Archiv Juni 2005                                                                   

Pfunde schaden Gehör

Übergewichtige oder Fettleibige haben ein doppelt so hohes Risiko, Probleme mit dem Gehör zu bekommen. Das ist das Ergebnis einer schwedischen Studie an 245.000 schwedischen Wehrpflichtigen.

Die Ergebnisse der Studie wurden im Dezember 2004 bei einer Konferenz in Göteborg präsentiert. Die Studie zeigte den Zusammenhang zwischen Schwerhörigkeit und körperlicher Entwicklung von der Geburt bis zum Wehrpflichtigenalter. "Da sich Übergewicht und Fettleibigkeit als bedeutende Risikofaktoren in Relation zu Hörverlust zeigen, müssen wir mit einer Zunahme der Zahl an Personen mit früher Schwerhörigkeit rechnen," erklärte Marie-Louise Barrenäs, Dozentin an der "Sahlgrenska Akademie" in Göteborg der schwedischen Tageszeitung "Göteborgs-Posten", bezüglich einer Konsequenz von zunehmenden Gewichtsproblemen in der schwedischen Bevölkerung.

Die Forscher fanden heraus, dass Schwerhörigkeit bei drei Gruppen mindestens doppelt so häufig auftritt wie bei anderen Wehrpflichtigen. Die erste Gruppe bestand aus Männern mit niedrigem Geburtsgewicht, die im Laufe der Zeit, bis zum Wehrpflichtigenalter, Übergewicht entwickelt hatten. Die zweite Gruppe bestand aus Männern, die bei ihrer Geburt ein normales Gewicht hatten und beim Eintritt in die Armee übergewichtig waren. Die dritte Gruppe umfasst Männer mit Wachstumsstörungen bei der Geburt, während der Pubertät und bei Eintritt in die Armee.

Die Forscher betonen, dass Wachstumsstörungen schwer zu überwinden sind, dass man gegen Übergewicht und Fettleibigkeit jedoch leichter vorgehen und dadurch Hörprobleme reduzieren kann.

Die Studie lässt nicht den Umkehrschluss zu, dass schwerhörige Menschen generell übergewichtig sind.
Quelle: Gøteborgs-Posten, www.gp.se, Fundstelle: hear-it.org
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Gehör nicht vergessen!

Gesundheitliche Prävention wird heute immer wichtiger. Unverzichtbar für eine umfassende Vorsorge ist auch die frühzeitige und regelmäßige Überprüfung des Gehörs. Darauf weisen Experten des Forum Besser Hören hin. „Menschen, die auf gesundheitliche Prävention achten wollen, dürfen ihr Gehör nicht vergessen. Ihre Vorsorge ist nur dann komplett, wenn sie auch ihr Hörvermögen rechtzeitig und zuverlässig untersuchen lassen“, sagt Forum-Sprecher Karsten Mohr. „Je früher Hörprobleme erkannt werden, desto besser lassen sich die Konsequenzen in den Griff bekommen.“

Hörprobleme sind längst keine Alterserscheinung mehr. Betroffen sind immer mehr Menschen mittleren Alters, junge Erwachsene, aber auch Jugendliche und Kinder. „Verantwortlich dafür ist vor allem die zunehmende Lärmbelastung in unserer modernen Gesellschaft“, erläutert Mohr. Insgesamt leben in Deutschland mindestens 15 Millionen Menschen mit Hörschwäche. Viele davon sind sich dessen nicht bewusst oder schieben das Problem vor sich her.

Die Folgen sind ernst. Menschen, die nichts gegen die eigene Hörschwäche unternehmen, rutschen zunehmend in die soziale Isolation, weil der reibungslose Austausch von Mensch zu Mensch immer schwieriger wird. Häufige Begleiterscheinungen sind private Vereinsamung und Probleme im Beruf. „Die daraus resultierenden seelischen Belastungen sind oftmals verbunden mit psychosomatischen Erkrankungen und depressiven Zuständen“, so Mohr. Verhindern lässt sich dies durch eine rechtzeitige Versorgung mit modernen Hörsystemen, die Hörprobleme ausgleichen und die individuelle Kommunikationsfähigkeit erhalten.

