Archiv Juli/August 2003                                                                   

9 Millionen Teenager mit Hörverlust

Die Zahl der Teenager mit Hörverlust in Deutschland wird die neun Millionen Marke erreichen. Dies ist die beunruhigende Prognose von Henning Wiegels, leitendem Spezialisten der HNO-Klinik in Schwerin.

Laut Wiegels liegt der Hauptgrund bei dem, seiner Aussage nach "ziemlich unnötigen Freizeitlärm" von Diskotheken, Walkman, etc. Seiner Einschätzung nach wird das Gehör der heutigen Teenager wenn sie 40 Jahre alt sind auf dem Niveau der heute 60-Jährigen liegen.

Die Untersuchung "Schallpegel in Diskotheken und bei Musikveranstaltungen" aus dem Jahre 2000 zeigt einen deutlichen Zusammenhang zwischen Hörgewohnheiten und Hörschäden bei deutschen Teenagern. Teenager, die über mehrere Jahre hinweg täglich mehrere Stunden Walkmanmusik gehört haben und einen oder mehrere Diskotheken pro Woche besucht haben, zeigten einen durchschnittlichen Hörverlust von 10 dB in hohen Frequenzen verglichen mit den restlichen Untersuchungsteilnehmern.

Wiegels warnt, dass neun Millionen junge Deutsche zu der derzeitigen Zahl der deutschen mit Hörverlust in den folgenden Jahren hinzukommen werden. Er empfiehlt, dass offizielle Lärmgrenzen etabliert werden, wie in der Schweiz, um ein erlaubtes Maximum an Lärm in Discos und für den Walkman festzulegen.

Quelle: Umweltbundesamt

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Zum Lernen zu laut

(fbh) „Haben wir als Hausaufgabe in Mathe nun Aufgabe 13 b oder d auf?“, fragt ein Schüler seinen Nachbarn. „Ich habe 30 e verstanden“, antwortet der verunsichert. Missverständnisse wie diese liegen nicht zwangsläufig daran, dass Schüler nicht richtig zuhören wollen: Vielmehr können Sie es aus bestimmten Gründen häufig nicht. „Eine schlechte Raum-Akustik spielt hierbei eine bedeutende Rolle“, weiß Gerhard Hillig, Sprecher vom Hamburger Forum Besser Hören. „Tritt eine mangelnde Raum-Akustik jedoch gepaart mit Hörproblemen bei Schülern auf, ist einwandfreies Hören und Verstehen und damit effektives Lernen quasi unmöglich.“

Dass es in vielen Klassenzimmern zum Lernen zu laut ist, bestätigt eine Untersuchung der Universität Oldenburg: Während einer Unterrichtsstunde in einer Grundschule wurden Lautstärken zwischen 70 und 77 Dezibel gemessen. Zum Vergleich: Für Büroarbeitsplätze wird von Berufsgenossenschaften ein maximaler Geräuschpegel von 55 Dezibel empfohlen. Geht der Umgebungslärm darüber hinaus, wird konzentriertes Arbeiten erheblich erschwert. Und da im Unterricht öfter ein Stift zu Boden fällt, mit Papier geraschelt und mit Stühlen gerückt, gehustet und gekichert wird, ist es um eine gute Lernatmosphäre schnell geschehen.

Doppelte Lern-Hürde für schwerhörige Schulkinder

Liegt bei einem Schüler auch noch eine Hörminderung vor, so wird das Verstehen der Lehrerstimme zusätzlich erheblich erschwert oder gar unmöglich gemacht. „Während normalhörende Kinder u.U. die Lehrerstimme mit großer Konzentration aus den vielen Hintergrundgeräuschen noch herausfiltern können, ist dies schwerhörigen Schülern praktisch unmöglich“, so Hillig. Lehrer und Eltern sind deshalb gleichermaßen gefordert. Wird ein Leistungsabfall festgestellt, so empfiehlt sich umgehend ein Hörtest beim HNO-Arzt oder Hörgeräte - Akustiker. Im Falle einer Hörminderung, sollte dann mit der dafür, dass man dem Unterricht wieder folgen und gute Leistungen erbringen kann – vorausgesetzt die Raum-Akustik lässt es zu.

