Archiv Dezember 2001                                                                   

Wenn Paul nicht auf Geräusche reagiert
(psg) Bei Kleinkindern ist die Früherkennung von Hörfehlern besonders wichtig, weil diese sich auf die gesamte Entwicklung auswirken. Im Zweifelsfall sollten Eltern mit ihrem Sprössling deshalb unbedingt zum Arzt gehen.
Was Kinder in den ersten Lebensmonaten und -jahren verpassen, läßt sich später oft nicht aufholen. "Die Hörfähigkeit und die Fähigkeit des Gehirns, Gehörtes zu verstehen, wird in den ersten vier Lebensjahren gebildet", erklärt Hals-Nasen-Ohren-Arzt Taufik Shahab. "Wenn ein Kind schwerhörig auf die Welt kommt, kann ich ihm nach vier Jahren nicht mehr helfen, weil dann die nötigen Strukturen des Gehirns fehlen. Nach einer Operation, die dann die Hörfähigkeit verbessert, wird das Kind jedes Geräusch nur als Krach wahrnehmen. Das gilt auch für gesprochene Sprache."
Kinder, die schlecht oder gar nicht hören, lernen nur schwer sprechen. Auch ihre intellektuellen und sozialen Fähigkeiten können sie kaum angemessen ausleben. Taufik Shahab: "Die Kinder sind nicht in der Lage, ihre Umwelt richtig zu begreifen und die notwendigen Sozialkontakte zu knüpfen. Das fängt oft schon im Kindergarten an: Keiner will mit ihnen spielen, denn sie sprechen nicht, reagieren eventuell auch aggressiv."
Damit Hörschäden rechtzeitig erkannt werden, sollten Eltern auf jeden Fall die regelmäßigen ärztlichen Früherkennungsuntersuchungen für Kinder bis zum sechsten Lebensjahr wahrnehmen. Die Prüfung des Gehörs ist dabei ein wichtiger Punkt. Im Alltag müssen Eltern unbedingt darauf achten, ob ihr Sprössling auf Geräusche angemessen reagiert.
Unterschiedliche Ursachen
Die Ursachen für Hörschäden sind sehr unterschiedlich: Manche Kinder kommen schwerhörig oder sogar taub auf die Welt. Typische Auslöser für Schwerhörigkeit sind aber auch Ohrenschmalz, Polypen und Krankheiten wie Masern, Mumps oder eine Mittelohrentzündung. "Eine andere, leicht zu verhindernde Gefahrenquelle sind Wattestäbchen. Beim Versuch, die Gehörgänge der Kinder zu reinigen, verletzen Eltern leicht das Trommelfell", so Taufik Shahab. Oft können Hörschäden durch Medikamente oder eine Operation behoben oder durch Hörgeräte ausgeglichen werden.
Hilfe suchen
Mit der Diagnose eines Hörschadens ist bereits ein wichtiger Schritt getan. Handelt es sich um eine schwere Erkrankung, sollten die Eltern sich auf jeden Fall Hilfe suchen. "Die Kinder brauchen intensive Förderung, das heißt Betreuung durch einen Kinderarzt, einen Logopäden und einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt", rät Taufik Shahab. "Außerdem muß man versuchen, sie sozial zu integrieren durch den passenden Kindergarten oder die passende Schule. Die Eltern betroffener Kinder sollten sich mit anderen zusammenschließen. So können Erfahrungen ausgetauscht und Adressen weitergegeben werden."
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Walkman: Tinnitus statt Hörgenuss
Gesundheitsschäden durch zu laute Musik und Dauerhören

(psg) Von vorne die Spice Girls, von hinten der neueste Techno-Sound: So manch geplagter Fahrgast hat - im Bus umzingelt von kopfnickenden Walkman-Fans - schon die Flucht ergriffen. Aber nicht nur die Mitmenschen leiden, wenn zu laute Musik aus den Kopfhörern dröhnt: Hohe Lautstärke kann auch bei den Musikfans selbst zu Taubheit und Tinnitus - ein permanentes Ohrensausen - führen. Damit im Alter nicht das Hörgerät die Kopfhörer ersetzt, soll zukünftig eine EU-Norm die maximale Lautstärke begrenzen.

