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Millionen Teenager mit Hörverlust
Die
Zahl der Teenager mit Hörverlust in Deutschland wird die neun Millionen
Marke erreichen. Dies ist die beunruhigende Prognose von Henning Wiegels,
leitendem Spezialisten der HNO-Klinik in Schwerin.
Laut Wiegels liegt der Hauptgrund bei dem, seiner
Aussage nach "ziemlich unnötigen Freizeitlärm" von Diskotheken,
Walkman, etc. Seiner Einschätzung nach wird das Gehör der heutigen
Teenager wenn sie 40 Jahre alt sind auf dem Niveau der heute 60-Jährigen
liegen.
Die Untersuchung "Schallpegel in Diskotheken und
bei Musikveranstaltungen" aus dem Jahre 2000 zeigt einen deutlichen
Zusammenhang zwischen Hörgewohnheiten und Hörschäden bei deutschen
Teenagern. Teenager, die über mehrere Jahre hinweg täglich
mehrere Stunden Walkmanmusik gehört haben und einen oder mehrere
Diskotheken pro Woche besucht haben, zeigten einen durchschnittlichen Hörverlust
von 10 dB in hohen Frequenzen verglichen mit den restlichen
Untersuchungsteilnehmern.
Wiegels warnt, dass neun Millionen junge Deutsche zu der
derzeitigen Zahl der deutschen mit Hörverlust in den folgenden Jahren
hinzukommen werden. Er empfiehlt, dass offizielle Lärmgrenzen etabliert
werden, wie in der Schweiz, um ein erlaubtes Maximum an Lärm in Discos und
für den Walkman festzulegen.
Quelle: Umweltbundesamt
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Zum
Lernen zu laut
(fbh)
„Haben wir als Hausaufgabe in Mathe nun Aufgabe 13
b oder d auf?“, fragt
ein Schüler seinen Nachbarn. „Ich habe 30 e verstanden“,
antwortet der
verunsichert. Missverständnisse wie diese liegen nicht zwangsläufig
daran, dass Schüler
nicht richtig zuhören wollen: Vielmehr können Sie es aus
bestimmten Gründen häufig
nicht. „Eine schlechte Raum-Akustik spielt hierbei
eine bedeutende
Rolle“, weiß Gerhard Hillig, Sprecher vom Hamburger Forum
Besser Hören. „Tritt
eine mangelnde Raum-Akustik jedoch gepaart mit
Hörproblemen bei Schülern
auf, ist einwandfreies Hören und Verstehen und
damit effektives Lernen
quasi unmöglich.“
Dass
es in vielen Klassenzimmern zum Lernen zu laut ist, bestätigt eine
Untersuchung der
Universität Oldenburg: Während einer Unterrichtsstunde in
einer Grundschule wurden
Lautstärken zwischen 70 und 77 Dezibel gemessen.
Zum Vergleich: Für Büroarbeitsplätze
wird von Berufsgenossenschaften ein
maximaler Geräuschpegel
von 55 Dezibel empfohlen. Geht der Umgebungslärm
darüber hinaus, wird
konzentriertes Arbeiten erheblich erschwert. Und da im
Unterricht öfter ein
Stift zu Boden fällt, mit Papier geraschelt und mit Stühlen
gerückt, gehustet und
gekichert wird, ist es um eine gute Lernatmosphäre
schnell geschehen.
Doppelte
Lern-Hürde für schwerhörige Schulkinder
Liegt
bei einem Schüler auch noch eine Hörminderung vor, so wird das
Verstehen der
Lehrerstimme zusätzlich erheblich erschwert oder gar unmöglich
gemacht. „Während
normalhörende Kinder u.U. die Lehrerstimme mit großer
Konzentration aus den
vielen Hintergrundgeräuschen noch herausfiltern können,
ist dies schwerhörigen
Schülern praktisch unmöglich“, so Hillig. Lehrer
und Eltern sind deshalb
gleichermaßen gefordert. Wird ein Leistungsabfall festgestellt,
so empfiehlt sich
umgehend ein Hörtest beim HNO-Arzt oder
Hörgeräte - Akustiker.
