Archiv November/Dezember 2005                                                                   

Hörsysteme: Der Markt ist digital

Die Digitaltechnik hat den deutschen Hörgerätemarkt fast vollständig erobert. 70 Prozent aller angepassten Geräte sind heute volldigitale Hörsysteme. Traditionelle analoge Geräte spielen mit einem Anteil von nur noch 14 Prozent eine immer geringere Rolle, ebenso programmierbare Hörgeräte mit nur noch 16 Prozent.

„Wenn es darum geht, Hörprobleme auszugleichen, vertrauen die Deutschen auf volldigitale Spitzentechnologie", kommentiert Karsten Mohr vom Forum Besser Hören die Zahlen. Seit Einführung der Digitaltechnik bei Hörgeräten Mitte der 90er Jahre hat sich der Marktanteil dieses Gerätetyps kontinuierlich gesteigert. Für das laufende Jahr wird mit einem Anteil von mehr als 80 Prozent gerechnet.

Die Vorteile volldigitaler Hörsysteme liegen in der ausgefeilten Chiptechnologie. Sie gewährleistet intelligentes Schallmanagement und damit bestmögliches Hören in allen erdenklichen Alltagssituationen. Die Geräte stellen sich automatisch auf die jeweils vorliegende Hörkulisse ein und wählen in Sekundenbruchteilen das optimale Programm. Hinzu kommt, dass die Hörsysteme immer kleiner werden und dem Nutzer bestmöglichen Tragekomfort bieten.  

Egal ob im Straßenverkehr, bei Windgeräuschen oder im Stimmengewirr – Hörsysteme filtern heraus, was den Träger stört und betonen das, was er hören will. Möglich wird dies durch die stetige Verbesserung der Hörsysteme-Chips. Sie beinhalten heute mehrere Millionen Transistorfunktionen, um akustische Signale zu verarbeiten. Adaptive Richtmikrofone optimieren die gezielte Schallaufnahme. Beidohrige Systeme verbessern zusätzlich das wichtige räumliche Hören und damit das Sprachverstehen.

Der Bedarf an Spitzentechnologie zur Versorgung von Hörschwäche wird in den kommenden Jahren weiter wachsen. Auf Grundlage von Studien geht das Forum Besser Hören davon aus, dass in Deutschland 15 bis 20 Millionen Menschen von Hörproblemen betroffen sind. Tendenz steigend.
Quelle: Forum Besser Hören
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Chirurgen gegen Lärm

Für das Gehör kann die Arbeit im Operationsraum schädlich sein. Die Operationsausrüstung der Chirurgen produziert oft so viel Lärm, dass sie das Risiko von Hörverlust mit sich bringt. Die Lautstärke der elektrischen Geräte bei einer Knie- oder Hüftoperation überschreitet den erlaubten Maximalwert von 140 dB.

Die schädigenden Lärmpegel wurden durch eine Studie belegt, die in dem Chirurgen-Magazin „Australian and New Zealand Journal of Surgery“ veröffentlicht wurde.

Die Forscher untersuchten die Lärmpegel während fünf Knie- und Hüftoperationen im Taruanga- Krankenhaus in Neuseeland. Es wurden Messungen am Ohr des Chirurgen vorgenommen, die Spitzenpegel von 145 dB ergaben. Pegel über 140 dB können sofortigen Hörverlust auslösen.

Den Chirurgen ist die Gefahr meist nicht bewusst, weil der Lärm nur kurz anhält, und viele Chirurgen versäumen es, ihre Ohren während der OP zu schützen. Bei Spitzenpegeln über 140 dB empfehlen die Sicherheits- und Gesundheitsrichtlinien der Arbeitsbehörde den Gebrauch von Gehörschutz und regelmäßigem Hörscreening.

Eine frühere Studie, die in “ The Journal of Bone and Joint Surgery” veröffentlicht wurde, ergab, dass 11 von 22 Mitarbeitern im Operationsraum des St. Mary’s Hospitals in London schwerhörig waren. Der durchschnittliche Hörverlust wurde bei 12,3 dB gemessen. Alle Untersuchten hatten mehr als fünf Jahre in Operationssälen gearbeitet.

Je häufiger die Chirurgen dem schädigenden Lärm ausgesetzt sind, desto höher ist das Risiko von lärmbedingtem Hörverlust, so die Warnung der Forscher.
Quelle: Noise exposure in the orthopaedic operating theatre: A significant health hazard, Australian and New Zealand Journal of Surgery, Nr. 73, 2003 und: Noise-induced hearing loss in orthopaedic staff, Journal of bone and joint surgery, Nr. 73, 1991, Fundstelle: hear-it.org

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Goldener Akustikus für G. Emmerlich

(fgh) Der Sänger, Moderator und Entertainer Gunther Emmerlich wurde am 19. Oktober 2005 mit dem Goldenen Akustikus der Fördergemeinschaft Gutes Hören ausgezeichnet. “Mit seiner ausdruckstarken und vielseitigen Stimme spricht Gunther Emmerlich auf unnachahmliche Weise den Sinn ‚Hören‘ an. Die Menschen hören ihm begeistert zu, weil er vermittelt, welcher Genuss es sein kann, zu hören”, so die Jury der Fördergemeinschaft Gutes Hören (FGH) in ihrer Begründung.