Die AOK rät aber schon jetzt: Walkman-Fans sollten ihre Recorder nie voll aufdrehen und öfter mal eine Hörpause einlegen. Denn: Bereits jeder vierte männliche Jugendliche leidet unter messbaren Hörschäden durch zu laute Musik.
Schallspitzenwerte von 110 Dezibel - so laut wie ein Presslufthammer in einem Meter Abstand - treffen nicht selten auf die Ohren der Walkman-Fans. Doch bereits bei länger andauernder Belastung mit mehr als 85 Dezibel - etwa so laut wie eine belebte Straße - nimmt die Hörempfindlichkeit Schritt für Schritt ab. Es entsteht Hochtonschwerhörigkeit - ein Schaden der nicht heilbar ist. Auch bei Tinnitus sind die Heilungschancen gering. Das ständige Ohrklingeln kann den Betroffenen gerade beim Einschlafen oder in Ruhepausen zur Verzweiflung treiben.

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Das Gehirn hört gedachte Melodien

Professionelle Musiker können Melodien beim bloßen Denken daran bereits hören. Das fand Gabriela Scheler von der Universität Tübingen heraus. Sie maß die Gehirnaktivitäten von acht Orchestermusikern und acht Amateuren, als diese tonlos die ersten 16 Takte von Mozarts Violinkonzert in G-Dur spielten. Die Fingerbewegungen und die Vorstellung von der Musik habe bei den Profis - Geiger in deutschen Orchestern - Teile des Gehirns stark aktiviert, die eigentlich für das Hören zuständig sind. "Wenn die Profis ihre Finger bewegen, hören sie die Musik in ihrem Kopf", so Scheler. Bei Amateuren sei höhere Aktivität in dem Bereich festgestellt worden, der die Bewegung der Finger kontrolliert. Sie seien offenbar vorrangig mit der korrekten Ausführung beschäftigt gewesen. Profis hätten wohl ihr Gehirn davon befreit, sich über das Treffen der richtigen Töne Gedanken zu machen, erklärt Scheler, selbst ehemalige Geigerin im Nürnberger Orchester.
Quelle: Die Welt

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Die Folgen des Lärms werden noch zu häufig unterschätzt
Diagnose von Hörschäden erfolgt bei älteren Patienten oft zehn Jahre zu spät

HANNOVER (jh). 15 bis 16 Prozent aller Bundesbürger hören schlecht - doch Schwerhörigkeit wird bagatellisiert, auch von Ärzten. Das stellte Professor Thomas Lenarz, Leiter der HNO-Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) fest.
"Bei kleinen Kindern heißt es häufig, 'das verwächst sich'", sagte Lenarz - aber eine einmal festgestellte Schädigung des Hörsinns lasse sich nicht wieder beheben, sondern durch ein Hörgerät nur lindern.
Schwerhörigkeit wird bei Kleinkindern im Schnitt erst mit 31 Monaten festgestellt. Bei älteren Menschen kommt die Diagnose oft zehn Jahre zu spät. Grund sei nicht zuletzt der Zeitmangel in der Arztpraxis und die begrenzten Budgets, sagte Professor Benno Paul Weber, Oberarzt in der HNO-Klinik der MHH. 
Nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung fühlen sich 70 Prozent der Deutschen durch Verkehrs- und Fluglärm massiv gestört. Über 13 Millionen Menschen sind durch einen zu hohen Lärmpegel betroffen. Darunter leide auch das Herz-Kreislauf-System, sagte Professor August Schick, Leiter des Instituts zur Erforschung von Mensch-Umwelt-Beziehungen an der Universität Oldenburg. "Jeder 50. Herzinfarkt ist heute lärmbedingt", schätzte er.
Die krankmachenden Ursachen haben sich aber verlagert: Jährlich werden zwar 6000 neue Fälle von Schwerhörigkeit von den Berufsgenossenschaften anerkannt, nach wie vor die häufigste Berufskrankheit. Die Zahl geht seit Mitte der neunziger Jahre aber zurück, weil Lärmschutzvorschriften greifen. Dafür nimmt der Freizeit- und Verkehrslärm zu. Unter den 30jährigen sind bereits 15 Prozent schwerhörig.
Quelle: Ärzte Zeitung

