Archiv September 2004                                                                   

Kinder leiden unter Lärm

(fgh) Kinder, die in einer lauten Umgebung wohnen, fühlen sich gestresst und bringen schlechtere Leistungen in der Schule. Ihr Langzeitgedächtnis ist schwächer, als bei anderen Kindern, und sie können gelesene Texte schlechter aufnehmen. Unterschiedliche Studien kamen zu dem Ergebnis, dass die Lebensqualität und die Leistungen von Kindern unter Lärm leiden.
Untersucht wurden 1.280 Kinder zwischen acht und elf Jahren, die in ländlichen Regionen Tirols leben. Ursache für den Lärm an den Wohnorten sind stark befahrene Schnellstraßen. Prof. Dr. Peter Lercher vom Institut für Hygiene und Sozialmedizin in Innsbruck fand heraus, dass sich die Kinder von Straßenlärm stärker belästigt fühlen als ihre Mütter. Je größer die Lärmbelastung ist, desto mehr leiden die Leistungen und das Verhalten in der Schule. Die Kinder berichten über mehr Stress im täglichen Leben.
Tatsächlich hatten sie einen stärkeren Anstieg der Herzfrequenz bei Stressbelastung, einen höheren Ruheblutdruck und im Nacht-Urin wurden für zwei Stress-Hormone erhöhte Werte festgestellt. Bei der Münchener Flughafenstudie, die vor und nach dem Umzug des Flughafens 326 Kinder untersuchte, zeigten sich vergleichbare Ergebnisse. Kinder, die durch den Fluglärm beeinträchtigt sind, haben Probleme mit dem Langzeitgedächtnis und der Leseaufnahmefähigkeit. Am alten Flughafenstandort besserten sich diese Leistungen der Kinder deutlich, nachdem es keinen Fluglärm mehr gab.

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Ab in den Müll?

Sie dienen uns jahrelang - tagein, tagaus und verhelfen uns zu mehr Lebensqualität. Ohne die kleinen Helfer im Ohr könnten wir oft gar nicht oder nur sehr schlecht mit anderen kommunizieren. Aber was machen wir mit Hörgeräten, wenn sie für uns ausgedient haben? Einfach in den Müll damit? Nein!

Helfen Sie doch anderen Menschen, die sich ein Hörgerät nicht leisten können. Es gibt viele Institutionen, die gebrauchte Hörgeräte entgegen
nehmen und an Bedürftige weiter leiten. So sammelt zum Beispiel die Starkey Hearing Foundation in den USA gebrauchte Hörgeräte und bereitet sie kostenlos für Kinder und Erwachsene wieder auf. Die Starkey Hearing Foundation ermöglicht mit Hilfe von Tausenden freiwilligen Helfern und Spenden aus aller Welt, dass das Geschenk "Hören" für alle Menschen, auf jedem Kontinent möglich wird. Über 20.000 Hörgeräte werden so durch die Stiftung pro Jahr an Bedürftige verteilt.
 
Ein internationales Hörgeräte-Recycling-Programm gibt es auch bei dem Lions Club International. Aber auch viele Kirchen und Gemeinden bieten die Möglichkeit, gebrauchte Hörgeräte für Bedürftige abzugeben.

Fragen Sie doch auch Ihren Akustiker nach einer Rücknahmemöglichkeit für Ihr gebrauchtes Hörgerät. Sie können damit sicherlich noch ein neues Leben schaffen!

Quelle: www.sotheworldmayhear.org ; www.lionsclub.org
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Zuviel um die Ohren?

