Archiv Juni/Juli/August 2006                                                                   

Immer mehr Hörverlust in Deutschland

Drei von vier Deutschen fühlen sich durch Lärm belästigt. Dieses Problem bleibt nicht ohne Folgen: Rund 15 Millionen Menschen in Deutschland hören schlecht. Immer mehr Personen mittleren Alters sind von einer durch Lärm verursachten Hörminderung betroffen.
Häufigste Lärmquellen sind der Straßenverkehr und Baulärm.
Laut Deutscher Gesellschaft für Akustik
- Fühlen sich 18 Prozent der Deutschen hochgradig von Straßenverkehrslärm gestört.
- Leidet jeder sechste Deutsche auf Grund von Straßenverkehrslärm unter ständigen Schallpegeln von über 65 dB. Ab diesem Wert steigt das Herzinfarktrisiko deutlich an.
- 4 Prozent der Deutschen fühlen sich durch Industrielärm hochgradig belästigt.
- 6 Prozent fühlen sich durch Fluglärm hochgradig gestört, besonders nachts.
- 6,5 Prozent fühlen sich hochgradig durch Nachbarschaftslärm gestört.
- 14 Prozent der Gesamtbevölkerung Deutschlands sind schwerhörig, darunter immer mehr junge Leute.
- 3 Millionen Deutsche leiden an Tinnitus, mit steigender Tendenz.
- Hörstörungen sind in Deutschland die häufigste Berufskrankheit.

Die Deutsche Gesellschaft für Akustik schätzt, dass der volkswirtschaftliche Schaden durch Hörkrankheiten jährlich 170 Millionen Euro beträgt.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Akustik, Presseinformation PK 04/05, Fundstelle: hear-it.org
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Wie gut hört Ihr Kind?

(fgh) Mindestens 500.000 Kinder in Deutschland hören schlecht. Von 1.000 Kindern kommen ein bis drei mit einer gravierenden Hörminderung zur Welt. Bei Frühgeborenen oder Kindern mit Fehlbildungen ist etwa jedes zehnte betroffen. “Beim geringsten Verdacht auf eine Hörminderung sollte man mit dem Kind zum Arzt gehen. Sonst besteht die Gefahr, dass eine Hörstörung monate- oder gar jahrelang unentdeckt bleibt”, so Dr. Christina Beste, Pressesprecherin der Fördergemeinschaft Gutes Hören. “Darunter leidet dann meist die gesamte Entwicklung des Kindes, vor allem natürlich das Sprechenlernen.”

Auch gut hörende Kinder können im Lauf ihrer Kindheit einen bleibenden Hörschaden bekommen, durch Infektionskrankheiten beispielsweise. Eltern sollten darauf achten, wie ihre Säuglinge und Kinder sich verhalten. Bei plötzlichen lauten Geräuschen erschrecken Kinder, die normal hören, während der Zuspruch der Eltern beruhigend wirkt. Das stimmhafte Lachen und Brabbeln der Babys sollte im 6. bis 7. Lebensmonat in zweisilbige Äußerungen “Mam-mam”, “Ba-ba” übergehen.
Die Kinder sollten auch dann auf eine Stimme reagieren, wenn sie den Sprecher nicht sehen. Beim geringsten Zweifel an der Hörfähigkeit des Kindes sollte der Arzt aufgesucht werden, damit eine professionelle Überprüfung des Gehörs in die Wege geleitet wird.

Wenn sich der Verdacht auf eine Hörminderung bestätigt, sollten nach medizinischer Abklärung umgehend Hörsysteme angepasst werden. Bei angeborener Hörminderung möglichst innerhalb der ersten sechs Lebensmonate, in anderen Fällen, sobald das Hörproblem erkannt wurde. Denn diese Kinder sind auf eine optimale Versorgung mit Hörsystemen angewiesen. Die kindlichen Hörbahnen brauchen in den ersten Lebensjahren akustische Reize, um weiter reifen zu können. Fast jede Hörminderung lässt sich mit modernen Hörsystemen versorgen. Die fachkundige Anpassung und Betreuung übernehmen eigens dafür qualifizierte Hörgeräte-Akustiker.

Weitere Fragen beantwortet das kostenlose Beratungstelefon
Jeden Mittwoch von 14 bis 16 Uhr stehen Experten für die individuelle Beratung am Telefon bereit: Hörgeräte-Akustiker (0800 - 0112 112) und HNO-Ärzte (0800 - 0112 113). Die Anrufe sind gebührenfrei. Am 28. Juni ist die Früherkennung von Hörproblemen bei Babys und Kindern das Schwerpunktthema: Hier beraten Pädakustiker. Das sind Hörakustiker-Meister, die in besonderer Weise für die Versorgung von Säuglingen und Kindern qualifiziert sind. Die Fördergemeinschaft Gutes Hören (FGH) bietet das Beratungstelefon gemeinsam mit dem Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte und dem Deutschen Grünen Kreuz an.

