Archiv September/Oktober 2005                                                                   

Recht auf Stille

Egal ob im Kaufhaus, Restaurant oder Baumarkt es gibt kaum noch einen Ort, an dem uns keine Musik entgegenrieselt.

Die Musik in großen Einkaufszentren wird seit einigen Jahren zentral eingespeist, selbst Filialleiter können heute nicht mehr über Lautstärke und Musik entscheiden. Die musikalische Hintergrund- Beschallung soll den Konsum ankurbeln.

Harald Fiedler hat die Dauerbelästigung für die Ohren gründlich satt. 2004 gründete er den Verein „pipedown das Recht auf Stille“, um sich gegen die „akustische Umweltverschmutzung“, wie Fiedler den Lärm nennt, zur Wehr zu setzen.

„Ich habe mich über die immer lauter werdende Musik in Restaurants und Supermärkten geärgert. Das ging in den Siebzigern los, von Jahr zu Jahr wurde es schlimmer“, berichtet Fiedler genervt.

Er persönlich finde, dass wir sowieso schon genug Lärm um die Ohren haben. Prominente Unterstützung erhält Fiedler u.a. durch Altkanzler Helmut Schmidt, Sir Neville Marriner, Kurt Masur, Justus Frantz oder Gidon Kremer, die seinem Verein beigetreten sind

Untersuchungen zeigen, dass mindestens ein Drittel der Menschen die Musik in den Läden stört. Der permanente Lärm schädigt auf lange Sicht die Ohren und kann zu Schwerhörigkeit und/oder Tinnitus führen. Audiologen und HNO-Ärzte warnen vor der schädigenden Wirkung einer Dauer- berieselung durch Musik, und plädieren dafür, den Ohren zwischendurch eine Ruhepause zu gönnen.
Quelle: www.pipedown.de und www.stern.de, Fundstelle: hear-it.org

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Schüler sollen ganz Ohr sein

(fgh) In der Schule steht und fällt der Erfolg damit, dass man dem Unterricht folgen kann. Wer – schon rein akustisch – nicht alles versteht, was Lehrer sagen, hat Schwierigkeiten. Eine halbe Million Kinder in Deutschland haben Hörprobleme – was oft erst sehr spät erkannt wird. Auch wenn nur ein Ohr betroffen ist, treten Probleme auf. Die Fördergemeinschaft Gutes Hören empfiehlt, im Zweifelsfall immer das Gehör des Kindes überprüfen zu lassen.

In Deutschland wird hoch- und mittelgradige Schwerhörigkeit im Durchschnitt erst nach dem zweiten beziehungsweise vierten Geburtstag erkannt. Geringe Hörminderungen stellt man meist erst nach dem sechsten Geburtstag fest – wenn überhaupt. Viele Kinder haben jahrelang Probleme in der Schule, bevor erkannt wird, dass die Ohren die Ursache sind. Unter optimalen Bedingungen fallen leichte Hörminderungen nicht auf. Doch ausgerechnet in Klassenräumen ist die Akustik meist schlecht und mucksmäuschenstill können Schüler auch nicht immer sein. Wer da nicht optimal hört, kann den Lehrer nur mit Mühe verstehen. Deshalb sollte bei Hörproblemen ein Hörtest gemacht werden. Wenn sich dabei zeigt, dass das Kind eine bleibende Hörminderung hat, wird der HNO-Arzt überprüfen, ob Hörgeräte verordnet werden können. Die Anpassung übernimmt dann der Hörakustiker. Um den speziellen Anforderungen der Kinder-Versorgung gerecht zu werden, gibt es in Deutschland für Hörakustiker eine zusätzliche Ausbildung zum Pädakustiker.
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Hörgerät mit Vierzig

Wegen der Lärmbelastung durch Discos, Musikabspielgeräten und Verkehr kämpft die Hälfte der jungen Bevölkerung im spanischen Barcelona mit permanenten Hörproblemen. Im Alter von Vierzig werden viele von ihnen bereits ein Hörgerät nötig haben.

Eine Studie an 60 Studenten im Alter von 14 bis 27 Jahren zeigte, dass die Hälfte der jungen Leute irgend eine Form von Hörschaden hat.