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Zu Hause den Lärm senken
Gegen die ständigen Geräusche etwas tun

Experten warnen vor einer ständigen Geräuschkulisse in der Wohnung. Doch gegen den Lärm in den eigenen vier Wänden kann man mit einfachen Mitteln etwas tun.
Im Herbst und Winter verbringen Menschen etwa 90 Prozent ihrer Zeit in geschlossenen Räumen. Dort sind sie einer ständigen Geräuschkulisse ausgesetzt: laufende Radio- und Fernsehgeräte, herum tollende Kinder, Bau- und Renovierungsarbeiten.
Schon das Brummen des Kühlschrankes und normale Hintergrundgeräusche summieren sich auf eine konstante Lärmbelastung von etwa 35 bis 40 Dezibel, weiß die Europäische Teppich-Gemeinschaft in Bonn. Folgen können Lern- oder Konzentrationsschwierigkeiten sein. Schlafstörungen beginnen ab einem Pegel von 35 Dezibel. Davon wachen die meisten zwar nicht auf, doch ihr Schlaft ist gestört und bringt nicht die richtige Erholung. Für mehr Ruhe empfiehlt Professor Dr. Klaus Fiedler, Vorsitzender des Ausschusses Wohnmedizin und Bauhygiene der Gesellschaft für Hygiene und Umweltmedizin, einen Lärm-Check.

  • Kinder sollten zu Hause statt fester Schuhe Pantoffeln oder dicke Strümpfe tragen.
  • Lärm dämmende Beläge wie Teppichböden schlucken Geräusche. Der Trittschall verringert sich. Je dicker und weicher der Teppich, desto stärker ist der Ruheeffekt.
  • Beim Kauf von Elektro- oder Haushaltsgeräten auf die Geräuschentwicklung achten.
  • Vorhandene Geräte auf eine weiche Unterlage stellen.
  • Lautsprecher der Stereoanlage nicht an der Wand aufhängen, damit die Musik nicht unnötig weitergetragen wird.
  • Fenster geschlossen halten und kräftig lüften, um den Lärm von draußen nicht herein zu lassen.
  • Das Schlafzimmer überprüfen: Stehen die Betten im ruhigsten Teil der Wohnung? Oder kann durch Verlegung in einen anderen Raum mehr Nachtruhe erzielt werden?

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Hörschäden durch Konzerte müssen nicht sein
Die Fördergemeinschaft Gutes Hören informiert anlässlich eines aktuellen Urteils:

(fgh) Eine hochgradige Innenohrschädigung und Tinnitus (Ohrgeräusche) sind die belastenden Folgen eines Pop-Konzertes. Einer jungen Frau, die diese bleibenden Hörschäden durch den Besuch eines Konzertes erlitt, wurde kürzlich Schmerzensgeld in Höhe von 9.000 DM zugesprochen (Az: 5 U 1324/00). Die Veranstalter hätten die Besucher 90 Minuten lang einem pflichtwidrig hohen Schallpegel ausgesetzt, so der Richter vom Koblenzer Oberlandesgericht. Dass die Frau in der Nähe der Boxen stand, wurde nicht als Mitverschulden angerechnet. Denn jeder Besucher dürfe sich darauf verlassen, dass der Veranstalter die Musik auf einen Geräuschpegel begrenzt, der nicht gesundheitsschädlich ist. "Es bleibt zu hoffen, dass dieses Urteil die Veranstalter von Konzerten und Diskos zum Umdenken anregt", so Dr. Karin Uphoff von der Fördergemeinschaft Gutes Hören (FGH). "Bei vielen Musikveranstaltungen wird die Musik lauter gedreht, als für den Genuss nötig und vor allem lauter, als für die Ohren gut ist. Doch man ist diesen Lautstärken nicht hilflos ausgeliefert. Mit Gehörschutzstöpseln oder besser noch: individuell angefertigtem Gehörschutz kann man Musik ungefährdet genießen."
Laute Musik, Knalle und anderer Lärm können das Gehör unheilbar schädigen. Hörschäden sind ab einer Lautstärke von 85 Dezibel (dB) möglich, wenn man diesem Lärm mindestens 40 Stunden pro Woche ausgesetzt ist. Man spricht dabei von der zulässigen wöchentlichen Schallbelastung. Bei Rock- und Popkonzerten und in Diskos zu vorgerückter Stunde werden häufig 100 bis 110 Dezibel erreicht. Bei 100 Dezibel ist nach etwa 80 Minuten die zulässige Schallbelastung für eine Woche erreicht, bei 110 Dezibel nach knapp zehn Minuten.

Niemand muss auf den Spaß eines Konzert- oder Diskobesuchs verzichten. Dr. Karin Uphoff betont: "Gehörschutz erhält das gute Gehör. Damit auch in Zukunft Musikgenuss und Kommunikation ohne Abstriche möglich sind." Es gibt nach Maß angepassten Gehörschutz mit oder ohne Filter: Hörakustiker bieten zum Beispiel speziell für Musikliebhaber Gehörschutz mit Filter an. Dieser Filter dämpft alle Frequenzen gleichmäßig und bringt daher unverzerrten, natürlichen Klang. Gute Lösungen, die man seinem Gehör zuliebe nutzen sollte.
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Silvesterböller schlägt aufs Ohr

Die letzten Sekunden im alten Jahr bis Mitternacht. Raketen, Böller und Kanonenschläge liegen bereit. Und um zwölf Uhr wird geknallt: Feuer frei. Bei manchem Knaller aber kann der Schuss nach hinten losgehen. Explodieren nämlich die Feuerwerkskörper in unmittelbarer Nähe von anderen, kann das auf die Ohren gehen. Durch das sogenannte Knalltrauma wird das Innenohr geschädigt und die Hörfähigkeit ist schlagartig stark verschlechtert. 

Mit etwas Glück erholt sich das Ohr nach einiger Zeit wieder. Doch häufig verbleibt eine Schwerhörigkeit für hohe Frequenzen. Ein Souvenier von der Jahreswende. Auch Ohrgeräusche, wie ständiges Rauschen oder Pfeifen, können durch das Knalltrauma ausgelöst werden. Auf jeden Fall sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden
Quelle: DAK
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Reicher und intelligenter mit Wein

(smog) Im Wein liegen Wahrheit und offenbar noch ganz andere Qualitäten. Einer Studie der Universität von Indiana zufolge erfreuen sich Weintrinker einer guten Gesundheit und sind im Vergleich zur durchschnittlichen Bevölkerung zudem noch klüger, besser gebildet und reicher. An der Untersuchung nahmen 363 Männer und 330 Frauen im Alter von 29 bis 34 Jahren teil. Ihre Gesundheitsdaten wurden mit denen von Biertrinkern, von abstinent lebenden Personen und mit denen von Bier- und Weintrinkern verglichen.
Fazit: Weintrinker seien intelligenter, hätten eine längere Ausbildung und ein höheres Einkommen. Die Forscher schlussfolgerten, dass der Rebensaft bei den Versuchspersonen ein Indikator für eine gute soziale und persönliche Entwicklung ist, die wiederum mit einer guten gesundheitlichen Verfassung in Verbindung gebracht wird. Fragt sich nur, was zuerst da war, der Wein, die Bildung oder die Gesundheit? Hatten die heutigen reichen und klugen Weintrinker etwa schon Rebensaft in der Babyflasche?

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