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Schwindel und Hörprobleme

Die meisten Schwindelanfälle stehen in Verbindung mit Hörproblemen Schätzungsweise 2 Prozent der Allgemeinbevölkerung leiden an Schwindelzuständen. 75 Prozent davon leiden auch an Hörproblemen. Das ist das Ergebnis vom “Wissenschaftlichen Kongress über Schwindel, Perlgeschwulste und Ohrentzündungen” gehalten von Gaes sowie der Spanischen HNO-Vereinigung und Nacken- und Kopfpathologie
Menschen, die an Schwindel leiden, empfinden ein Gefühl der Bewegung, das nicht existiert, und/oder andere häufig damit verbundene Symptome wie Hörverlust, Ohrensausen, Kopfschmerzen, Gleichgewichtsstörungen und Übelkeit.

Bei Älteren häufig

Schwindel kommt mit ganzen 30 Prozent am häufigsten bei Älteren vor. Unter jungen Erwachsenen liegt die Häufigkeit bei 2 Prozent, so Dr. Gonzalo Corvera, chirurgischer HNO-Spezialist und Gründer der Mexikanischen Gesellschaft für Otologie und Otoneurologie.
Eine Reihe verschiedener Faktoren verursachen Schwindel, darunter Krankheiten des Vestibulapparats, d.h. dem Sitz des Gleichgewichtsorgans im Ohr, Entzündungen des Mittel- und Innenohrs, Kopftraumata, Viren, Medikamente und fehlende Durchblutung. “Wegen der Nähe des Vestibulapparats zur Schnecke im Innenohr ist es sehr gewöhnlich, dass das Gehör beeinträchtigt ist,” ergänzt Dr. Corvera.

Das Gehör testen lassen

Schwindelanfälle machen 5 Prozent aller Arztbesuche aus, so Dr. Nicolás Pérez von der Universitätsklinik Navarra. Daher wird empfohlen, dass das Gehör bei Schwindelpatienten getestet wird, weil drei von vier Schwindelanfälle auf Hörprobleme zurückzuführen sind.

Quelle: MedicinaTV.com, Fundstelle: hear-it.org
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Digitale Hörtechnik macht zufrieden

Immer mehr Hörgeräte-Träger sind vollauf zufrieden mit der Leistung ihrer digitalen Hörsysteme. Das ist das Ergebnis von insgesamt 600 Endkunden-Befragungen durch das Forum Besser Hören in den vergangenen drei Jahren.

„Hörgeräte verbessern meine Lebensqualität“, sagten demnach 93 Prozent der Befragten im Jahr 2005. Sie gaben an, ihre Hörgeräte täglich und permanent zu tragen. 2004 machten 89 Prozent diese Aussagen, 2003 waren es noch 82 Prozent. Befragt wurden jährlich jeweils 200 Hörgeräte-Träger.

Zurückzuführen ist die Zunahme der Zufriedenheit auf große technologische Fortschritte der Hörgeräte-Branche sowie auf die hohe Qualität der Anpassung durch die Hörakustiker. „Digitale Technologie hat die Akzeptanz von Hörgeräten wesentlich gesteigert“, erklärt Raimund Ernst, Vorsitzender der Vereinigung der Hörgeräte Industrie. „Die so genannten Schubladengeräte gehören nun endgültig der Vergangenheit an. Ihr Anteil ist heute verschwindend gering.“ Gemeint sind Hörgeräte, die nach der Anpassung „in der Schublade“ liegen bleiben, weil die Träger damit nicht zurecht kommen.

Dagegen bieten digitale Hörgeräte der neuen Generation alle technischen Möglichkeiten, um exakt die individuellen Bedürfnisse jedes einzelnen Nutzers zu befriedigen. Die Geräte sind so klein, dass man sie kaum noch sieht. Sie sind bequem und sicher zu tragen. Und sie gewährleisten bestes Hören in allen erdenklichen Alltagssituationen. Im Vordergrund stehen hervorragendes Sprachverstehen und intelligente Störlärmfilter. Im Ergebnis hört der Träger genau das, was er hören will. Wichtiges wird hervorgehoben, Störendes unterdrückt.

Digitale Hörsysteme machen rund 85 Prozent aller angepassten Geräte aus. Ihr Anteil wächst Jahr für Jahr, so dass die früher üblichen analogen Geräte praktisch keine Rolle mehr spielen.

