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Rudi
Carrell im Interview
Gespräche
innerhalb der Familie werden zu einer Belastung,
wenn
die Hörfähigkeit eines Angehörigen nachlässt. Viele
Betroffene
gestehen sich ihre Hörschwäche jedoch nicht ein,
weil
es ihnen peinlich ist. Rudi Carrell, der selbst eine
Hörminderung
hat und Hörsysteme trägt, engagiert sich
deshalb
für einen offenen und unverkrampften Umgang mit dem
Thema.
Im Gespräch mit dem Forum Besser Hören berichtet er
über
seine Erfahrungen.
FBH:
Herr Carrell, gutes Hören ist gerade in Bezug auf die Familie sehr
wichtig.
Wann wurde Ihnen erstmals bewusst, dass Sie ein Hörsystem
brauchen?
Carrell:
Das war ungefähr 1994. Damals habe ich zum ersten Mal einen
Hörgeräte-Akustiker
konsultiert und war erschrocken über das Ergebnis
des
Hörtests.
FBH:
Hat die Familie sehr darunter gelitten, dass Sie nicht mehr alles
hörten?
Carrell:
Na ja, ehrlich gesagt war ich es, der gelitten hat, als ich mit dem
neuen
Hörsystem dann plötzlich Dinge von der lieben Verwandtschaft
hörte,
die nicht für meine Ohren bestimmt waren. Deshalb habe ich dann
auch
schlagartig mein Testament geändert...
FBH:
Wo haben Sie die Verbesserung Ihres Hörvermögens nach
Anpassung
des Hörsystems zuerst wieder bemerkt?
Carrell:
Es ist mir zuerst im Beruf aufgefallen. Endlich konnte ich alle
wieder
verstehen.
FBH:
Hat sich die familiäre Situation dadurch geändert, dass Sie jetzt
wieder
besser hören?
Carrell:
Ja. Gutes Hören ist besonders wichtig für den Dialog zwischen
Generationen.
Ich habe meinen Enkeln immer gerne vorgelesen und
Geschichten
erzählt. Da will ich natürlich auch in der Lage sein, neugierige
Zwischenfragen
schnell und ohne nachzufragen zu beantworten. Ich
selbst
habe als Kind immer gespannt den Erzählungen meines Vaters
gelauscht.
FBH:
Sie sind also zufrieden mit dem wieder erworbenen Hörvermögen.
Was
würden Sie Familienmitgliedern und anderen Menschen raten, die
aus
Angst den Gang zum Hörgeräte-Akustiker nicht antreten bzw. nicht
antreten
wollen?
Carrell:
Solche Angst kann ich nicht verstehen. Ein Hörsystem ist doch so
normal
wie eine Brille. Das sollte von jedem als selbstverständlich
aufgefasst
werden. Natürlich ist die Unterstützung der Familie in solchen
Situationen
besonders wichtig.
FBH:
Das Forum Besser Hören hat Ihnen für Ihr Engagement die
Alexander-Graham-Bell-Medaille
verliehen. Wie hat sich das ergeben?
Carrell:
Ich habe nie verbergen wollen, dass ich selbst Hörsysteme trage –
im
Gegenteil, ich habe sie dem Publikum vor laufender Kamera sogar
gezeigt.
Mein Ziel ist, die Menschen zu ermutigen. Sie sollen es sich
eingestehen,
wenn sie nicht mehr gut hören und zum Hörgeräte-Akustiker
gehen.
Das habe ich auch schon vielen nahegelegt.
FBH:
Welche Art Hörsystem tragen Sie?
Carrell:
Nachdem ich zuerst zwei Im-Ohr-Geräte hatte, trage ich nun
Hinter-dem-Ohr-Geräte.
Mit beiden bin ich sehr zufrieden. Der Vorteil bei
Hinter-dem-Ohr-Geräten
ist, dass man besser damit telefonieren kann und
dass
nicht so viel Wärme im Gehörgang entsteht.
FBH:
Wo sehen Sie bei Familienfeiern oder auf Parties den Nutzen von
Hörsystemen?
Ich meine den so genannten „Cocktail-Party-Effekt“.