(fgh) Susanne F. sitzt frustriert im Büro. Den schwierigen Brief, den sie formulieren sollte, hat sie immer noch nicht fertig. Sie kann sich einfach nicht konzentrieren. Der Drucker läuft und ständig klingelt ein Telefon: ganz normale Büro-Geräusche. Aber die reichen aus, um die Leistungsfähigkeit zu beeinträchtigen. Susanne F. ist kein Einzelfall, wie eine Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zeigt. Demnach leidet die Konzentrationsfähigkeit unter dem üblichen Geräuschpegel eines Büros.
Durch Telefonklingeln und laufende Drucker entstehen Pegel zwischen 55 und 70 Dezibel (dB(A)). Vor diesen Hintergrundgeräuschen mussten die Versuchspersonen sieben typische Bürotätigkeiten ausführen – vom Überprüfen einer Rechnung bis zum Verfassen eines Textes. Je schwieriger die Aufgaben waren, desto schlechter war das Ergebnis. Vor allem anspruchsvolle Tätigkeiten, wie das Verfassen eines Textes, wurden bei hohem Lärmpegel unvollständig oder gar nicht erledigt. Kein Wunder, sieht doch die
Arbeitsstättenverordnung 55 Dezibel als Grenzwert an für Arbeitsplätze mit vorwiegend geistigen Tätigkeiten.

Was im Büro gilt, lässt sich natürlich auch auf andere Situationen übertragen, in denen die grauen Zellen gefordert sind. So haben Wissenschaftler der Uni Oldenburg ebenfalls herausgefunden, dass Hintergrundgeräusche die Konzentration und das Lernen stören. Demnach stören menschliche Stimmen im Hintergrund und auch Musik mit kurzen, voneinander abgesetzten Tönen die Gedächtnisleistung. Das beeinträchtigt Schüler bei Lese- oder Rechtschreibübungen ebenso wie beim Kopfrechnen, beim Verstehen schwieriger Texte oder beim Vokabellernen. Auch erwachsene Versuchspersonen erbrachten bei dieser Studie mit Hintergrundgeräuschen deutlich schlechtere Leistungen als ohne. Die Arbeitsgruppe des Oldenburger Lärmforschers und Psychoakustikers Prof. Dr. August Schick stellte zudem fest, dass man sich an den Hintergrundschall nicht gewöhnen kann.
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Lärm und soziale Schicht

(fgh) Lärm ist lästig, Er kann der Gesundheit und den Ohren schaden. Doch wie sehr man sich belästigt fühlt, hängt von der eigenen Einstellung zum Krach ab. Besonders stark leiden offenbar die Angehörigen der mittleren sozialen Schicht, wie eine aktuelle Auswertung zeigt.
Wie belastend man den Lärm findet, der einen umgibt, hängt auch von der sozialen Stellung ab. Enno Swart vom Institut für Sozialmedizin und Gesundheitsökonomie der Universität Magdeburg stellte fest, dass die mittlere soziale Schicht besonders leidet: “Hier klafft eine besonders große Lücke im psychischen Wohlbefinden zwischen denen, die Lärm ausgesetzt sind, und denen, die davon verschont sind.” Wenn diese Menschen in einer lauten Umgebung leben müssten, verschlechtere sich ihr Gesundheitszustand und ihre Leistungsfähigkeit. Demnach leiden sie stärker als die Angehörigen der unteren sozialen Schicht, die tatsächlich aber häufiger an stark befahrenen Straßen wohnen oder an Lärmarbeitsplätzen arbeiten.

Der Statistiker Swart vermutet, dass Menschen aus der mittleren sozialen Schicht meist höhere Ansprüche an eine ruhige Umgebung stellten und sich deshalb eher gestört fühlten. Außerdem stehe der Lärm bei Menschen aus unteren sozialen Schichten nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit, weil sie noch viele andere Probleme haben. Für diese aktuelle Nachauswertung des Gesundheitssurveys 1998 wurden die Daten von 7.000 Bundesbürgern gesichtet.

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Schlechte Noten für Hörtest

Hörtests mit Glöckchen und Rasseln sind nutzlos, um Hörverlust bei Kindern zu entdecken, so eine Studie über den so genannten BOEL-Hörtest. Besser wäre der Einsatz moderner, elektronischer Testinstrumente.

