Archiv November 2004                                                                   

Nur so helfen Hörsysteme

(fgh) High-Tech-Hörgeräte – auch Hörsysteme genannt – können nur dann optimal helfen, wenn bei der Anpassung sämtliche Qualitätskriterien erfüllt werden – vom Hals-Nasen-Ohrenarzt ebenso wie vom Hörgeräte-Akustiker, so Prof. Dr. Karin Schorn, HNO-Klinik Großhadern/München, bei einer Expertenrunde aus HNO-Ärzten, Audiologen, Hörgeräte-Akustikern, Vertretern der Hörgeräte-Industrie und des Deutschen Schwerhörigenbundes am 7. und 8. Oktober in Berlin.

Nachdem der HNO-Arzt die Diagnose gestellt, den Patienten ausführlich beraten und eine Verordnung ausgestellt hat, beginnen die vielfältigen Aufgaben des Hörgeräte-Akustikers, wie Schorn ausführte: “Er muss dem Kunden die Möglichkeit geben, Geräte verschiedener Herstellerfirmen zu vergleichen, die sich in Qualität und Preisgestaltung unterscheiden.” Doch auch nachdem die richtigen Hörsysteme ausgewählt und auf das individuelle Hördefizit eingestellt wurden, ist die Arbeit des Hörgeräte-Akustikers nicht getan. “Nach dem Probetragen müssen die Geräte nachjustiert und bei Bedarf über Wochen schrittweise nachreguliert werden. Das gleiche gilt auch für das Ohrpassstück (Otopastik), das so lange bearbeitet werden muss, bis es seine Aufgabe optimal erfüllt.” 

Letztlich, so Hörgeräte-Akustiker-Meister Dr. Bernd Hähle, Cottbus, “dauert die Anpassung so lange, wie die Hörsysteme halten. Denn in all diesen Jahren stehen Hörgeräte-Akustiker bereit für die Nachsorge, Wartung, den Service und falls notwendig die weitere Nachjustierung.”

Diese Leistungen können in der HNO-Arztpraxis nicht erbracht werden, so die Expertenrunde. Und doch bieten zwölf Prozent der HNO-Ärzte ihren Patienten eine Hörgeräte-Anpassung an. Dr. Harald Seidler, Vorsitzender des Deutschen Schwerhörigenbundes und niedergelassener HNO-Arzt lehnt dies entschieden ab: “Es ist ein ganz klarer berufsrechtlicher Verstoß. Es kann doch einfach nicht sein, dass man Patienten die Möglichkeit vorenthält, die bestmögliche Hörgeräte-Versorgung zu bekommen. Bei der abschließenden Kontrolle der Geräte überprüft der Arzt zudem seine eigene Leistung, was allen Anforderungen an eine Qualitätskontrolle widerspricht.” Die Expertengruppe verständigte sich auf zehn Qualitätskriterien, die bei der Hörgeräte-Versorgung erfüllt werden müssen. Grundlage dafür ist die Beteiligung beider Berufsgruppen.
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Lautstärke einfach messen

Schwerhörigkeit wird zur Volkskrankheit! Laute Diskotheken, viel zu laute Musik in den Autos, starke Lärmbelästigung am Arbeitsplatz und im Alltag. Dies alles wird noch immer unterschätzt und oft nicht ernst genommen - die Folge: Durch Lärm kann nicht nur das Gehör, sondern auch die Psyche des Menschen schwer und teilweise irreparabel geschädigt werden.

Hearsafety – ein neues Gerät zum Messen von Lärm - hilft zu erkennen, wann es für die Ohren zu laut und damit hochgefährlich werden kann. 3 Indikator-LEDs zeigen auf einfachste Art, wie laut es sein darf, ohne Schäden für Ohr und Seele zu erleiden.

Die Bedienung ist denkbar einfach: Hearsafety mit der Mikrofonöffnung auf die Schallquelle richten, blauen Messknopf betätigen und anhand der leuchtenden LEDs Messergebnis ablesen:  

  • Grüne LED: Zeigt an – genau so laut darf z.B. Ihr Nachbar sein ohne, dass es Ruhestörung ist. LED flackert = 55dB, LED Dauerlicht > 60 dB.