Im Falle einer Hörminderung, sollte dann mit der
dafür,
dass man dem Unterricht wieder folgen und gute Leistungen erbringen
kann – vorausgesetzt
die Raum-Akustik lässt es zu.
Bereits
mit kleinen Maßnahmen ist eine Reduzierung des Lärmpegels und somit
effizienteres Lernen zu
erreichen:
- Anbringen bzw. Erneuerung der Filzunterlagen an Stühlen und Tischen
- Instandsetzung des Mobilars, z. B. Reparatur quietschender Schubladen
oder wackelnder Tische
- Anbringen von Vorhängen oder Gardinen an den Fenstern
- Anbringen von Wandteppichen oder Korkplatten bzw. Pinnwänden
Darüber
hinaus helfen umfassendere Maßnahmen wie das Montieren schallabsorbierender
Decken- und ggf.
Wandverkleidungen und das Auslegen des
Klassenraums mit
Teppichboden.
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Musiker
haben häufig Hörprobleme
Eine
große Zahl von Musikern hat Hörprobleme von gewöhnlichen Hörschäden bis
hin zum Tinnitus. Das hat eine schwedische Forscherin herausgefunden.
Kim Kähäri von der
Universitär Göteborg hatte im Rahmen ihrer Doktorarbeit sowohl Rock- und
Jazz-Musiker als auch klassische Musiker untersucht. Dabei berücksichtigte
sie nicht nur ein schlechteres Hörvermögen, sondern auch andere Beeinträchtigungen
wie etwa einen Tinnitus, Geräuschverzerrungrn oder ein überempfindliches
Gehör.
Fast
drei Viertel der Rock- und Jazz-Musiker zeigten Hörschäden. Doch auch bei
mehr als zwei Dritteln der klassischen Musiker war das Gehör auf die eine
oder andere Art und Weise beeinträchtigt. Viele der untersuchten Musiker
litten unter lästigen Kombinationen verschiedener Hörprobleme, berichtet
die Universität Göteborg in einer Pressemitteilung
Quelle:
wissenschaft.de
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Viele
Hörgeschädigte - viele Vorurteile
Laut
einer kanadischen Studie gibt rund einer von vier Kanadiern an, persönlich
einen gewissen Grad von Hörverlust zu empfinden. Das durchschnittliche
Alter derjenigen, die meinen, einen Hörverlust zu haben, ist 51. Noch überraschender
ist, dass sieben von zehn, die meinen, unter Hörverlust zu leiden, unter 60
Jahren alt sind und einer aus vier ist unter 40 Jahre alt ist.
Das heißt, dass Hörverlust entgegen der allgemeinen
Auffassung weit verbreitet ist und nicht nur Rentner betrifft. Die
Gesamtergebnisse zeigen, dass Hörverlust bei wesentlich jüngeren
Altersgruppen auftritt als erwartet.
Die Studie analysierte außerdem die Meinungen und
Haltung über Gehörlosigkeit und Hörverlust. Die Ergebnisse zeigen, dass
viele Kanadier deutliche Vorurteile haben, so dass sie um keinen Preis ein Hörgerät
tragen möchten.
Einer von vier Kanadiern mit normalem Gehör würde
lieber mit einem leichten Hörverlust leben, als ein Hörgerät zu tragen.
Überraschenderweise sagt einer von fünf Leuten mit Hörverlust, der von
einem Hörgerät profitieren könnte, dass er lieber keines tragen möchte.
Gleichzeitig gibt einer von acht Leuten zu, dass er den Umgang mit Hörgeschädigten
oder Gehörlosen meidet, weil er nicht weiß, wie man sich mit ihnen verständigen
kann.
Der
Widerwille gegen Hörgeräte ergibt sich aus Vorurteilen, die Hörgeräte
mit Altern und verminderter geistiger Schärfe in Zusammenhang bringen. Die
Ergebnisse der kanadischen Hörstudie "Canadian Hearing Society
Awareness Survey" wurden von der kanadischen Hörgesellschaft "Canadian
Hearing Society" im April 2002 veröffentlicht.
