) Braucht jeder, der mal die Türklingel überhört, gleich Hörgeräte? Oder soll man bei Hörproblemen erst mal abwarten, ob es von selbst wieder besser wird? Schadet es den Ohren, wenn Hörgeräte zu früh verordnet werden? Reicht ein Hörgerät für den Anfang oder soll man gleich zwei nehmen? Solche und ähnliche Fragen stellen sich viele Menschen – denn rund 14 Millionen Bundesbürger haben eine Hörminderung. Wer das Gefühl hat, schlecht zu hören, sollte in jedem Fall zunächst einen Hals-Nasen-Ohrenarzt aufsuchen, um zu klären, woher das Hörproblem kommt.

Denn Hörprobleme können die unterschiedlichsten Ursachen haben. Wenn der Schall nicht richtig bis zum Innenohr gelangt, weil zum Beispiel der Gehörgang verstopft oder das Mittelohr erkrankt ist, dann ist das in der Regel ein vorübergehender Zustand, der sich mit ärztlicher Hilfe bessern kann. Wenn man plötzlich auf einem oder auch beiden Ohren kaum noch etwas hören kann, könnte es sich um einen Hörsturz handeln. Deshalb sollte man schnell den HNO-Arzt aufsuchen.

Bei Erwachsenen liegt die Ursache für Hörprobleme meist im Innenohr, das beispielsweise durch Lärm oder Erkrankungen wie Hirn­hautentzündungen, Mumps, Masern, Röteln, Diphtherie oder Scharlach geschädigt ist. Solche Schäden sind unheilbar. Aber fast in allen Fällen kann man die Möglichkeiten zu hören und zu verstehen deutlich verbessern, wenn man Hörgeräte – auch Hörsysteme genannt – nutzt. Für die optimale Anpassung sind Hörgeräte-Akustiker zuständig. Wer auf Hörgeräte verzichtet, nimmt viele Probleme in Kauf: Missverständnisse, Misstrauen, schlechtere soziale Kontakte und depressive Stimmungen. “Bei der Versorgung mit Hörgeräten gilt: je früher, desto besser”, so Professor Dr. med. Dr. h.c. Roland Laszig, Direktor der Universitäts-HNO-Klinik Freiburg. Davon profitiert mit der Hörfähigkeit auch die Lebensqualität.

Meist sind beide Ohren von einer Innenohrschädigung betroffen. Selbstverständlich sollten dann auch beide Ohren mit Hörsystemen ausgestattet werden. Einerseits ist das für das Richtungshören unerlässlich und andererseits droht die Hörleistung des nicht versorgten Ohres weiter abzunehmen, so Prof. Dr. Karin Schorn, HNO-Klinik Großhadern/München. Daher verordnen HNO-Ärzte bei beidseitiger Hörminderung immer auch zwei Hörgeräte.

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Der Verlust der Stille

(fgh) Rund 3 Millionen Menschen in Deutschland haben Tinnitus, viele von ihnen chronisch. Manche Menschen können ganz gut mit “ihrem” Tinnitus leben. 1,5 Millionen Betroffene allerdings leiden sehr darunter. Aber: Es gibt therapeutische Hilfe, zum Beispiel den Tinnitus-Noiser. Und: viele Tinnitus-Patienten sind zugleich schwerhörig – hier helfen Hörgeräte gegen die Schwerhörigkeit und das Ohrgeräusch.

Menschen mit Tinnitus hören ein Pfeifen oder Brummen, ein Rauschen, Zischen oder Pochen. Diese Geräusche sind auf keine Schallereignisse in der Außenwelt zurückzuführen. Solcher Lärm im Ohr tritt vorübergehend auf oder wird chronisch, seine Ursachen sind vielfältig: medizinisch-organische Erkrankungen, Lärmbelastungen, Stress, ein Hörsturz, Hörminderungen. Oft kann der HNO-Arzt akuten Tinnitus erfolgreich behandeln. Aber selbst wenn das Geräusch im Ohr chronisch wird: Viele Menschen können mit ihm leben. Das ist jedoch längst nicht allen möglich – und dann ist das Ohrgeräusch quälend.

Es gibt ein ganzes Spektrum an Therapie-Möglichkeiten: Medikamentöse Behandlungen und psychotherapeutische Hilfe, Akupunktur, Entspannungsübungen oder die Tinnitus-Retraining-Therapie; diese versucht, mittels Wahrnehmungsveränderungen den Tinnitus quasi zu entmachten. Auch ein Tinnitus-Noiser kann helfen. Tinnitus-Noiser sind Hörgeräten ähnlich und erzeugen ein angenehmes Geräusch, das den Tinnitus teilweise oder ganz überdeckt. Den Tinnitus-Noiser erhält man bei einem Hörgeräteakustiker, der ihn individuell anpasst.
Ein weiterer Grund für den Gang zum Hörgeräteakustiker: Über 50 Prozent der Tinnitus-Patienten hören nicht gut. Sie sollten Hörgeräte tragen, denn diese verbessern die Hörfähigkeit und lindern das Leiden am Ohrgeräusch. Weil man mit Hörgeräten auch wieder mehr Umweltgeräusche hört, tritt der Tinnitus in den Hintergrund. Der Hörgeräteakustiker stellt die Hörgeräte so ein, dass sie die Hörschwäche wie den Tinnitus so gut wie irgend möglich ausgleichen. Wenn dem Tinnitus mit Hörgeräten nicht ausreichend beizukommen ist, kann das Hörsystem mit einem Tinnitus-Noiser gekoppelt werden.

