Archiv Juni 2003                                                                   

Hörverlust führt zu mehr Arztbesuchen

Ältere Leute mit Hörverlust setzen sich drei Mal so häufig wie ältere Leute ohne Hörverlust mit ihrem Arzt in Verbindung, so eine Studie aus dem Nordwesten der USA. Das Ergebnis bleibt gleich, wenn man die Besuche, die direkt mit dem Hörverlust zu tun haben, davon ausnimmt. Die Studie wurde im "Journal of Aging and Health", 2001, vol. 13, angeführt.

Die Forscher wollten die direkten Auswirkungen von Hörverlust auf die Nutzung von Gesundheitsangeboten untersuchen, in dem sie sonstige Arztbesuche, verursacht durch chronische Krankheiten, Allergien, Asthma etc., ausschlossen. Die Wahrscheinlichkeit, ambulante Behandlung in Anspruch zu nehmen, war drei Mal höher unter hörgeschädigten Patienten als unter sonstigen Gruppen.

Die Studie zeigte einen bedeutenden Zusammenhang zwischen Hörverlust und Depression. 

Die Ergebnisse basieren auf einer statistischen Analyse der Patientenakten von 1436 zufällig ausgesuchten 65-Jährigen. Den Forschern wurde Zugang zu den Akten einer bekannten Gesundheitsorganisation in Oregon und Washington gewährt. Weil die HMO-Mitglieder (Mitglieder der Gesundheitsorganisation) niedrige Gebühren für alle angebotenen Dienste zahlen, wurden finanzielle Faktoren ausgeschlossen.

Die Beziehung von Hörverlust und Abnahme der Lebensqualität sowie physischer und psychischer Leistung ist ausführlich dokumentiert worden. Aber diese Studie ist eine der ersten, die beleuchtet, wie Hörverlust sich auf die Nutzung der Dienste des Gesundheitswesens auswirkt.

Quelle: Journal of Aging and Health, 2001, vol.13: 315-328
Fundstelle: hear-it.org

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Ursache für Tinnitus im Gehirn?

Deutsche Forscher haben starke Anzeichen dafür gefunden, dass Tinnitusgeräusche ihren Ursprung im Gehirn haben, ähnlich der Phantomschmerzen, die Menschen mit amputierten Gliedmaßen oder Personen mit chronischem Schmerz fühlen.

Forscher der Universität Tübingen fanden heraus, dass die meisten Patienten bei der Stimulierung von bestimmten Teilen des Gehirns mit Hochfrequenz-Magnetwellen eine vorübergehende Besserung erlebten.

Mehr als die Hälfte der Bevölkerung leidet mindestens unter leichtem Tinnitus. Einer aus Zehn leidet an chronischem Tinnitus, in einigen Fällen sogar in einem schwächenden Ausmaß. Oftmals wird Tinnitus durch einen lauten Knall oder durch langanhaltenden Lärm ausgelöst. Aber er kann auch durch Ohrentzündungen, blockierten Gehörgang, die Einnahme von Medikamenten oder Kopfverletzungen ausgelöst werden. Kürzlich wurden Theorien dargelegt, dass Tinnitus bei einigen Menschen nicht im Ohr, sondern tief im Gehirn, wo die Töne verarbeitet werden, produziert wird. 

In einigen Fällen ist die Ursache für die Geräusche der Blutfluss durch eine beschädigte Arterie oder Blutgefäßkrankheit. In anderen Beispielen hat das Geräusch seinen Ursprungsort in der Schnecke im Innenohr, wo die Geräuschwellen zu elektrischen Impulsen verarbeitet werden. Die Behandlung variiert von operativer Reparation von beschädigten Arterien oder Blutgefäßen zum Einsetzen von speziellen Hörgeräten oder Hintergrundlärm, um die erworbenen Tinnitusgeräusche zu verschleiern.

Bei der deutschen Studie untersuchten die Forscher die Hirngegenden, wo die Verarbeitung von auditiven Reizen stattfindet. Dort wurde ein gepulstes Magnetfeld bei 14 Patienten mit chronischem Tinnitus benutzt, das die Signalverarbeitung des Hirns stimuliert. Acht der Patienten erlebten eine kurze Besserung ihres Tinnitus. Einer erlebte eine vorübergehende Verschlechterung seines Zustands, und bei fünf hatte es keine Wirkung.