Die Studie basierte auf Hörscreenings und persönlichen Interviews und zeigte, dass 33 Prozent der Teilnehmer an geringem Hörverlust litten, während 17 Prozent ernsten Hörverlust hatten. Laut Robert Bartí, Leiter der Studie und Direktor des Zentrums für akustische Entwicklung an der “La Salle“ Schule für Ingenieurwesen und Architektur werden die 17 Prozent mit ernsten Hörproblemen bereits im Alter von vierzig Jahren Hörgeräte benötigen. Bei der Betrachtung von individuellen Hörgewohnheiten zeigten sich mögliche Ursachen für die Schwerhörigkeit. In der Gruppe mit ernsten Hörproblemen gaben 35 Prozent der jungen Barceloner an, wöchentlich in die Disco zu gehen, während 44 Prozent einmal im Monat eine Disco besuchten. Zusätzlich hörte jeder Vierte Musikabspielgeräte bei schädlicher Lautstärke.

Von den 33 Prozent der jungen Bewohner Barcelonas mit geringem Hörverlust konnten die Forscher kein durchgängiges Muster entdecken. Eine mögliche Ursache für ihren Hörverlust könnte die Lärmbelastung durch den Stadtlärm, besonders von Verkehr, sein. In Barcelona sind Lärmpegel zwischen 75 und 90 dB gang und gäbe.

Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass die hohe Lärmbelastung durch Discos, Musikabspielgeräte und Verkehr die Hauptursachen dafür sind, weshalb Personen unter 55 Jahre Hörgeräte benötigen.
Quelle: El Periodico, 26. April 2001, Fundstelle: hear-it-org
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Morgendliches Kindergeschrei

Kurzes, heftiges Kleinkindergeschrei im Treppenhaus, das mit dem morgendlichen Aufbruch der Wohnungsnachbarn einhergeht, müssen Mieter hinnehmen. Sie können deswegen nicht die Miete mindern. Das hat das Landgericht München I entschieden.

Wie der Anwalt-Suchservice (Servicerufnummer: 0180-52 54 555) berichtet, wohnte eine junge, berufstätige Mutter mit ihrem Kleinkind in der achten Etage eines Mietshauses. Ein- bis zweimal pro Woche musste die Frau schon gegen sieben Uhr morgens aufbrechen, um sich auf den Weg zur Arbeit zu machen. Im Hausflur setzte sie ihren anderthalbjährigen Sprössling jedes Mal in den Kinderwagen, schloss die Wohnungstür ab und fuhr dann mit dem Aufzug nach unten. Das Kleinkind hatte die Angewohnheit, ein paar Minuten lang zu juchzen und zu quietschen, wenn es in den Wagen gesetzt wurde.

Eine ältere Nachbarin fühlte sich durch das morgendliche Kindergeschrei gestört. Sie forderte den Vermieter auf, für Ruhe zu sorgen und erklärte, ihre Gesundheit werde dadurch beeinträchtigt, dass das Schreien des Kindes sie mehrmals wöchentlich aus dem Schlaf reiße. Gleichzeitig minderte sie die Miete. Der Vermieter akzeptierte das nicht. Er zog vor Gericht und bekam Recht (LG München I, Urt. v. 24.2.2005; Az.: 31 S 20796/04):

Von Kindern, so die Richter, gehe ein gewisser Geräuschpegel aus, der völlig natürlich sei. Unter Nachbarn müsse dies hingenommen werden, da im Zusammenleben jede Seite auf die Toleranz der anderen angewiesen sei. Das Ruhebedürfnis Einzelner könne nicht jede Lebensäußerung der Nachbarn und praktische Notwendigkeiten verhindern, die nun einmal aufträten, wenn eine berufstätige Mutter mit Kind morgens ihre Wohnung verlassen müsse. Sie sei nicht dazu verpflichtet, mit ihrem Sprössling geradezu fluchtartig das Treppenhaus zu durchqueren, zumal es sich bei sieben Uhr um eine Zeit handle, zu der ein Großteil der Bevölkerung sich bereits auf dem Weg zur Arbeit befinde. Die Nachbarin, so die Richter, habe kein Recht dazu gehabt, die Miete wegen Lärmbelästigung zu mindern.
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Hörverlust erschwert Deutung der Gefühle

Hörgeschädigte Kindern und Jugendlichen fällt es oft schwer, die Gefühle und Reaktionen anderer in bestimmten Situationen zu deuten

Eine australische Studie, an der 163 Kinder und Heranwachsende zwischen 6 und 18 Jahren teilnahmen, ergab, dass schwerhörige Kinder im Vergleich zu ihren normal hörenden Kameraden die Gefühle anderer Leute bis zu 50 Prozent schlechter deuten können.

