Archiv Juli/August 2005                                                                   

Rudi Carrell im Interview

Gespräche innerhalb der Familie werden zu einer Belastung, wenn die Hörfähigkeit eines Angehörigen nachlässt. Viele Betroffene gestehen sich ihre Hörschwäche jedoch nicht ein, weil es ihnen peinlich ist. Rudi Carrell, der selbst eine Hörminderung hat und Hörsysteme trägt, engagiert sich deshalb für einen offenen und unverkrampften Umgang mit dem Thema. Im Gespräch mit dem Forum Besser Hören berichtet er über seine Erfahrungen.

FBH: Herr Carrell, gutes Hören ist gerade in Bezug auf die Familie sehr wichtig. Wann wurde Ihnen erstmals bewusst, dass Sie ein Hörsystem brauchen?

Carrell: Das war ungefähr 1994. Damals habe ich zum ersten Mal einen Hörgeräte-Akustiker konsultiert und war erschrocken über das Ergebnis des Hörtests.

FBH: Hat die Familie sehr darunter gelitten, dass Sie nicht mehr alles hörten?

Carrell: Na ja, ehrlich gesagt war ich es, der gelitten hat, als ich mit dem neuen Hörsystem dann plötzlich Dinge von der lieben Verwandtschaft hörte, die nicht für meine Ohren bestimmt waren. Deshalb habe ich dann auch schlagartig mein Testament geändert...

FBH: Wo haben Sie die Verbesserung Ihres Hörvermögens nach Anpassung des Hörsystems zuerst wieder bemerkt?

Carrell: Es ist mir zuerst im Beruf aufgefallen. Endlich konnte ich alle wieder verstehen.

FBH: Hat sich die familiäre Situation dadurch geändert, dass Sie jetzt wieder besser hören?

Carrell: Ja. Gutes Hören ist besonders wichtig für den Dialog zwischen Generationen. Ich habe meinen Enkeln immer gerne vorgelesen und Geschichten erzählt. Da will ich natürlich auch in der Lage sein, neugierige Zwischenfragen schnell und ohne nachzufragen zu beantworten. Ich selbst habe als Kind immer gespannt den Erzählungen meines Vaters gelauscht.

FBH: Sie sind also zufrieden mit dem wieder erworbenen Hörvermögen. Was würden Sie Familienmitgliedern und anderen Menschen raten, die aus Angst den Gang zum Hörgeräte-Akustiker nicht antreten bzw. nicht antreten wollen?

Carrell: Solche Angst kann ich nicht verstehen. Ein Hörsystem ist doch so normal wie eine Brille. Das sollte von jedem als selbstverständlich aufgefasst werden. Natürlich ist die Unterstützung der Familie in solchen Situationen besonders wichtig.

FBH: Das Forum Besser Hören hat Ihnen für Ihr Engagement die Alexander-Graham-Bell-Medaille verliehen. Wie hat sich das ergeben?

Carrell: Ich habe nie verbergen wollen, dass ich selbst Hörsysteme trage – im Gegenteil, ich habe sie dem Publikum vor laufender Kamera sogar gezeigt. Mein Ziel ist, die Menschen zu ermutigen. Sie sollen es sich eingestehen, wenn sie nicht mehr gut hören und zum Hörgeräte-Akustiker gehen. Das habe ich auch schon vielen nahegelegt.

FBH: Welche Art Hörsystem tragen Sie?

Carrell: Nachdem ich zuerst zwei Im-Ohr-Geräte hatte, trage ich nun Hinter-dem-Ohr-Geräte. Mit beiden bin ich sehr zufrieden. Der Vorteil bei Hinter-dem-Ohr-Geräten ist, dass man besser damit telefonieren kann und dass nicht so viel Wärme im Gehörgang entsteht.

FBH: Wo sehen Sie bei Familienfeiern oder auf Parties den Nutzen von Hörsystemen? Ich meine den so genannten „Cocktail-Party-Effekt“.