Carrell:
Ja, den habe ich selber erlebt. Es war in der Vergangenheit nicht
einfach,
dass ich alle Leute um mich herum verstehen konnte bis auf die
Person,
die genau vor mir stand. Mit der heutigen Technik ist das anders
geworden:
die Hörsysteme filtern Störgeräusche heraus und deshalb kann
man
die Worte des Gegenübers gezielt hören. Hörsysteme reagieren
heutzutage
auch einfach schneller auf plötzlich auftretende Geräusche,
wie
zum Beispiel einen Knall.
FBH:
Wie oft tragen Sie Ihre Hörsysteme?
Carrell:
Täglich. Von morgens früh nach dem Aufstehen bis abends. Ich
kann
mir ein Leben ohne Hörsysteme nicht mehr vorstellen.
FBH:
Herzlichen Dank für das Gespräch!
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Hörverlust
im Pflegeheim
Eine
amerikanische Studie zeigte, dass zwischen 53 Prozent und 63 Prozent der
Bewohner mehrerer Pflegeheimen an schwerem Hörverlust litten, das
Pflegepersonal jedoch nur bei weniger als der Hälfte der Fälle darauf
aufmerksam war.
Die hohe Zahl an unbemerktem Hörverlust deutet auf übliche
Fehler in der Behandlung von Älteren hin. Symptome wie Verwirrung, Rückzug
und schlechte Orientierung können durch unbehandelten Hörverlust
hervorgerufen werden. Doch so lange der Hörverlust unentdeckt bleibt,
besteht die Gefahr, dass die Senioren behandelt werden als hätten sie
Alzheimer oder Demenz.
Die amerikanische Studie umfasste 279 Pflegestationen,
51 Altenheimpfleger und 16 Leiter. Interviews mit dem Personal und den
Senioren sowie eine Analyse von Krankenakten zeigte, dass nur 30 von 279
Pflegeheimbewohnern im vergangenen Jahr auf Hörprobleme hin untersucht
wurden. 39 Prozent waren auf Grund von überschüssigem Ohrenschmalz
behandelt worden, doch bei 81 Prozent wurde weder das Gehör getestet noch
der Ohrenschmalz entfernt.
Die
Forscher der Studie empfahlen, die Pflegerausbildung zu verbessern und an
den Heimbewohnern routinemäßige Hörtests durchzuführen. Zusätzlich
empfahlen sie, dass Heimbewohner, die Hörgeräte tragen, die Geräte überprüfen
lassen und die Funktionen des Hörgerätes so weit wie möglich vereinfachen
lassen sollten, damit den älteren Menschen der Umgang mit Hörgeräten
erleichtert wird.
Quellen:
Hearing Aid Use in Nursing Homes, Part 1: Prevalence Rates of Hearing
Impairment and Hearing Aid Use, and Hearing Aid Use in Nursing Homes, Part
2: Barriers to Effective Utilization of Hearing Aids.
Journal
of American Medical Directors Association. September/Oktober
2004.
Fundstelle:
hear-it.org
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Unternehmen
bekämpfen Lärm
Der Kampf gegen Lärm in 18 Industriearbeitsplätzen in
Singapur führte zu einer sofortigen und dramatischen Reduzierung von mehr
als der Hälfte neu auftretender Fälle von Hörverlust unter den Arbeitern.
Im Jahre 1999 litten 659 Angestellte unter neuen Hörproblemen,
doch als Ergebnis der neuen Maßnahmen gegen Lärm fiel die Anzahl neuer Fälle
auf 300 im darauf folgenden Jahr. Die Firmen verbesserten die Lärmdämmung
lauter Maschinen und steigerten den Gebrauch von Ohrstöpseln und anderem
Gehörschutz unter den Arbeitern.
Der Einsatz zur Steigerung der Aufmerksamkeit rund um lärmbedingten
Hörverlust wurde 1999 von dem nationalen Handelskongress und dem Arbeitsamt
gestartet. Die Organisatoren der Kampagne hoffen, dass die finale Phase der
Kampagne, die seit 2004 läuft, zu einer Teilnahme von mehr Unternehmen führen
wird.