Die Studie wurde von der "Camelford Graham Research
Group Inc." durchgeführt und war Teil einer Kampagne, die darauf
abzielte, die mit Vorurteilen behaftete Haltung der Leute gegenüber Gehörlosen
und Hörgeschädigten zu ändern. Die Studie sammelte Informationen per
Telephoninterviews und befragte 800 Teilnehmer. Die Personen waren über 18
Jahre alt und waren eine repräsentative Mischung aus Frauen und Männern
mit unterschiedlicher Ausbildung und Einkommen.
Quelle:
The Canadian Hearing Society Awareness Survey, 30. April 2002
Fundstelle:
hear-it.org
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Künstliches
Gesicht als Hilfe
Ein
Forscher aus Schweden hat ein Computergesicht entwickelt, das natürliche
Sprache in Bewegungen von Zunge und Lippen übersetzen kann. Das künstliche
Gesicht könnte eines Tages Schwerhörigen das Telefonieren erleichtern,
teilt das Royal Institute of Technology in Stockholm mit.
Der Doktorand Jonas
Beskow hat Gesichter von Personen beim Sprechen mit Hilfe von Kameras und
Elektroden vermessen und aus den Daten das Computermodell entwickelt. Um das
Modell zu testen, hat der Forscher vom Königlichen Institut für Technik
Versuchspersonen einen verstümmelten und daher akustisch nur schwer
wahrnehmbaren Text vorgespielt.
Das
Verständnis des Textes wurde jedoch durch den Anblick eines natürlichen
Sprechers auf dem Bildschirm oder des künstlichen Gesichtes erleichtert.
Das Computermodell half
den Zuhörern beim Verständnis des Gesprochenen fast genau so effektiv wie
ein natürliches Gesicht, versichert Beskow. Das Modell sei sogar so gut,
dass Taube den Text von den Lippen des animierten Gesichtes lesen könnten.
ddp/bdw
- Andreas Wawrzinek
Quelle: wissenschaft.de
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Gut
hören durch Löwenhirn
(dgk)
Das Gehirn eines Löwen mit etwas Öl ins Ohr gebracht, sollte die
Menschen im Mittelalter von der Schwerhörigkeit befreien. Davon ging
zumindest der Wissenschaftler und Hochschullehrer Albertus Magnus (1193 bis
1280) aus. Im alten Ägypten füllte man Mistelschleim, Weihrauch und Gänseschmalz
ins Ohr, um es zu heilen. Aus heutiger Sicht er-scheinen diese
Therapieversuche, die Rainer Hüls für sein Buch "Die Geschichte der Hörakustik"
gesammelt hat, lächerlich. Denn ein geschädigtes Innenohr - die häufigste
Ursache für Hörprobleme - konnte man damit natürlich nicht heilen. Die Hörsysteme
des 21. Jahrhunderts sind wesentlich leichter zu beschaffen als ein Löwenhirn
und vor allem: Sie helfen wirklich.
Die Römer versuchten dem
Gehör mit Abführmitteln und Kräutermischungen auf die Sprünge zu helfen.
Gegen Ohrenschmerzen wurde ein Sud aus Kellerasseln und Schnecken ins Ohr
geträufelt. Aetius, ein Arzt aus dem 6. Jahrhundert, schor seinen Patienten
den Kopf und rieb ihn mit Öl ein. Wenn die Hörprobleme weiterhin
bestanden, versuchte er es noch mit Ziegen-Urin, der zuvor neun Tage geräuchert
worden war. Die Menschen nahmen die unangenehmsten Therapien in Kauf, um
wieder besser hören zu können - leider vergeblich. Bis wirklich wirksame Lösungen
für Hörprobleme angeboten werden konnten, mussten noch viele Jahrhunderte
vergehen. Heute stellen Hals-Nasen-Ohrenärzte klare Diagnosen und bieten
sinnvolle Therapien an. Innenohrschwerhörigkeit kann von Hörakustikern mit
Hörsystemen versorgt werden, die das Hören und Verstehen wirksam
verbessern. Ein echter Fortschritt.
Quelle: Rainer Hüls,
Die Geschichte der Hörakustik: 2000 Jahre Hören und Hörhilfen,
Median-Verlag, Heidelberg 1999
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