Archiv August 2004                                                                   

Ab 48 wird's kritisch

Altern ist die Hauptursache für Hörverlust. Und bei Männern ist die Wahrscheinlichkeit, einen Hörverlust zu bekommen, drei Mal so hoch wie bei Frauen, unabhängig von Alter, Beruf, allgemeinem Gesundheitszustand und Lärmbelastung. Das ist das Ergebnis einer US-amerikanischen Studie, die im "American Journal of Epidemiology, 1998, Bd.148 veröffentlicht wurde.

Andere Daten der Untersuchung: Alle fünf Jahre nachdem man das 49. Lebensjahr erreicht hat, steigt das Risiko, Hörverlust zu bekommen, um 90 Prozent. Unter den 48 bis 59-Jährigen leidet jeder Fünfte an Hörverlust. Unter den über 80-Jährigen leiden Neun von Zehn an Hörverlust. Und die Hälfte der Männer über 48 leidet an Hörverlust.

Von den Studien-Teilnehmern litten 45,6 Prozent an Hörverlust. Davon hatten 58,1 Prozent leichten Hörverlust, 30,6 Prozent litten an moderatem und 11,3 Prozent an schwerem Hörverlust.

Die Studie untersuchte 3753 Personen in Beaver Dam, Wisconsin, von 1993 bis 1995. Bei allen Teilnehmern wurden Hörtests anhand einer Audiometrie durchgeführt.

Die Studie zeigte ein höheres Vorkommen an Hörverlust bei Personen aus sozioökonomisch niedrigeren Bevölkerungsschichten und bei Leuten, die einen Arbeitsplatz in lauter Umgebung haben.

Hörverlust ist das dritthäufigste chronische Leiden in den USA. Es wird nur von Arthritis und erhöhtem Blutdruck übertroffen. Mit zunehmender Alterung der Bevölkerung wird sensorineuraler Hörverlust immer vorherrschender werden.

Quellen: Clinician Reviews 2002; 12 (6): 62-67 & American Journal of Epidemiology 1998; Bd. 148, Nr. 9. , Fundstelle: hear-it.org
 < zurück zur Archiv-Übersicht

 

Empörung über Batterie-Verbot

Die führenden internationalen Hörgeschädigten- Organisationen legen ausdrücklich Einspruch gegen die Pläne des Europäischen Parlaments ein, das vorsieht, Knopfzellen-Batterien zu verbieten, von denen Millionen Hörgeräte-Benutzer abhängig sind.

Die EU-Kommission hatte in einem Vorschlag umfassende Batterie-Einsammlung und -Wiederverwertung dargelegt, um einer Umweltverschmutzung mit Schwermetallen durch das Wegwerfen von Batterien vorzubeugen. Das Europäische Parlament stimmte jedoch für ein komplettes Verbot von Blei und anderen Schwermetallen in Batterien. Wie bereits berichtet, würde ein Verbot von Blei die einzig existierende Batterietechnologie für Hörgeräte verbieten.

In einer deutlich formulierten gemeinsamen Stellungnahme forderten die Vorstände des Europäischen Hörgeschädigtenbundes(EFHOH) und des weltweit tätigen Internationalen Hörgeschädigtenbundes(IFHOH) die Mitglieder des Europäischen Parlaments dringend dazu auf, bei der zweiten Lesung der neuen Batterie-Bestimmungen am 2.Juli die Bedürfnisse von hörgeschädigten Menschen zu berücksichtigen.

EFHOH and IFHOH erklären sich bereit, das Äußerste für den Schutz unserer Umwelt zu tun, indem alle Anstrengungen unterstützt werden sollen, gebrauchte Batterien einzusammeln und zu recyceln. "Die Batterie-Direktive geht jedoch weit darüber hinaus und könnte bedeuten, dass passende Hörgerätebatterien auf dem Markt nicht länger erhältlich sind," so die gemeinsame Stellungnahme.