Bereits mit kleinen Maßnahmen ist eine Reduzierung des Lärmpegels und somit effizienteres Lernen zu erreichen:
- Anbringen bzw. Erneuerung der Filzunterlagen an Stühlen und Tischen
- Instandsetzung des Mobilars, z. B. Reparatur quietschender Schubladen oder wackelnder Tische
- Anbringen von Vorhängen oder Gardinen an den Fenstern
- Anbringen von Wandteppichen oder Korkplatten bzw. Pinnwänden

Darüber hinaus helfen umfassendere Maßnahmen wie das Montieren schallabsorbierender Decken- und ggf. Wandverkleidungen und das Auslegen des Klassenraums mit Teppichboden.  
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Musiker haben häufig Hörprobleme

Eine große Zahl von Musikern hat Hörprobleme von gewöhnlichen Hörschäden bis hin zum Tinnitus. Das hat eine schwedische Forscherin herausgefunden.

Kim Kähäri von der Universitär Göteborg hatte im Rahmen ihrer Doktorarbeit sowohl Rock- und Jazz-Musiker als auch klassische Musiker untersucht. Dabei berücksichtigte sie nicht nur ein schlechteres Hörvermögen, sondern auch andere Beeinträchtigungen wie etwa einen Tinnitus, Geräuschverzerrungrn oder ein überempfindliches Gehör.

Fast drei Viertel der Rock- und Jazz-Musiker zeigten Hörschäden. Doch auch bei mehr als zwei Dritteln der klassischen Musiker war das Gehör auf die eine oder andere Art und Weise beeinträchtigt. Viele der untersuchten Musiker litten unter lästigen Kombinationen verschiedener Hörprobleme, berichtet die Universität Göteborg in einer Pressemitteilung
Quelle: wissenschaft.de  
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Viele Hörgeschädigte - viele Vorurteile

Laut einer kanadischen Studie gibt rund einer von vier Kanadiern an, persönlich einen gewissen Grad von Hörverlust zu empfinden. Das durchschnittliche Alter derjenigen, die meinen, einen Hörverlust zu haben, ist 51. Noch überraschender ist, dass sieben von zehn, die meinen, unter Hörverlust zu leiden, unter 60 Jahren alt sind und einer aus vier ist unter 40 Jahre alt ist.

Das heißt, dass Hörverlust entgegen der allgemeinen Auffassung weit verbreitet ist und nicht nur Rentner betrifft. Die Gesamtergebnisse zeigen, dass Hörverlust bei wesentlich jüngeren Altersgruppen auftritt als erwartet.

Die Studie analysierte außerdem die Meinungen und Haltung über Gehörlosigkeit und Hörverlust. Die Ergebnisse zeigen, dass viele Kanadier deutliche Vorurteile haben, so dass sie um keinen Preis ein Hörgerät tragen möchten.

Einer von vier Kanadiern mit normalem Gehör würde lieber mit einem leichten Hörverlust leben, als ein Hörgerät zu tragen. Überraschenderweise sagt einer von fünf Leuten mit Hörverlust, der von einem Hörgerät profitieren könnte, dass er lieber keines tragen möchte. Gleichzeitig gibt einer von acht Leuten zu, dass er den Umgang mit Hörgeschädigten oder Gehörlosen meidet, weil er nicht weiß, wie man sich mit ihnen verständigen kann.

Der Widerwille gegen Hörgeräte ergibt sich aus Vorurteilen, die Hörgeräte mit Altern und verminderter geistiger Schärfe in Zusammenhang bringen. Die Ergebnisse der kanadischen Hörstudie "Canadian Hearing Society Awareness Survey" wurden von der kanadischen Hörgesellschaft "Canadian Hearing Society" im April 2002 veröffentlicht.