In Deutschland haben 15 bis 20 Millionen Menschen ernsthafte Hörprobleme, darunter immer mehr junge Leute. Betroffen sind nach Schätzungen ein Fünftel der Jugendlichen, ein Drittel der Erwachsenen mittleren Alters und die Hälfte aller Senioren. Bislang tragen knapp 3,5 Millionen Menschen Hörgeräte. FBH
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Teenager-Ohren in Gefahr

Nicht nur Erwachsene setzen ihr Gehör in Kneipen und Nachtclubs aufs Spiel. Eine Studie ermittelte ebenso exzessive Lautstärken in Discos für Minderjährige.

Mehr als die Hälfte des Nachtclub-Personals hat irgendein Hörproblem. Trotz des Risikos benutzt nur eine Minderheit Gehörschutz bei der Arbeit.

Auf dem Hintergrund wissenschaftlicher Erkenntnisse warnen dänische Forscher Personal von Nachtclubs und ähnlichen Einrichtungen vor dem Dauerlärm ihres Arbeitsumfeldes und fordern dazu auf, Gehörschutz zu tragen.

“Wir nehmen den Gehörschutz sehr ernst. Wenn du an vielen Tagen der Woche bis zu fünf Stunden bei 100 dB verbringst, nimmt dein Gehör Schaden,” so Jan Gybel Jensen, Ingenieur der dänischen Arbeitsaufsichtsbehörde zu der Zeitung Jydske Vestkysten. Die Aufsichtsbehörde führte im Rahmen eines Regierungsprogramms gegen Lärm am Arbeitsplatz Messungen der Lärmpegel in Discos durch.

Eine weitere Studie ergab sogar noch höhere Lärmpegel in alkoholfreien Diskotheken für Kinder und minderjährige Jugendliche. Lärmpegel auf alkoholfreien Festen für Kinder der 4. bis 7. Klasse lagen bei 105 dB.

Wenn der konstante Lärmpegel 85dB überschreitet, wird Gehörschutz empfohlen. Das entspricht dem Lärm eines Rasenmähers. Die Lärmpegel der Jugendclubs erreichen Pegel eines großen Flugzeugs beim Abheben.

Sogar kurze Momente lauter Musik können das Gehör schädigen, auch wenn es nur ein Besuch in einer Musik-Bar ist, ist es doch wichtig, gut auf seine Ohren aufzupassen. Es ist sehr empfehlenswert, immer mal wieder eine kurze Pause zwischendurch einzulegen, um die Ohren entspannen zu lassen.

Quellen: “Disko-støj koster hørelsen” (Disco-Lärm kostet das Gehör), Jydske Vestkysten 5. April 2006, Fundstelle: hear-it.org
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Schwerhörig durch Hormone?

US-amerikanische Wissenschaftler haben eine Verbindung zwischen altersbedingtem Hörverlust und dem Hormon Aldosteron entdeckt.

Forschung an dem University of Rochester Medical Center in Rochester, New York, ergab, dass das Hormon Aldosteron eine wichtige Rolle bei altersbedingter Schwerhörigkeit spielt. Je mehr ältere Menschen von diesem Hormon in ihrer Blutbahn haben, desto besser ist ihr Gehör, und je weniger von diesem Hormon vorhanden ist, desto schlechter ist ihr Gehör.

Eine Forschergruppe untersuchte 47 gesunde Frauen und Männer im Alter von 58 bis 84 Jahren. Die Teilnehmer wurden ausführliche Hörscreenings unterzogen. Zusätzlich wurde der Aldosteron-Spiegel in ihrem Blut bestimmt. Der Aldosteron-Spiegel nimmt mit zunehmendem Alter ab.

Die Untersuchung ergab, dass sehr schwerhörige Menschen durchschnittlich ungefähr nur halb so viel Aldosteron in ihrem Blut hatten als die normal hörenden Teilnehmer. Die Forscher bemerkten aber, dass die Aldosteron-Spiegel sämtlicher Teilnehmer im Normalbereich lagen, und dass kein Patient oder Arzt den Aldosteron-Spiegel erhöhen sollte, bevor auf diesem Gebiet nicht ausführlicher geforscht wird.

Robert D. Frisina, HNO-Professor am University of Rochester Medical Center und assistierender Professor am Rochester Institute of Technology, schreibt auf der Internetseite des Instituts:

“Wir fanden eine direkte Verbindung zwischen dem Aldosteron-Wert im Blut und der Fähigkeit von Menschen, mit zunehmendem Alter normal zu hören. Niedrige Hormonpegel können das Hören sowohl im Innenohr als auch im Teil des Gehirns, das für das Gehör zuständig ist, beeinträchtigen. Bevor wir dieses Thema umfassender verstehen, sollten sich keiner um seinen Aldosteron-Spiegel Sorgen machen oder versuchen, die Menge in seiner Blutbahn zu erhöhen.”

Quelle: University of Rochester Medical Center, www.urmc.rochester.edu, November 2005, Fundstelle: hear-it.org
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