"Wir unterstützen besonders die Anstrengungen der Batterie-Industrie, Blei und andere Schwermetalle in Batterien zu reduzieren, so weit wie dies technologisch möglich ist. Doch dies sollte nicht zu einer verminderten Qualität und Effizienz der Hörgerätebatterie führen. Das wäre eine Katastrophe für Millionen von Verbrauchern mit Hörschädigungen."
Quelle: hear-it.org
 < zurück zur Archiv-Übersicht

 

Erfolg für Hörscreening

Die Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt sorgt nach eher Negativ-Schlagzeilen im Zusammenhang mit der umstrittenen Gesundheitsreform jetzt für gute Neuigkeiten. Sie entsprach einer zentralen Forderung des „Joint Committee Frühkindliches Hören“, das Neugeborenen-Hörsreening (Hörschaden-Früherkennung) flächendeckend und so schnell wie möglich in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufzunehmen. Frau Schmidt hoffe, dass diese Früherkennungsmaßnahmen noch in diesem Jahr in den gemeinsamen Bundesausschuss gehe.
 < zurück zur Archiv-Übersicht

 

Barrieren auf dem Arbeitsmarkt

Zwei von drei hörgeschädigten Personen berichten von Verständigungsschwierigkeiten mit Kollegen und Vorgesetzten auf ihrem Arbeitsplatz. Infolgedessen fühlen sich hörgeschädigte Arbeitnehmer müder und isolierter als Arbeitnehmer allgemein. Daten des britischen Hörgeschädigtenverbandes RNID zeichnen ein deutliches Bild:

64 Prozent der gehörlosen und hörgeschädigten Arbeitnehmer haben auf ihrer Arbeit Verständigungsschwierigkeiten

60 Prozent der hörgeschädigten Arbeitnehmer suchen nach anderen Jobs, weil sie sich auf ihrem jetzigen Arbeitsplatz schlecht behandelt fühlen.
Aber, obwohl die Lage auf dem Arbeitsmarkt für Hörgeschädigte schwierig ist, verbessert eine Beschäftigung ihre allgemeine Lebensqualität. Hörgeschädigte Personen, die eine Arbeit haben, sind zufriedener und ausgeglichener und haben mehr Selbstvertrauen als Hörgeschädigte ohne Job.

Die Arbeitslosenzahl unter Hörgeschädigten ist in Großbritannien ungefähr vier Mal höher als in der Allgemeinbevölkerung. In Dänemark ist die Rate der Arbeitslosen unter Hörgeschädigten doppelt so hoch wie bei der übrigen Bevölkerung. Unabhängig der Unterschiede in jedem einzelnen Land gibt es eine deutliche Tendenz: Hörgeschädigte Menschen müssen auf dem Arbeitsmarkt viele Barrieren überwinden. Siebzig Prozent der Teilnehmer an der RNID-Studie waren davon überzeugt, dass sie wegen ihrer Hörbehinderung oder Gehörlosigkeit bei der Stellensuche nicht berücksichtigt wurden.

Die Hindernisse lassen sich nicht an ein oder zwei Hauptgründen festmachen. In der Gesellschaft muss ein legaler Rahmen geschaffen und die Öffentlichkeit aufgeklärt werden. Gleichzeitig könnten einzelne Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Bedingungen durch einfache Mittel verbessern, indem sie sich auf Möglichkeiten für eine reibungslosere Verständigung am Arbeitsplatz konzentrieren.

Quelle: "Raising barriers to jobs", veröffentlicht in One In Seven, Ausgabe 33, Februar-März 2003-06-26 & British Journal of Audiology, 2000; 34: 187-195, Fundstelle: hear-it.org
 < zurück zur Archiv-Übersicht

 

Strahlentherapie schädigt Gehör

Krebspatienten, die in und um die akustischen Strukturen herum bestrahlt werden, laufen ein sehr hohes Risiko, Hörverlust zu bekommen. Dennoch sind Verletzungen durch Strahlentherapie bis dato weder gründlich untersucht noch gemeldet worden.