Seit rund 30 Jahren führen dänische Krankenschwestern einen Hörtest an Kindern durch, bei dem die Reaktion des Kindes auf verschiedene Geräusche, wie z.B. Glöckchen, beobachtet wird. Doch diese Tests gelten als unzureichend, weil das Gesundheitspersonal Hörverluste nicht entdeckt oder in anderen Fällen unnötige Besorgnis ausgelöst hat.

In einer dänischen Studie mit rund 2500 Kindern identifizierte der BOEL-Test keines der sechs gehörlosen Kinder, während er fälschlicherweise 14 Prozent aller Kinder Hörprobleme zuschrieb. Die Studie bestätigte vergleichbare, negative Ergebnisse aus früheren dänischen und schwedischen Studien. Der BOEL-Test wird hauptsächlich in Norwegen, Schweden und Dänemark angewandt. In Großbritannien, Holland und Australien wird eine modifizierte Version davon durchgeführt.

Basierend auf der neuesten Studie empfehlen die Forscher, dass wesentlich effizientere elektronische Screeningmethoden den BOEL-Test ersetzen müssen. Elektronische Tests zeichnen die leichten Vibrationen auf, die als Reaktion auf das Geräusch aus dem Ohr des Babys dringen. Dadurch kann ein Hörverlust bei dem gescreenten Kind indiziert werden.

Es ist besonders wichtig, Hörverlust so früh wie möglich zu entdecken, um ernsten Auswirkungen auf die Sprechentwicklung des Kindes durch Hörverlust vorzubeugen.

Quelle: Ugeskrift for læger, 30. August, 2004 und www.berlingske.dk, 30. August, 2004, Fundort: hear-it.org
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Stille Wasser sind selten

(fgh) Die Weltmeere sind alles andere als still. Um feindliche U-Boote aufzuspüren, schickt die Nato Schallpegel von bis zu 240 Dezibel (dB(A)) durch das Wasser. Bei diesem Krach können Walen die Trommelfelle platzen. Nicht nur Meeressäuger wie Wale und Delfine leiden unter dem Lärm, auch Fische werden schwerhörig.
Die Sonarsysteme der US-Navy und anderer Nato-Staaten sind bis zu 240 Dezibel laut. Das ist millionenfach lauter als 120 Dezibel, die Schmerzgrenze für den Menschen. Denn jede Zunahme um drei Dezibel entspricht einer Verdoppelung der Schallintensität. Diese lauten Systeme sollen in 75 Prozent der Weltmeere eingesetzt werden, getestet wurden sie bereits. Tierschützer versuchen nun, den Einsatz dieser Systeme einzuschränken. Eine Bundesrichterin der Vereinigten Staaten bestätigte bereits, dass Wale durch den Krach taub und aggressiv werden. Darüber hinaus verändere sich das Fress- und Paarungsverhalten der Tiere, wenn ihre Kommunikation durch Lärm gestört wird, und manche Wale stranden. Bei 14 Schnabelwalen, die kurz nach dem Beginn einer Testreihe auf den Kanarischen Inseln strandeten, waren die Blutbahnen von Gasbläschen verstopft. Wie bei der Taucherkrankheit waren sie zu schnell aufgetaucht, offenbar durch den Krach aufgeschreckt.

Einen wirklich stillen Ozean gibt es wohl kaum noch. Auch zivile Aktivitäten wie die Suche nach Erdöl sorgen für Lärm in den Meeren. So werden Kanonen eingesetzt, um Öl zu finden. Vor der australischen Küste untersuchte der Meeresbiologe Arthur Popper von der Universität Maryland, wie sich dieser Krach auf Fische auswirkt. Denn – entgegen andersartiger Vermutungen – können auch Fische hören. Fisch-Ohren sind ähnlich aufgebaut wie die der Menschen. Das Hören ist für Fische wichtig, um Feinde rechtzeitig zu bemerken. Bei Poppers Studie wurden die Fische in Käfige gesperrt, damit sie nicht davon schwimmen können. Wie die spätere Untersuchung zeigte, wurden die Innenohren der Fische durch den Kanonenlärm zerstört.

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