Ob das Gehör noch in Ordnung ist, verrät ein Test beim Hörakustiker vor Ort. Der Check-Up dauert nur wenige Minuten und ist kostenlos. Aufschluss gibt auch eine Untersuchung beim HNO-Arzt. Weitere Informationen sowie einen Online-Hörtest gibt es im Internet unter www.forumbesserhoeren.de. Das Forum-Beratungstelefon unter der kostenfreien Nummer 0800-360-9-360 ist an jedem Montag von 15 bis 17 Uhr geschaltet. FBH
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Veranstalter haftet bei Hörschäden

Konzertveranstalter müssen mit entsprechenden Vorkehrungen ihre Besucher vor Gehörschäden durch übermäßig laute Musik schützen. Ansonsten haften sie den verletzten Personen gegenüber. Das hat das Landgericht Nürnberg-Fürth entschieden.

Wie der Anwalt-Suchservice mitteilt, hatte eine junge Frau ein Open-Air-Konzert der Musikgruppe „Bon Jovi“ besucht. Während der Veranstaltung stand sie rund drei Stunden im Zentrum des Zuschauerfeldes. Etwa fünf Meter von ihr entfernt waren große Lautsprecher-Boxen aufgestellt. Beim Verlassen des Konzertes hörte die Besucherin nur noch „dumpf“ und verspürte kurz darauf einen starken Druck und ein heftiges Pfeifen auf ihrem linken Ohr. Der behandelnde Arzt stellte eine Innenohrschädigung mit Tinnitus fest. Die Frau war vier Wochen lang arbeitsunfähig und musste mit Infusionen behandelt werden.

Die Besucherin verlangte später 4.000 Euro Schmerzensgeld von den Konzertveranstaltern. Doch diese weigerten sich. Schließlich seien die Musiker und die „amerikanischen Tontechniker“ für die Beschallung zuständig gewesen, so die Veranstalter. Die Frau zog vor Gericht und bekam Recht.

Das LG Nürnberg-Fürth sah in der Untätigkeit der Konzertveranstalter einen klaren Verstoß gegen ihre Verkehrssicherungspflicht (Urt. v. 1.12.2004 – 6 O 4537/03). Ein Konzertveranstalter habe alle erforderlichen Maßnahmen zu treffen, um seine Zuschauer vor Gesundheitsschäden zu schützen, so die Richter. Er dürfe diese Überwachung nicht auf die „Lärmverursacher“ abwälzen. Die verletzte Frau treffe auch keine Mitschuld, so das Gericht. Als Besucherin eines großen Konzertes einer namhaften Musikgruppe habe sie in der Mitte des Zuschauerfeldes nicht damit rechnen müssen, Gehörschäden zu erleiden.

Die Konzertveranstalter haben Berufung eingelegt.
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Hörsysteme immer kleiner

Die Zeiten, in denen Hörsysteme bloße Verstärker waren, sind endgültig vorbei. Dank modernster Technik gleichen die Geräte heutige einem Mini-Computer, der Schallwellen analysiert und zu einem neuen digitalen Klangbild wieder zusammenfügt. Dadurch kann nahezu jedes Hörproblem individuell ausgeglichen werden.

Gleichzeitige Stimmen und Störgeräusche während eines Gesprächs - der sogenannte Cocktail- Party-Effekt - gehören seit jeher zu den größten Herausforderungen der Forschung. Hörsysteme der jüngsten Generation haben auf diesem Gebiet einen Qualitätssprung gemacht, weil sie die Trennung von Sprache und Lärm ermöglichen. Anhand der gemessenen Frequenzen entscheidet das Hörsystem automatisch, um welche Geräuschquelle es sich handelt und schaltet innerhalb von Sekundenbruchteilen in das für die Hörsituation optimale Hörprogramm. Störschall wird dabei unterdrückt, menschliche Sprache hervorgehoben. Zudem justieren moderne Hörsysteme die Lautstärke automatisch.

Einen Fortschritt stellt auch die Richtmikrofontechnik dar. Richtmikrofone werden inzwischen extrem raumsparend gebaut. Sie verstärken ausgewählte Raumbereiche und blenden die angrenzenden Störquellen aus. Dies ist beispielsweise bei Einzelgesprächen sehr hilfreich. Die Stimme des Gesprächspartners kann so genauer erfasst und verstärkt werden.