Die Kampagne wurde ins Leben gerufen, nachdem in den
Neunzigern viele Firmen in Singapur einen rapiden Anstieg von lärmbedingtem
Hörverlust verzeichneten. Jährlich werden rund 1.000 neue Fälle von Hörverlust
gemeldet, so dass Hörverlust zu den häufigsten arbeitsbedingten Leiden zählt.
Quelle:
The Straits Times, www.straitstimes.com.sg 12.10.2004, Fundstelle:
hear-it.org
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Lärmbußgelder
in Madrid
Eine
strenges Verbot gegen Lärmverschmutzung und die seit Juni 2004 existierende
Brigade Gegen Lärm in Madrid führten zu einem rasanten Anstieg von
Inspektionen und Bußgeldern wegen Lärm.
Der jüngste Report des Madrider Stadtrates zeigte einen
Anstieg von Inspektionen um 13 Prozent und um 600 Prozent bei Lärm-Bußgeldern.
Dank eines verstärkten Einsatzes der Lärmbekämpfung durch die Brigade
Gegen
Lärm stieg die Zahl der Inspektionen 2004 auf 10.513
an. Die Zahl der Bußgelder stieg von 89 vom Vorjahr auf 524 an. Die
verhängten Bußgelder des Vorjahres bezifferten sich auf 21.130 Euro, während
sie sich gegenwärtig auf insgesamt bereits auf 482,311 Euro beziffern.
Verkehr und laute Nachbarn sind u.a. die häufigsten Lärmverursacher
und machten rund 3.200 Inspektionen nötig. Partys und Musik auf der Straße
führten zu 1.200 Inspektionen, während Freizeitparks 760 Inspektionen und
Werkstätten und Industrie 210 Inspektionen auslösten. Die meisten Bußgelder
waren gering und beliefen sich auf bis zu 600 Euro. Diese Verstöße wurden
normalerweise durch laute Musik, Aircondition und Aufzüge verursacht. Es
gab rund 50 ernste Sanktionen, mit Bußgeldern von bis zu 12.000 Euro für
exzessiven Lärm von Dunstabzügen, Kühlsystemen, Autowaschanlagen, Kneipen
und sogar lautes Klappern von Schuhabsätzen.
60 besonders schwere Fälle führten zu Strafen von bis
zu jeweils 300.000 Euro. Unter den Verursachern rangierten Nachtclubs und
Restaurants, Werkstätten, Schulen und Zementfirmen. Ein bekannter Pub wurde
zu einem Bußgeld in Höhe von 120.000 Euro verurteilt und vorsichtshalber
geschlossen.
Lärm ist gefährlich für die allgemeine Gesundheit,
sowie für das Gehör. Er kann Hörverlust, Schlafstörungen, Bluthochdruck
oder Kopfschmerzen auslösen und, wie jetzt in Madrid, Ihr Portemonnaie
empfindlich treffen.
Quellen:
Qué! Zeitung und www.abc.es, 23. Februar 2005, Fundstelle.
Hear-it.org
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Gruppentherapie
bei Tinnitus
Auch
wenn sie das Summen im Ohr nicht ganz vertreiben können, sind
Gruppentherapie und Beratung vorteilhaft, um das tägliche Leiden durch
Tinnitus zu lindern. Laut einer deutschen Studie beeinflussen die beiden
Behandlungsansätze das Wohlbefinden von Tinnituspatienten erheblich.
63 Teilnehmer einer Studie waren aufgeteilt in drei
Gruppen, die entweder Beratung erhielten, an Gruppentherapie teilnahmen oder
auf Wartelisten dafür standen. Die Teilnehmer beantworteten Fragebögen,
bevor die beiden ersten Gruppen die Behandlung begannen und nach drei und
sechs Monaten der Leidensdruck von jedem Patienten überprüft wurde.