  • Gelbe LED: Gefährliche Dauerlärmbelastung (ab 80 dB), gehörschädigend über längeren Zeitraum, z.B. am Arbeitsplatz, in Fabrikhallen, bei Konzerten usw. LED flackert = 75 dB, LED Dauerlicht > 80 dB.

  • Rote LED: Achtung Gefahr! Der Lautstärkepegel liegt bei über 100 dB = sofortige Schädigung des Gehörs. LED pulsiert langsam = 100 dB, LED pulsiert schnell > 100 dB, LED Dauerlicht > 105 dB.

Im Lieferumfang sind zwei Knopfzellen-Batterien enthalten, die ca. 1.000 Messungen ermöglichen. Der Preis beträgt 7,90 Euro.

Weitere Informationen erhalten Sie hier.
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Arbeitslärm und Gewehrschüsse

Lärm am Arbeitsplatz und die Ausübung von Schießsport in der Freizeit verursachen starken Hörverlust, so eine umfassende Studie aus Norwegen. Mehr als 50,000 Erwachsene über 19 Jahren wurden auf Hörverlust gescreent und zu ihrem Alltag befragt.

Jäger mit Pistolen und Gewehren sind Hörverlust besonders ausgesetzt. Die Studie fand eindeutige Auswirkungen von Impulslärm, der in der untersuchten norwegischen Region meist von Gewehrschüssen stammt. Sechzehn Prozent der Männer waren dieser Art von Lärm ausgesetzt, und unter diesen betrug der durchschnittliche Verlust im Hochfrequenzbereich in der Altersgruppe 45 bis 64 Jahre 7,9 dB Laut der Studienergebnisse ist Lärm am Arbeitsplatz auch schädlich, v.a. für Männer. Unter den 10 Prozent der Männer, die dem meisten Arbeitslärm ausgesetzt waren, betrug der durchschnittliche Hörverlust 3-10 dB. Am härtesten betroffen waren männliche Bauarbeiter über 45 Jahre mit einem durchschnittlichen Hochfrequenzhörverlust von 2,2 dB.

Die Wissenschaftler untersuchten weitere Ursachen, die das Gehör beeinträchtigen und fanden heraus, dass Kopfverletzungen und wiederholte Ohrentzündungen das Risiko von Hörproblemen ebenfalls erhöhen.

Quelle: Hørselstap forårsaket av støy, ørebetennelser og hodeskader, Medisin og Vitenskab, Nr. 21, 2003, og HearingLlossIinduced by Noise, Ear Infections, and Head Injuries: Results From the Nord-Trøndelag Hearing Loss Study, International Journal of Audiology, Nr. 42, 2003 , Fundstelle: hear-it.org
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Herzprobleme und Hörverlust

Bei älteren Menschen besteht möglicherweise ein Zusammenhang zwischen Hörverlust und Herzproblemen. Laut einer amerikanischen Studie sind verschiedene Stufen von Hörverlust bei Personen mit Herzproblemen um 54 Prozent verbreiteter als in der Allgemeinbevölkerung.

An der Studie nahmen 2226 Personen im Alter zwischen 52 und 97 Jahren teil. Durchgeführt wurde sie an der Fakultät für Volksgesundheit der Wisconsin University, USA.

Zudem trat Hörverlust bei fast 80 Prozent der Personen auf, die einen Herzinfarkt hatten. Bei der Berücksichtigung von Alter, Geschlecht, Beruf und anderer Faktoren stellte sich heraus, dass bei Frauen Hörprobleme eine Art Vorzeichen für einen Herzinfarkt waren, was bei Männern nicht festgestellt werden konnte. Tatsächlich waren Frauen, die ein solches Herzproblem hatten, 2,7 Mal anfälliger für Hörverlust als Frauen allgemein.