Bis zu 40 Prozent der Patienten leiden unter akuten Mittelohr-Nebenwirkungen durch radikale Bestrahlung unter Einbeziehung der akustischen Struktur, und rund ein Drittel der Patienten entwickeln späten sensorineuralen Hörverlust (SNHL). Das geht aus einem Bericht von Wissenschaftlern der Ist Europeo Oncology (Europäische Onkologie-Abteilung) in Mailand, Italien, hervor. Diese Reaktionen können akut oder später auftreten, alle Strukturen des Hörorgans betreffen und zu konduktivem, sensorineuralem oder kombiniertem Hörverlust führen.

"Volle Strahlendosis und Ort des Tumors scheinen unter den wichtigsten Faktoren zu rangieren, die mit dem Risiko von Hörverlust in Verbindung gebracht werden," schrieben B.A. Jereczek-Fossa und seine Kollegen in dem Bericht. "Folglich sollte möglichst eine Reduktion der Strahlendosis auf die Ohrstrukturen versucht werden."

Die italienischen Wissenschaftler unterstreichen, dass neue Strahlentherapie-Techniken (3-dimensionale konforme Strahlung, Intensitäts-modulierte Strahlentherapie, Proton-Therapie) eine genauere Dosierung erlauben, mit dem Ziel, die Organe nicht zu treffen.

Die Behandlung von akuter und später, äusserer Ohrentzündung umfasst laut den Experten das sofortige und systematische Auftragen von entzündungshemmenden Substanzen. Nach der Strahlenbehandlung auftretende Mittelohrentzündung und eine Erkrankung der Eustachischen Röhre können durch einen winzigen Einschnitt in der Mittelohrmembran und der Einführung eines Tympanostoms gebessert werden, obwohl der Vorteil dieser Vorgehensweise umstritten ist und andere Autoren für eine konservativere Methode plädieren.

Um das funktionale Defizit zu mildern, können spezielle Hörgeräte eingesetzt werden. Kortex-Steroid-Therapie, rheologische Medikamente, hyperbarer Sauerstoff oder Karbogen-Therapie werden normalerweise für eine Nachbehandlung der Bestrahlung und sensorineuralem Hörverlust eingesetzt. Die Autoren betonen jedoch, dass es keine Standardtherapie gibt, und dass die veröffentlichten Daten über die verschiedenen Behandlungsformen umstritten sind. In einigen Fällen von schwerem beidseitigem Hörverlust oder Gehörlosigkeit können Cochlear-Implantate hilfreich sein. Doch die Wissenschaftler fügen hinzu, dass eine bessere Vorsorge und Handhabung von strahlungsbezogenen, akustischen Verletzungen von weiteren Verbesserungen der Strahlenbehandlungs-Techniken und Fortschritten in otologischer Diagnostik und Therapie abhängen.

Quellen: Cancer Treatment Reviews, 2003; 29(5): 417-430, Jereczek-Fosse und Kollegen: Radiotherapy-induced Ear Toxicity. Biotech Week, 26 November , 2003,
Fundstelle: hear-it.org
 < zurück zur Archiv-Übersicht

 

Wenn es blubbert ...

Wenn es unter Wasser blubbert, kann es sein, dass ein Schwarm Heringe sich gerade zum Plauderstündchen trifft. Genau wissen es allerdings nicht mal die Meeresforscher. Vermutlich „unterhalten“ sich die Fische irgendwie, indem sie gezielt Luft aus ihrem After perlen lassen, meinen Wissenschaftler vom Marine Science Center in Bamfield (Kanada).

Sie hatten die Fische gefangen und in großen, mit Infrarot-Kameras und Unterwasser-Mikrofonen ausgestatteten Tanks beobachtet.

Als besonders „gesprächig“ erwiesen sich die Heringe in der Nacht. Ob die zwischen einer halben und 7,5 Sekunden langen Töne es den riesigen Heringsschwärmen ermöglichen, auch in der Nacht beieinander zu bleiben? Oder machen sie blubbernd untereinander auf Feinde aufmerksam?

Falls sich die Heringen tatsächlich miteinander unterhalten, wirft dies ein neues Licht auf den Lärm, den der Mensch im Meer verursache, so die Forscher.
Quelle: Hörakustik 4/2004
 < zurück zur Archiv-Übersicht