Carrell: Ja, den habe ich selber erlebt. Es war in der Vergangenheit nicht einfach, dass ich alle Leute um mich herum verstehen konnte bis auf die Person, die genau vor mir stand. Mit der heutigen Technik ist das anders geworden: die Hörsysteme filtern Störgeräusche heraus und deshalb kann man die Worte des Gegenübers gezielt hören. Hörsysteme reagieren heutzutage auch einfach schneller auf plötzlich auftretende Geräusche, wie zum Beispiel einen Knall.

FBH: Wie oft tragen Sie Ihre Hörsysteme?

Carrell: Täglich. Von morgens früh nach dem Aufstehen bis abends. Ich kann mir ein Leben ohne Hörsysteme nicht mehr vorstellen.

FBH: Herzlichen Dank für das Gespräch!
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Hörverlust im Pflegeheim

Eine amerikanische Studie zeigte, dass zwischen 53 Prozent und 63 Prozent der Bewohner mehrerer Pflegeheimen an schwerem Hörverlust litten, das Pflegepersonal jedoch nur bei weniger als der Hälfte der Fälle darauf aufmerksam war.

Die hohe Zahl an unbemerktem Hörverlust deutet auf übliche Fehler in der Behandlung von Älteren hin. Symptome wie Verwirrung, Rückzug und schlechte Orientierung können durch unbehandelten Hörverlust hervorgerufen werden. Doch so lange der Hörverlust unentdeckt bleibt, besteht die Gefahr, dass die Senioren behandelt werden als hätten sie Alzheimer oder Demenz.

Die amerikanische Studie umfasste 279 Pflegestationen, 51 Altenheimpfleger und 16 Leiter. Interviews mit dem Personal und den Senioren sowie eine Analyse von Krankenakten zeigte, dass nur 30 von 279 Pflegeheimbewohnern im vergangenen Jahr auf Hörprobleme hin untersucht wurden. 39 Prozent waren auf Grund von überschüssigem Ohrenschmalz behandelt worden, doch bei 81 Prozent wurde weder das Gehör getestet noch der Ohrenschmalz entfernt.

Die Forscher der Studie empfahlen, die Pflegerausbildung zu verbessern und an den Heimbewohnern routinemäßige Hörtests durchzuführen. Zusätzlich empfahlen sie, dass Heimbewohner, die Hörgeräte tragen, die Geräte überprüfen lassen und die Funktionen des Hörgerätes so weit wie möglich vereinfachen lassen sollten, damit den älteren Menschen der Umgang mit Hörgeräten erleichtert wird.

Quellen: Hearing Aid Use in Nursing Homes, Part 1: Prevalence Rates of Hearing Impairment and Hearing Aid Use, and Hearing Aid Use in Nursing Homes, Part 2: Barriers to Effective Utilization of Hearing Aids. Journal of American Medical Directors Association. September/Oktober 2004. Fundstelle: hear-it.org
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Unternehmen bekämpfen Lärm

Der Kampf gegen Lärm in 18 Industriearbeitsplätzen in Singapur führte zu einer sofortigen und dramatischen Reduzierung von mehr als der Hälfte neu auftretender Fälle von Hörverlust unter den Arbeitern.

Im Jahre 1999 litten 659 Angestellte unter neuen Hörproblemen, doch als Ergebnis der neuen Maßnahmen gegen Lärm fiel die Anzahl neuer Fälle auf 300 im darauf folgenden Jahr. Die Firmen verbesserten die Lärmdämmung lauter Maschinen und steigerten den Gebrauch von Ohrstöpseln und anderem Gehörschutz unter den Arbeitern.

Der Einsatz zur Steigerung der Aufmerksamkeit rund um lärmbedingten Hörverlust wurde 1999 von dem nationalen Handelskongress und dem Arbeitsamt gestartet. Die Organisatoren der Kampagne hoffen, dass die finale Phase der Kampagne, die seit 2004 läuft, zu einer Teilnahme von mehr Unternehmen führen wird.