Die Studie wurde von der "Camelford Graham Research Group Inc." durchgeführt und war Teil einer Kampagne, die darauf abzielte, die mit Vorurteilen behaftete Haltung der Leute gegenüber Gehörlosen und Hörgeschädigten zu ändern. Die Studie sammelte Informationen per Telephoninterviews und befragte 800 Teilnehmer. Die Personen waren über 18 Jahre alt und waren eine repräsentative Mischung aus Frauen und Männern mit unterschiedlicher Ausbildung und Einkommen.

Quelle: The Canadian Hearing Society Awareness Survey, 30. April 2002
Fundstelle: hear-it.org

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Künstliches Gesicht als Hilfe

Ein Forscher aus Schweden hat ein Computergesicht entwickelt, das natürliche Sprache in Bewegungen von Zunge und Lippen übersetzen kann. Das künstliche Gesicht könnte eines Tages Schwerhörigen das Telefonieren erleichtern, teilt das Royal Institute of Technology in Stockholm mit.

Der Doktorand Jonas Beskow hat Gesichter von Personen beim Sprechen mit Hilfe von Kameras und Elektroden vermessen und aus den Daten das Computermodell entwickelt. Um das Modell zu testen, hat der Forscher vom Königlichen Institut für Technik Versuchspersonen einen verstümmelten und daher akustisch nur schwer wahrnehmbaren Text vorgespielt.

Das Verständnis des Textes wurde jedoch durch den Anblick eines natürlichen Sprechers auf dem Bildschirm oder des künstlichen Gesichtes erleichtert.

Das Computermodell half den Zuhörern beim Verständnis des Gesprochenen fast genau so effektiv wie ein natürliches Gesicht, versichert Beskow. Das Modell sei sogar so gut, dass Taube den Text von den Lippen des animierten Gesichtes lesen könnten.

ddp/bdw - Andreas Wawrzinek
Quelle: wissenschaft.de

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Gut hören durch Löwenhirn

(dgk) Das Gehirn eines Löwen mit etwas Öl ins Ohr gebracht, sollte die Menschen im Mittelalter von der Schwerhörigkeit befreien. Davon ging zumindest der Wissenschaftler und Hochschullehrer Albertus Magnus (1193 bis 1280) aus. Im alten Ägypten füllte man Mistelschleim, Weihrauch und Gänseschmalz ins Ohr, um es zu heilen. Aus heutiger Sicht er-scheinen diese Therapieversuche, die Rainer Hüls für sein Buch "Die Geschichte der Hörakustik" gesammelt hat, lächerlich. Denn ein geschädigtes Innenohr - die häufigste Ursache für Hörprobleme - konnte man damit natürlich nicht heilen. Die Hörsysteme des 21. Jahrhunderts sind wesentlich leichter zu beschaffen als ein Löwenhirn und vor allem: Sie helfen wirklich.

Die Römer versuchten dem Gehör mit Abführmitteln und Kräutermischungen auf die Sprünge zu helfen. Gegen Ohrenschmerzen wurde ein Sud aus Kellerasseln und Schnecken ins Ohr geträufelt. Aetius, ein Arzt aus dem 6. Jahrhundert, schor seinen Patienten den Kopf und rieb ihn mit Öl ein. Wenn die Hörprobleme weiterhin bestanden, versuchte er es noch mit Ziegen-Urin, der zuvor neun Tage geräuchert worden war. Die Menschen nahmen die unangenehmsten Therapien in Kauf, um wieder besser hören zu können - leider vergeblich. Bis wirklich wirksame Lösungen für Hörprobleme angeboten werden konnten, mussten noch viele Jahrhunderte vergehen. Heute stellen Hals-Nasen-Ohrenärzte klare Diagnosen und bieten sinnvolle Therapien an. Innenohrschwerhörigkeit kann von Hörakustikern mit Hörsystemen versorgt werden, die das Hören und Verstehen wirksam verbessern. Ein echter Fortschritt.

Quelle: Rainer Hüls, Die Geschichte der Hörakustik: 2000 Jahre Hören und Hörhilfen, Median-Verlag, Heidelberg 1999
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