Hören ist ein wichtiges Thema für Gunther Emmerlich. Denn, so betont er, “für einen Sänger ist gutes Hören die Voraussetzung für gutes Klingen.” Das Hören hat für den Opernsänger und Moderator aber auch eine soziale Bedeutung: “Zuhören können ist für uns alle das wichtigste Zeichen für Dialogbereitschaft und Freundlichkeit”, so Emmerlich. Doch viele Menschen können nicht richtig zuhören, weil ihr Gehör nur eingeschränkt funktioniert.

In Deutschland haben 14 Millionen Hörprobleme. Gunther Emmerlich empfiehlt, auf diese Menschen einzugehen: “Menschen, die schlecht hören, sind sehr dankbar, wenn man langsam, deutlich und etwas lauter spricht. Das setzt aber voraus, dass man um ihre Hörschwierigkeiten weiß. Sie müssen also offen damit umgehen.” Emmerlich selbst hätte damit offenbar keine Probleme und würde auch die technischen Möglichkeiten für sich nutzen. Wenn sein Gehör einmal nachlassen sollte, würde er “selbstverständlich Hörgeräte tragen.”

Die Verleihung fand in Nürnberg während der feierlichen Eröffnung des 50. Internationalen Hörgeräte-Akustiker-Kongresses statt. Die FGH verlieh den mit 10.000 Euro dotierten Goldenen Akustikus zum dritten Mal. Die vorherigen Preisträger waren Peter Maffay (2001) und Rufus Beck (2004).

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"Führerschein" für DJs

Deutschen DJs wird eine spezielle „Führerscheinprüfung“ angeboten. Diese soll DJs rund um die Gefahren von exzessiv lauter Musik schulen und ist Teil des Kampfes gegen Hörschäden, von denen eine immer größer werdende Zahl an Jugendlichen betroffen sind.

Immer mehr junge Leute leiden an Hörschäden. Häufige Besuche in Discos mit hämmernder Musik ist einer der Gründe, und die Nachtclubindustrie Deutschlands hat sich dazu entschlossen, die Bemühungen zur Einschränkung des Freizeitlärms zu unterstützen.

”Die ständig zunehmende Zahl von Hörschäden bei Kindern und jungen Erwachsenen durch Freizeitlärm ist ein Grund zu tiefer Besorgnis. Wir müssen in vielen Bereichen des sozialen Lebens umdenken lernen,” erklärte Henning Franz, Vorsitzender des Berufsverband Discjockey.

Zurück auf die Schulbank
Die DJ-Führerscheinprüfung abzulegen ist freiwillig.

Die teilnehmenden DJs erhalten Instruktionen in mehreren Gebieten wie Akustik, Technologie und Gefahren durch laute Musik. Das Seminar schließt mit einer schriftlichen Prüfung ab. 

”Die Kurse wurden von Experten der Technischen Universität in Berlin zusammengestellt, zusammen mit Forschern, welche die Auswirkungen von Lärm untersuchen,” sagte Stephan Büttner, Rechtsanwalt und Manager des Berufsverbandes der Discjockeys.

Zusätzlich zu dem Lärmtraining werden die deutschen DJs durch Lärmmonitore unterstützt, welche die Schallpegel auf der Tanzfläche anzeigen. Die Anzeigen geben an, von wie vielen dB die Tänzer auf der Tanzfläche umgeben sind, und warnen den DJ, wenn der Musiklärm gefährliche Pegel erreicht.

Die ersten DJs erhielten ihre Führerscheine November 2004 in Stuttgart. Seitdem haben mehrere die Prüfung absolviert.

Andere Gefahren
Es wird davon ausgegangen, dass jeder vierte junge Deutsche an Hörschäden leidet, und dass ein ganzes Drittel der heutigen Jugendlichen bereits Hörgeräte brauchen werden, wenn sie gerade einmal 50 Jahre alt sind.

Es ist nicht nur die laute Musik in Discos, die ihr Gehör schädigt. Das stundenlange Hören von Musik auf Discmans und MP3-Playern rangiert unter vielen anderen bedeutenden Ursachen.

Quellen: Berufsverband Discjockey, www.bvd-ev.de, Allgemeine Hotel und Gaststätten-Zeitung, www.ahgz.de, 30. November 2004 , Fundstelle: hear-it.org

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Straßenhörtest: Schlechtes Ergebnis

(fgh) Vier von zehn Passanten, die in deutschen Innenstädten einen Hörtest machten, hören schlecht. So schlecht, dass sie ernsthafte Kommunikationsprobleme haben. Von 3711 Personen, die sich während der Hörtour der Fördergemeinschaft Gutes Hören in den Fußgängerzonen testen ließen, hatten 12 Prozent eine erhebliche Hörminderung, 29 Prozent eine mittlere und 32 Prozent eine leichte.
Nur 27 Prozent hörten gut.