Leute zu verstehen, deren emotionale Antwort anders als erwartet ausfiel, stellte die größte Herausforderung für die hörgeschädigten Kinder. Hierbei ergab die Studie, dass die Kinder im Alter von 6 bis 11 Jahren im Vergleich zu ihren normalhörenden Altersgenossen um 50 Prozent schlechter abschnitten.

Hörgeschädigte junge Menschen haben es generell schwer, die emotionale Reaktion von anderen auf ein bestimmtes Ereignis einzuschätzen. Hierbei ergab die Studie ein um 30-prozentiges schlechteres Abschneiden. Ein anderer Test ergab ein um 25 Prozent schlechteres Abschneiden in Bezug auf schnelle und genaue Einschätzung des Gesichtsausdrucks einer Person.

Die Forscher der Studie schätzen das Defizit bei der Gefühlserkennung bei schwerhörigen Kindern als echtes Problem ein. Meistens bieten gezielte Trainingsprogramme jedoch Abhilfe und können die sozialen Fertigkeiten der hörgeschädigten Kinder korrigieren.

Quellen: Emotion Recognition/Understanding Ability in Hearing or Vision-impaired Children: Do Sounds, Sights, or Words Make the Difference?, Journal of Child Psychology and Psychiatry, Nr. 4 2004., Fundstelle: hear-it.org
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Neuer Ratgeber

Bewegung und Sport verhelfen zu Fitness und guter Gesundheit. Dieser Grundsatz gilt auch für Menschen, die Hörprobleme haben und moderne Hörsysteme nutzen, um diese auszugleichen. Das Forum Besser Hören rät deshalb allen Betroffenen, nach Möglichkeit regelmäßig und angemessen Sport zu treiben. In Deutschland leben 15 bis 20 Millionen Menschen mit Hörschwäche.

Im Rahmen der Initiative stellt das Forum Besser Hören einen neuen Fitness-Ratgeber für alle Betroffenen und Interessierten bereit. Darin wird ein Überblick über aktuelle Fitness-Methoden und Trendsportarten gegeben. Tipps zum guten Hören ergänzen den Ratgeber, der auch die Möglichkeit bietet, an einem Gewinnspiel teilzunehmen. Das „Trendsport-ABC rund ums Hören“ kann kostenlos beim Forum Besser Hören, Große Elbstraße 145 f, 22767 Hamburg, im Internet unter www.forumbesserhoeren.de oder unter der gebührenfreien Rufnummer 0800- 360-9-360 bestellt werden.

„Entscheidend für Menschen mit Hörschwäche ist, dass die positiven Effekte von sportlicher Aktivität der gesamten Konstitution zugute kommen. Sport stärkt Muskulatur, Herz und Kreislauf, sorgt für eine gute Durchblutung und fördert die Funktionen von Körper und Sinnen“, sagt Forum-Sprecher Karsten Mohr. Wichtig sei zudem, dass Sport die psychische Befindlichkeit verbessert. „Es ist erwiesen, dass Stress abgebaut wird, innere Ausgeglichenheit entsteht und das Selbstwertgefühl steigt.“

Nicht zuletzt bedeutet Sport häufig auch gemeinsames Erleben zu zweit oder in der Gruppe. Soziale Kontakte sind gerade für Menschen mit Hörschwäche von großer Bedeutung für die Lebensqualität. Moderne Hörsysteme können den Betroffenen auch bei Sport und Fitness ein optimales Hörerlebnis ermöglichen - ob beim Aerobic bei mitreißender Musik im Studio, beim Nordic Walking inmitten feiner Naturklänge oder bei der angeregten Unterhaltung mit den Trainingspartnern.

Rat und weitere Informationen geben auch Hörgeräteakustiker vor Ort. Wer sein Hörvermögen überprüfen lassen will, kann dort jederzeit einen kostenlosen Hörtest machen. FBH
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