Beratungstelefon
Weiteres zum Thema Tinnitus können Sie erfragen: Am Mittwoch, dem 15. Dezember 2004, beim Beratungstelefon der Fördergemeinschaft Gutes Hören. Hier beantworten Hörakustiker (0800 - 0112 112) und HNO-Ärzte (0800 - 0112 113) Ihre Fragen zum Thema Tinnitus und Hörprobleme. Die Anrufe sind gebührenfrei.

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Ohren fit für den Winter

Sind Ihre Ohren fit für den Winter? Aufschluss gibt ein Hörtest beim Akustiker vor Ort. Der Check-Up ist kostenlos, hundertprozentig zuverlässig und dauert nur wenige Minuten. Hörtest – warum gerade jetzt? Die Antwort: Eine rechtzeitige Überprüfung des Hörvermögens kann unter Umständen lebensrettend sein. Zum Beispiel im Straßenverkehr, der im Winter besonders gefährlich ist. Regen, Schnee und Eis, Nebel, schlechte Sicht – jeder Verkehrsteilnehmer kennt die schwierigen Bedingungen während der kalten Monate. Um kritische Situationen zu vermeiden, sollten die Ohren besonders gut funktionieren. Denn nur wer eine Gefahrenquelle hören kann, schaut auch hin. Das beginnt bereits beim Überqueren der Straße. Wer ein heranbrausendes Auto nicht hört, übersieht die Gefahr leicht. Denn das Gehör lenkt den Blick. Und im Winter sind Bremswege meist länger. Doch nicht nur Fußgänger müssen ihre Aufmerksamkeit erhöhen. Auch Fahrradfahrer und Autofahrer sind während der dunklen Jahreszeit darauf angewiesen, dass die Sinne geschärft sind. Bestmögliches Hören ist dabei unentbehrlich.

Es erleichtert die Orientierung und kann eine eingeschränkte Sicht bei schlechtem Wetter teils ausgleichen. Grundsätzlich gilt: Je schlechter die Sicht, desto wichtiger ist das Hören.

Ein erhöhtes Sicherheitsrisiko tragen bereits Menschen ab dem 50. Lebensjahr. Dann nimmt die Hörfähigkeit in der Regel ab. Aber auch jüngere Menschen sind gefährdet. Bei ihnen treten Hörprobleme immer häufiger auf, verursacht durch den zunehmenden Umweltlärm, durch laute Musik oder auch unzulässig lautes Spielzeug bereits im Kindesalter. Jeder fünfte junge Erwachsene leidet heute bereits unter einem verminderten Hörvermögen. Abhilfe können moderne Hörgeräte schaffen, wegen ihrer High-Tech-Qualität auch Hörsysteme genannt. Sie sind klein, bequemer als eine Brille und extrem leistungsfähig. Das Hörsystem stellt sich von selbst auf die jeweilige Hörsituation ein. Es wird so zum unentbehrlichen Helfer in jeder Lebenssituation - und nicht zuletzt zum Garanten für die eigene Sicherheit. Hörsysteme werden von den Krankenkassen bis zu 100 Prozent bezahlt.
Quelle: Forum Besser Hören
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Immer mehr Hörverlust

Die Zahl der Älteren in Europa und den USA nimmt zu und Hörverlust wird immer vorherrschender.

Eine Studie, deren Ergebnisse 2003 in der angesehenen US-amerikanischen Zeitschrift Archives of Otololaryngology Head and Neck Surgery veröffentlicht wurde, untersuchte die Hörfähigkeit von rund 3000 US-Amerikanern zwischen 48 und 92 Jahren. Die Studie bestätigte Ergebnisse aus früheren Untersuchungen, die indizierten, dass über 20 Prozent der Menschen über 50 Jahren innerhalb einer 5-jährigen Periode an Hörverlust erkrankten. Die Forscher schlossen, dass Männer ein besonders hohes Risiko haben. Fast ein Drittel der Männer dieser Altersklasse bekommt innerhalb von fünf Jahren einen Hörverlust, im Vergleich zu 17 Prozent bei Frauen.