„Es ist davon auszugehen, dass die Zukunft durch eine weitere Leistungssteigerung der Hörsysteme gekennzeichnet sein wird. Ein Aspekt stellen dabei miteinander kommunizierende Geräte dar, die Daten austauschen und einseitige Schwankungen im Hörvermögen ausgleichen“, sagt Dr. Ascan Gossler von Forum Besser Hören. Um die ästhetischen Bedürfnisse der Nutzer zu befriedigen, werden die Geräte immer kleiner. Weiteren Spielraum, um die Hörsysteme noch kleiner und gleichzeitig leistungsstärker zu machen, sehen Experten für die Zukunft bei den Batterien. Gegenwärtig beträgt das durchschnittliche Leistungsvermögen bis zu 250 Stunden. In den Forschungslaboren wird bereits mit Hochdruck an einer Ausweitung gearbeitet.
Quelle: FBH
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Grundschüler (84 J.) kann wieder hören

Sein Fall ging im Herbst 2004 durch alle Medien: Der älteste Grundschüler der Welt, der 84jährige Kenianer Kimani Maruge wünschte sich ein Hörgerät, um dem Unterricht besser folgen zu können. Wenn seine Mitschüler sich lautstark unterhielten, konnte er dem Unterricht nicht folgen. Als das Forum Besser Hören davon erfuhr, zögerte es nicht lange. Es ließ bei dem 30fachen Großvater einen Hörtest durchführen und ein Audiogramm anfertigen. Anschließend wurden geeignete Hörsysteme nach Nairobi gesandt, die ein lokaler Hörakustiker dem wissbegierigen Schüler anpasste. Da nur in der kenianischen Hauptstadt eine qualifizierte Anpassung gewährleistet war, musste Kimani Maruge, der in einem abgelegenen Dorf im Landesinneren wohnt, extra nach Nairobi gebracht werden. Doch all diese Strapazen haben sich für ihn gelohnt: Mittlerweile kann er seine Umwelt wieder laut und deutlich verstehen. „Kimani Maruge hätte sich ein Hörgerät, das allein Abhilfe schafft, selbst nicht leisten können“, sagt der behandelnde Arzt Dr. Harish Rupani von der HNO-Abteilung des Nairobi Hospital. Kimani Maruge fällt in seiner Klasse auf wie ein bunter Hund. Als Kind durfte er nicht in die Schule gehen, weil er sich um das Vieh seiner Eltern kümmern musste. Deshalb holt er jetzt im fortgeschrittenen Alter nach, endlich lesen und schreiben zu lernen. Seine Lehrer loben und beschreiben ihn als einen fleißigen, pünktlichen und ehrgeizigen Schüler. Und auch für die Zukunft hat er noch große Pläne: Nach dem Schulabschluss möchte er Tiermedizin studieren und ein Buch über seine Zeit als Freiheitskämpfer schreiben. „Mein Alter macht mir nichts aus. Ich weiß, dass Gott mich nicht so bald wegholen und mir die Möglichkeit geben wird, dies zu Ende zu bringen“, sagt er.
Quelle: FBH
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Wir sind ganz Ohr

(fgh) Schon im Mutterleib können wir hören. Kein Wunder, dass Neugeborene die Stimme ihrer Mutter von allen anderen Stimmen unterscheiden können, bevor sie in der Lage sind, ihr Gesicht zu erkennen. Tag und Nacht, pausenlos sind die Ohren im Einsatz – ein Leben lang. Dabei leisten sie Unglaubliches. Wir können extrem leise Geräusche wahrnehmen. Wenn wir ebenso gut sehen könnten, würden wir eine 10-Watt-Birne noch aus 1.000 Kilometern Entfernung erkennen. Wir hören eine Spannbreite von über 10 Oktaven – von 20 Hertz bis 16.000 Hertz. Wenn man den Dynamikbereich des Gehörs auf eine Waage übertragen würde, könnte diese Waage vom Sandkorn bis zum Traktor alles wiegen, ohne umgeschaltet werden zu müssen. Das Gehör ist das empfindlichste und dynamischste Sinnesorgan des Menschen.

Was das Gehör täglich für uns leistet:  

  • Alarmieren: Telefonklingeln, Türläuten, Knalle, Rufe, Donner oder Hupen können uns auf Gefahren aufmerksam machen.

  • Orientieren: Bei geschlossenen Augen hören wir, ob wir uns in einem großen Raum oder in einem kleinen Zimmer befinden. Da wir mit zwei Ohren hören, können wir einschätzen, aus welcher Richtung Geräusche kommen.

  • Verständigung durch Sprache ermöglichen: Dank unseres Gehörs können wir sprechen lernen.

  • Informieren: Über die Ohren nehmen wir viele Informationen auf – Gespräche, Telefon, Radio, Fernsehen.

  • Stimmungen transportieren: Neben den Inhalten, nehmen wir auch die Lautstärke, Sprachmelodie oder Tonhöhen wahr und entschlüsseln damit die Stimmungen und Gefühle der Sprecher, wie z.B. Ironie, Erstaunen, Aggressionen.

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