Die Kampagne wurde ins Leben gerufen, nachdem in den Neunzigern viele Firmen in Singapur einen rapiden Anstieg von lärmbedingtem Hörverlust verzeichneten. Jährlich werden rund 1.000 neue Fälle von Hörverlust gemeldet, so dass Hörverlust zu den häufigsten arbeitsbedingten Leiden zählt.

Quelle: The Straits Times, www.straitstimes.com.sg 12.10.2004, Fundstelle: hear-it.org
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Lärmbußgelder in Madrid

Eine strenges Verbot gegen Lärmverschmutzung und die seit Juni 2004 existierende Brigade Gegen Lärm in Madrid führten zu einem rasanten Anstieg von Inspektionen und Bußgeldern wegen Lärm.

Der jüngste Report des Madrider Stadtrates zeigte einen Anstieg von Inspektionen um 13 Prozent und um 600 Prozent bei Lärm-Bußgeldern. Dank eines verstärkten Einsatzes der Lärmbekämpfung durch die Brigade Gegen

Lärm stieg die Zahl der Inspektionen 2004 auf 10.513 an. Die Zahl der Bußgelder stieg von 89 vom Vorjahr auf 524 an. Die verhängten Bußgelder des Vorjahres bezifferten sich auf 21.130 Euro, während sie sich gegenwärtig auf insgesamt bereits auf 482,311 Euro beziffern.

Verkehr und laute Nachbarn sind u.a. die häufigsten Lärmverursacher und machten rund 3.200 Inspektionen nötig. Partys und Musik auf der Straße führten zu 1.200 Inspektionen, während Freizeitparks 760 Inspektionen und Werkstätten und Industrie 210 Inspektionen auslösten. Die meisten Bußgelder waren gering und beliefen sich auf bis zu 600 Euro. Diese Verstöße wurden normalerweise durch laute Musik, Aircondition und Aufzüge verursacht. Es gab rund 50 ernste Sanktionen, mit Bußgeldern von bis zu 12.000 Euro für exzessiven Lärm von Dunstabzügen, Kühlsystemen, Autowaschanlagen, Kneipen und sogar lautes Klappern von Schuhabsätzen.

60 besonders schwere Fälle führten zu Strafen von bis zu jeweils 300.000 Euro. Unter den Verursachern rangierten Nachtclubs und Restaurants, Werkstätten, Schulen und Zementfirmen. Ein bekannter Pub wurde zu einem Bußgeld in Höhe von 120.000 Euro verurteilt und vorsichtshalber geschlossen.

Lärm ist gefährlich für die allgemeine Gesundheit, sowie für das Gehör. Er kann Hörverlust, Schlafstörungen, Bluthochdruck oder Kopfschmerzen auslösen und, wie jetzt in Madrid, Ihr Portemonnaie empfindlich treffen.

Quellen: Qué! Zeitung und www.abc.es, 23. Februar 2005, Fundstelle. Hear-it.org
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Gruppentherapie bei Tinnitus

Auch wenn sie das Summen im Ohr nicht ganz vertreiben können, sind Gruppentherapie und Beratung vorteilhaft, um das tägliche Leiden durch Tinnitus zu lindern. Laut einer deutschen Studie beeinflussen die beiden Behandlungsansätze das Wohlbefinden von Tinnituspatienten erheblich.

63 Teilnehmer einer Studie waren aufgeteilt in drei Gruppen, die entweder Beratung erhielten, an Gruppentherapie teilnahmen oder auf Wartelisten dafür standen. Die Teilnehmer beantworteten Fragebögen, bevor die beiden ersten Gruppen die Behandlung begannen und nach drei und sechs Monaten der Leidensdruck von jedem Patienten überprüft wurde.