Der Verlust des Gehörs ist bei Menschen, die bereits einen Hörverlust haben, umso ausgeprägter. Mehr als die Hälfte erlebt in einem Zeitraum von fünf Jahren eine reduzierte Hörfähigkeit. Arbeit ist ein weiterer wichtiger Faktor in Bezug auf das Auftreten von Hörverlust bei Älteren. Personen, die früher in Industriejobs beschäftigt waren, haben eine doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit, an Hörverlust zu erkranken, wie ehemalige Büro- oder Verwaltungsangestellte.

Andere Studien zeigen, dass Hörverlust zunehmend auch bei jungen Leuten auftritt und ein umfangreicher Bedarf an Informationen und Behandlungen, einschließlich der Verschreibung von Hörgeräten, besteht.

Quelle: Archives of Otololaryngology Head and Neck Surgery, Oktober 2003, Bd. 129 und www.healthandage.com , Fundstelle: hear-it.org
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Schlüssel zum Gehör entdeckt

Das Gehör hängt von einem speziellen Protein tief im Ohr ab. Das hat eine Untersuchung der Harvard Medical School ergeben. Die Entdeckung könnte Tür und Tor für eine bessere Behandlung von Hörverlust und Gehörlosigkeit öffnen.

Die Wissenschaftler untersuchten das Gehör von Mäusen und fanden das Protein TRPA1 auf der Spitze der winzigen Ohrhaarzellen, welche die Schallvibrationen wahrnehmen.

Die Entdeckung könnte dabei helfen, zu erklären, wie Haarzellen den Schall in elektrische Impulse umwandeln, die vom Gehirn z.B. als erkennbare Sprache interpretiert werden.
"Die Identifizierung bedeutet, an den wahren Kern der Arbeit des Innenohrs vorzustoßen", erklärte das Forschungsteam-Mitglied Professor David Corey gegenüber BBC News.

Ohne das spezielle Protein können die Haarzellen nicht auf die Schallvibrationen im Ohr reagieren und somit keine elektrischen Signale an das Hirn weiterleiten.

Die Forscher glauben, dass die Ergebnisse eine Entwicklung neuer Behandlungen für Hörverlust und Gehörlosigkeit ermöglichen könnten.

Die Ergebnisse wurden in dem renommierten Wissenschaftsjournal "Nature" veröffentlicht.

Quelle: www.news.bbc.co.uk, 13.10.2004, Fundstelle: hear-it.org

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Aus Sparsamkeit Gehör riskiert

Wenn das eigene Hörvermögen nachlässt, können Hörgeräte den Betroffenen Abhilfe verschaffen. Doch 22% aller Menschen über 50 Jahre verzichten auf eine medizinische Versorgung, weil sie erhöhte Zuzahlungen fürchten. Zu Unrecht: Denn trotz Gesundheitsreform übernehmen die Krankenkassen weiterhin mit unveränderten Festbeiträgen die Kosten für Hörgeräte. Eine Nachricht, die sich bei knapp 80% aller Versicherten aber noch nicht herumgesprochen hat. Dies ist das Ergebnis einer Studie des Marktforschungsunternehmens Emnid.

Um Hörminderungen erfolgreich behandeln zu können, ist es wichtig, frühzeitig Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Viele Menschen zögern diese gegenwärtig jedoch aus nicht zutreffenden finanziellen Erwägungen heraus. Damit tun sie sich und ihrem Gehör keinen Gefallen. Denn beschädigte Hörnerven können nicht wieder hergestellt werden.

Dabei sind die Bundesbürger, wenn es um „gutes Hören“ geht, äußerst sensibilisiert und sich der Bedeutung des Themas bewusst. Knapp 61% aller Befragten kennen in ihrem Umfeld Menschen mit Hörminderungen. Die absolute Mehrheit hält zudem „gutes Hören“ für genauso wichtig wie „gutes Sehen“.

Weniger informiert zeigen sich die Interviewten hingegen bei der Frage, welche Kosten die Krankenkasse übernimmt. Hier waren sich lediglich 20% aller Befragen bewusst, dass die Leistungen der Krankenkassen unverändert geblieben sind und auf die Versicherten keine Mehrbelastungen zukommen.

„Wir gehen davon aus, dass dieses Ergebnis mit der Diskussion um die Gesundheitsreform zusammenhängt, die die Menschen verunsichert und pauschal mit Beitragssteigerungen verbunden wird. Dass es aber nicht auf allen Gebieten zu Leistungskürzungen kommt, wird dabei leicht übersehen“, sagt Stefan Paurat von der Internet- Informationsplattform „Forum Besser Hören“.

Ein weiteres Ergebnisse der Studie: Die Verbraucher haben großes Vertrauen in die Leistungsfähigkeit von Hörgeräten. So sind sich 86% der Befragten sicher, dass mit moderner Technologie ein Großteil bzw. ein Teil des alten Hörniveaus wieder erreicht werden kann.

Für die Studie befragte Emnid Menschen zwischen 50 und 70 Jahren.

Quelle: Forum Besser Hören
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