Ein typischer Fall war die 72-jährige Frau aus Neubrandenburg: “Meine Kinder haben mir gesagt, ich höre schlecht. Jetzt wollte ich doch mal nachprüfen lassen, ob das stimmt. Sie haben tatsächlich Recht gehabt, ich höre wirklich nicht mehr so gut. Na da muss ich jetzt dann doch mal zum Arzt gehen.” Hörprobleme gibt es in jedem Lebensalter. So wurde bei gut sieben Prozent der Altersgruppe bis 20 Jahre eine mittlere oder erhebliche Hörminderung gefunden. Bei den 21- bis 40-Jährigen waren es knapp sechs Prozent und bei den 41- bis 60-Jährigen hatten gut 28 Prozent eine mittlere oder erhebliche Hörminderung.

In der Gruppe der über 60-Jährigen wurde bei 41 Prozent eine mittlere Hörminderung festgestellt und bei 21 Prozent eine erhebliche. 29 Prozent hatten eine leichte Minderung und nur neun Prozent hörten gut.

Die Zahlen wurden zwischen 30. Mai und 26. August 2005 in
45 deutschen Städten ermittelt. Die Tests wurden in schalldichten Kabinen von ausgebildeten Hörgeräte-Akustikern durchgeführt, die vor dem Hörtest jeweils die Gehörgänge überprüften. Es fand keine Vorauswahl der Testpersonen statt, die eine Repräsentativität gewährleisten würde. Zusätzlich zu den Tests in den Kabinen wurden Schnellhörtests angeboten. Hier wurden mehr als 6000 Hörtests durchgeführt.

Bemerkenswert ist die große Anzahl von Menschen, die auf eine Gelegenheit wie die Hörtour warteten, um endlich einmal das Gehör überprüfen zu lassen. Trotz monatelanger Zweifel am eigenen Hörvermögen, hatten viele es vorher nicht geschafft, einen Hörtest machen zu lassen. Obwohl dies in allen Hörgeräte-Akustik-Fachgeschäften kostenlos und bei jedem HNO-Arzt möglich gewesen wäre. Man sollte sein Gehör regelmäßig testen lassen. Denn nur wer sein Problem kennt, kann es lösen.

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Kein Zeichen des Alterns

Junge Erwachsene empfinden Hörgeräteträger weder als dumm noch langsam. Sie sehen Hörgeräte auch nicht als Zeichen des Alterns, so wie alte Menschen es häufig selber tun.

Die Haltung von jungen und älteren Erwachsenen gegenüber Hörgeräten wurde in einer amerikanischen Studie untersucht. Es zeigte sich dabei auch, dass junge Leute selber nur ungern ein Hörgerät benutzen.

Eine Gruppe von 186 Universitätsstudenten und 274 55-90- Jährige wurden nach ihrer Sicht auf den Gebrauch von Hörgeräten befragt. Ihre Antworten zeigen, dass 37 Prozent der älteren Altersgruppe meinte, dass Hörgeräte generell für alte Leute da sind, wohingegen nur 4 Prozent der jungen Befragten diese Ansicht teilten.

Die jungen Leute standen den Hörgeräten auch in anderer Hinsicht positiver gegenüber. Nur 2,5 Prozent der jungen Befragten glaubten, dass Hörgeräteträger langsamer denken als andere. 

Von den älteren Befragten teilten zwischen 17 und 23 Prozent diese Auffassung. Jeder Zehnte in der höheren Altersruppe sah die Hörgeräte als Zeichen von geringerer Intelligenz. Nur jeder 100. der jungen Befragten waren derselben Ansicht.

Im Gegensatz zu ihrer positiven Auffassung von Hörgeräten und Hörgeräteträgern, sagten 55 Prozent der jungen Leute, dass es ihnen etwas ausmachen würde, mit Hörgeräten gesehen zu werden. Diese Sorge teilten 14-19 Prozent der älteren Befragten. 60 Prozent der jungen Befragten gaben an, dass sie die Hörgeräte bei Bedarf sofort benutzen würden, wären die Hörgeräte kleiner und weniger sichtbar.

Eine Mehrheit der jungen Befragten war skeptisch gegenüber der Effizienz der Hörgeräte in Bezug auf eine Erleichterung der Hörprobleme. Nur 8 Prozent von ihnen glaubte, dass ihnen Hörgeräte helfen würden. Im Gegensatz dazu sagten 52 Prozent derjenige, die bereits ein Hörgerät trugen, dass die Geräte ihre Hörprobleme vollständig gelöst hätten.

Quelle: The hearing aid ‘effect’ revisited in young adults, British Journal of Audiology, Oktober 2001, Fundstelle: hear-it.org
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