Drei Monate nach der Behandlung durch Beratung, gaben die Teilnehmer eine durchschnittliche Steigerung des Wohlbefindens von 25 Prozent an. Die Teilnehmer der Gruppentherapie fühlten sich um 28 Prozent besser. Nach sechs Monaten wirkten sich die Behandlungen immer noch aus und hatten sogar noch eine weitere Verbesserung erzielt. Die Gruppe auf der Warteliste erlebte keine Verbesserung. Die Beratung umfasste ein persönliches Gespräch mit einem Arzt, der die Wichtigkeit vom Umgang mit Stress und erholsamem Schlaf erklärte und Tipps gab, um den Einfluss von Tinnitus auf die Psyche zu reduzieren. Die Therapie wurde in Gruppen von 8-10 Teilnehmern durchgeführt, die sich 12 Mal zu Informationsveranstaltungen und Anleitung für Entspannungstechniken und Gedankenkontrolle trafen. Der Gebrauch von Hörgeräten oder Tinnitus-Maskern wurde beiden Patientengruppen empfohlen.

Auch wenn die Studie keinen entscheidenden Unterschied zwischen dem Ergebnis der beiden Behandlungsformen feststellen konnte, sind die Forscher davon überzeugt, dass Gruppentherapie auf lange Sicht mehr Vorteile bringt. Sie glauben auch, dass Gruppentherapie eine bessere Entlastung bei Fällen von sehr ausgeprägtem Tinnitus bietet.

Quelle: Counselling vs. Gruppentherapie bei chronischem Tinnitus, HNO, March 2004, Fundstelle: hear-it.org
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Zukunftsbranche Hörgeräteakustik

(fgh) Der erste bundesdeutsche Diplomstudiengang Medizintechnik mit dem Schwerpunkt Hörgeräteakustik in Lübeck setzte 1999 Maßstäbe für die berufliche Qualifikation einer Branche. Durch kontinuierliches Engagement der Bundesinnung der Hörgeräteakustiker, der Akademie für Hörgeräte-Akustik und der Fachhochschule Lübeck wurde daraus 2004 der Bachelor-Studiengang Hörakustik. Dafür wurde jetzt Dr. Jürgen Tchorz als Professor an die Fachhochschule nach Lübeck berufen. Der 36jährige Audiologe studierte Physik in Oldenburg und Galway, promovierte 2000 bei Prof. Dr. Dr. Kollmeier in Oldenburg und arbeitete bisher im Forschungsbereich eines renommierten Schweizer Herstellers von Hörsystemen. „Es gibt in unserer Branche einen wachsenden Bedarf an Absolventen mit Fachhochschul- bzw. Bachelorabschluss.“ sagt Marianne Frickel, Präsidentin der Bundesinnung der Hörgeräteakustiker in Mainz. „Der neue Studiengang soll die Verbindung zwischen der handwerklichen Aus- und Fortbildung von Hörgeräteakustikern und der wissenschaftlich geprägten audiologischen Spezialisierung an Universitäten herstellen. Das entspricht dem modernen Berufsprofil, das heute immer mehr in den Hörgeräteakustik-Betrieben und den Unternehmen der Hörgeräte-Industrie erwartet wird.“

Der Standort Lübeck bietet mit der bundesoffenen Landesberufsschule für Hörgeräteakustiker, dem Deutschen Hörgeräte Institut, der Akademie für Hörgeräteakustik und der Fachhochschule Lübeck die idealen Voraussetzungen für einen „campus acusticus“. Der Bachelor-Abschluss öffnet zudem den norddeutschen Bildungsstandort für den internationalen Austausch. Für die Bundesinnung der Hörgeräteakustiker und die Vereinigung der Hörgeräte-Industrie stellt dieser Schritt einen elementaren Beitrag dazu dar, die Branche mit beruflicher Spitzen-Qualifikation zukunftssicher zu machen. „Die Kombination der drei Kernbereiche Technik/Naturwissenschaft, Wirtschaftswissenschaft und Medizin/Audiologie bildet genau das multidisziplinäre Spannungsfeld ab, das die Hörakustik in ihrer Vielseitigkeit auszeichnet,“ fasst Dr. Tchorz zusammen.

Studieninformationen sind zu erhalten beim Fachbereich Angewandte Naturwissenschaften der Fachhochschule Lübeck (www.fh-luebeck.de) und bei der Akademie für Hörgeräte-Akustik in Lübeck (www.aha-luebeck.de).
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