Die Studie zeigte auch, dass Personen, die mindestens ein Mal pro Woche Sport treiben, das Risiko von Hörverlust im Vergleich zu sportlich untätigen Personen um 32 Prozent reduzierten.
Diese ersten Ergebnisse zeigen einen möglichen Zusammenhang von Herzkrankheiten und Hörverlust. Allerdings bedarf es weiterer Studien, um gesicherte Erkenntnisse zu gewinnen.

Quelle: "The Association Between Cardiovascular Disease and Cochlear Function in Older Adults", Population Health Program Faculty, Wisconsin University, First Annual Population Health Poster Session selected abstracts 2001-2002. Fundstelle: hear-it.org
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Einseitige Taubheit vernachlässigt

Die totale Einbüßung des Gehörs auf einem Ohr ist ein wesentlich häufigeres Leiden als allgemein angenommen. Es bleibt oft unbehandelt und verursacht so einen unnötig hohen Verlust an Lebensqualität

Ein Bericht aus Großbritannien vom Mai 2003 konstatiert, dass zehntausende Briten an einseitiger Taubheit leiden und dass jährlich 9000 neue Fälle hinzukommen. Die Symptome unterscheiden sich sehr von den Symptomen, die Menschen mit beidseitigem Hörverlust erleben und für viele Betroffene hat diese Art von Hörverlust einen schweren und beeinträchtigenden Einfluss auf Arbeit, Privatleben und soziale Kontakte.

Während der Bericht zu mehr Aufmerksamkeit für dieses weit verbreitete Leiden auffordert, betont er gleichzeitig, dass man totalen, einseitigen Hörverlust mit Hörgeräten erfolgreich behandeln kann. Diese sind in ganz Großbritannien über den nationalen Gesundheitsservice "NHS" erhältlich.

Es werden zwei verschiedene Hörgeräte zur Symptom-Milderung des totalen, einseitigen Hörverlusts eingesetzt. Ein am Knochen verankertes Hörgerät transferiert den Schall über den Knochen von der gehörlosen Seite zum gesunden Ohr. Der andere Hörgerät-Typ überträgt den Schall von der gehörlosen Seite zum gesunden Ohr mittels zweier Hörgeräte und einem Verbindungsdraht.

Der Bericht wurde herausgegeben von der "Advisory Group for Single Sided Deafness", einer Expertengruppe aus Patienten, Allgemeinärzten, Chirurgen und Audiologen.

Fundstelle: hear-it.org
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Versicherung muss zahlen

(dpa/lby) - Auch Zusatzgeräte zur Verbesserung der Qualität von bereits vorhandenen Hörgeräten müssen von der Krankenkasse bezahlt werden. Das hat das Amtsgericht München in einem jetzt rechtskräftig gewordenen Urteil entschieden (Az.: 211 C 5346/03). Danach muss eine private Krankenversicherung dem Sohn eines Versicherten eine spezielle drahtlose Hörhilfe (Mikroport-Anlage) bezahlen.

Mit dem Gerät, das Nebengeräusche ausblendet, kann der beidseitig schwerhörige Junge dem Schulunterricht folgen. Die Kasse hatte sich geweigert, das rund 2000 Euro teure Gerät zu bezahlen, da ihrer Meinung nach nur normale Hörgeräte in den Leistungskatalog fallen. 

Die verklagte Versicherung ging nach ihrer Niederlage vor dem Amtsgericht zunächst in Berufung und argumentierte, eine Versicherung schulde nicht die Kostenerstattung für das theoretisch mögliche Optimum, sondern nur für das objektiv medizinisch Notwendige. Vor dem Landgericht München I nahm die Versicherung die Berufung dann jedoch wieder zurück.

Das Landgericht hatte zuvor in einem so genannten Hinweisbeschluss (Aktenzeichen: 6 S 11128/04) betont, dass unter den Begriff Hörgerät auch Geräte fallen, die die Funktionsfähigkeit eines bereits vorhandenen Hörgeräts verbessern. Das bereits vorhandene Grundgerät habe im konkreten Fall nur eine eingeschränkte Filterwirkung und gleiche den Hörschaden des Kindes nur unzureichend aus
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