Drei Monate nach der Behandlung durch Beratung, gaben
die Teilnehmer eine durchschnittliche Steigerung des Wohlbefindens von 25
Prozent an. Die Teilnehmer der Gruppentherapie fühlten sich um 28 Prozent
besser. Nach sechs Monaten wirkten sich die Behandlungen immer noch aus und
hatten sogar noch eine weitere Verbesserung erzielt. Die Gruppe auf der
Warteliste erlebte keine Verbesserung. Die Beratung umfasste ein persönliches
Gespräch mit einem Arzt, der die Wichtigkeit vom Umgang mit Stress und
erholsamem Schlaf erklärte und Tipps gab, um den Einfluss von Tinnitus auf
die Psyche zu reduzieren. Die Therapie wurde in Gruppen von 8-10 Teilnehmern
durchgeführt, die sich 12 Mal zu Informationsveranstaltungen und Anleitung
für Entspannungstechniken und Gedankenkontrolle trafen. Der Gebrauch von Hörgeräten
oder Tinnitus-Maskern wurde beiden Patientengruppen empfohlen.
Auch wenn die Studie keinen entscheidenden Unterschied
zwischen dem Ergebnis der beiden Behandlungsformen feststellen konnte, sind
die Forscher davon überzeugt, dass Gruppentherapie auf lange Sicht mehr
Vorteile bringt. Sie glauben auch, dass Gruppentherapie eine bessere
Entlastung bei Fällen von sehr ausgeprägtem Tinnitus bietet.
Quelle:
Counselling vs. Gruppentherapie bei chronischem Tinnitus, HNO, March 2004, Fundstelle:
hear-it.org
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Zukunftsbranche
Hörgeräteakustik
(fgh)
Der erste bundesdeutsche Diplomstudiengang Medizintechnik mit dem
Schwerpunkt Hörgeräteakustik in Lübeck setzte 1999 Maßstäbe für die
berufliche Qualifikation
einer Branche. Durch kontinuierliches Engagement der Bundesinnung der Hörgeräteakustiker,
der Akademie für Hörgeräte-Akustik und der Fachhochschule Lübeck wurde
daraus 2004 der
Bachelor-Studiengang Hörakustik. Dafür wurde jetzt Dr. Jürgen Tchorz als
Professor an die
Fachhochschule nach Lübeck berufen. Der 36jährige Audiologe studierte
Physik in Oldenburg
und Galway, promovierte 2000 bei Prof. Dr. Dr. Kollmeier in Oldenburg und
arbeitete bisher im
Forschungsbereich eines renommierten Schweizer Herstellers von Hörsystemen.
„Es gibt in unserer Branche einen wachsenden Bedarf an Absolventen mit
Fachhochschul- bzw.
Bachelorabschluss.“ sagt Marianne Frickel, Präsidentin der Bundesinnung
der
Hörgeräteakustiker in Mainz. „Der neue Studiengang soll die Verbindung
zwischen der
handwerklichen Aus- und Fortbildung von Hörgeräteakustikern und der
wissenschaftlich
geprägten audiologischen Spezialisierung an Universitäten herstellen. Das
entspricht dem
modernen Berufsprofil, das heute immer mehr in den Hörgeräteakustik-Betrieben
und den
Unternehmen der Hörgeräte-Industrie erwartet wird.“
Der
Standort Lübeck bietet mit der bundesoffenen Landesberufsschule für Hörgeräteakustiker,
dem Deutschen Hörgeräte Institut, der Akademie für Hörgeräteakustik und
der Fachhochschule
Lübeck die idealen Voraussetzungen für einen „campus acusticus“. Der
Bachelor-Abschluss
öffnet zudem den norddeutschen Bildungsstandort für den internationalen
Austausch. Für die
Bundesinnung der Hörgeräteakustiker und die Vereinigung der Hörgeräte-Industrie
stellt dieser
Schritt einen elementaren Beitrag dazu dar, die Branche mit beruflicher
Spitzen-Qualifikation
zukunftssicher zu machen. „Die Kombination der drei Kernbereiche
Technik/Naturwissenschaft,
Wirtschaftswissenschaft und Medizin/Audiologie bildet genau das
multidisziplinäre Spannungsfeld
ab, das die Hörakustik in ihrer Vielseitigkeit auszeichnet,“ fasst Dr.
Tchorz zusammen.
Studieninformationen
sind zu erhalten beim Fachbereich Angewandte Naturwissenschaften der
Fachhochschule Lübeck (www.fh-luebeck.de)
und bei der Akademie für Hörgeräte-Akustik in
Lübeck (www.aha-luebeck.de).
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