Die Ergebnisse wurden online in "Annals of Neurology" veröffentlicht.
Fundestelle: hear-it.org
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Digitaler Trend hält an

Bei HörSystemen legen die Deutschen Wert auf Qualität und Leistung: Die Nachfrage nach HörSystemen mit volldigitaler Signalverarbeitung stieg von 21 (1998) , auf 46 Prozent (2002) an, meldet die Vereinigung der Hörgeräte-Industrie. "Dank der Digitaltechnik liefern moderne Hörgeräte besten Hörkomfort in allen Situationen", erklärt Gerhard Hillig vom Forum Besser Hören den Trend.

Digitale Hörgeräte sind mit einem Mikrochip ausgestattet, der bis zu 300 Mio. Rechenoperationen pro Sekunde bewältigt - Tendenz steigend. Die Anpassung erfolgt per Computer und spezieller Software. Der Vorteil. Die Geräte können sehr präzise und flexibel auf die individuellen Bedürfnisse des Hörgeminderten angepasst werden und erlauben ein weitgehend natürliches Hören von Sprache, Musik und Umweltgeräuschen. Den Wünschen der Endverbraucher kann somit optimal entsprochen werden. Ein erstes Anzeichen von Hörproblemen ist das schlechte Verstehen in lauter Umgebung. Moderne, volldigitale HörSysteme schaffen Abhilfe. Sie können Nebengeräusche selbstständig erkennen und unterdrücken sowie Nutzschall (z.B. Sprache) verstärken. Ob im Zweiergespräch, im Restaurant mit vielen Hintergrundgeräuschen oder in der Oper - volldigitale Hörgeräte stellen sich auf die akustischen Gegebenheiten der Umgebung ein, in der sich der Hörgeräte-Träger befindet. Das Ergebnis: Kommunikation in allen Hörsituationen, auch im Störschall und bei mehreren Gesprächspartnern ist wieder möglich. Weitere Vorteile volldigitaler HörSysteme: minimiertes Rückkopplungspfeifen, moderne Mikrofontechnologie und erhöhter Tragekomfort durch kleine leichte Bauteile sowie eine einfache Bedienbarkeit. "Moderne, digitale Hörgeräte erleichtern dem Träger die Orientierung erheblich und denken regelrecht mit", weiß Gerhard Hillig - für eine erhebliche Verbesserung der Lebensqualität und wieder mehr Hörgenuss.
FORUM BESSER HÖREN
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Eltern müssen am Ball bleiben

Die Überprüfung des Gehörs beim Neugeborenen, das sogenannnte Screening, wird bundesweit in immer mehr Kliniken angeboten. Obwohl das Screening weder gesetzlich vorgeschrieben ist noch die Kosten nicht von der Krankenkasse getragen werden, nehmen viele Eltern das Angebot wahr - im Glauben, Hörproblemen bei ihrem Kind damit für immer vorgebeugt zu haben. "Ein fataler Fehler", weiß Gerhard Hillig vom Forum Besser Hören: “Jedes Hörscreening ist nur so gut wie die Follow-Ups. Eltern, die das Gehör ihres Kindes nicht regelmäßig untersuchen lassen, riskieren erhebliche Mängel in der kindlichen Sprachentwicklung."

Zwei von 1.000 Kindern in Deutschland kommen jedes Jahr bereits mit einer Hörstörung auf die Welt. Dass Kinder erst Monate  mach der Geburt schwerhörig werden, sollte jedoch auch nicht unterschätzt werden. Und wenn die Eltern dann auf eine regelmäßige Kontrolle des Gehörs verzichten, bleiben die Hörprobleme lange Zeit unentdeckt - bis zum nächsten Besuch beim HNO- oder Kinderarzt. Gerhard Hillig- "Hörprobleme bei Kindern werden in der Regel erst im Alter von zwei Jahren festgestellt. Das bedeutet jedoch, dass bereits wichtige Stationen in der kindlichen Sprachentwicklung verpasst worden sind." Die Folgen: Das Kind kann sich sprachlich nur sehr begrenzt ausdrücken und hinkt Gleichaltrigen in der Sprachentwicklung erheblich hinterher. 

Während andere Kinder schon kurze Sätze sprechen, übt sich ein schwerhöriges Kind mit unbehandelter Hörstörung z.B. noch in der Wortbildung. Es versucht, diesen Mangel durch visuelle Gesten zu kompensieren. Anstatt Dinge zu benennen, zeigt es auf sie und hofft, dadurch verstanden zu werden. Die Kommunikation mit der Umwelt ist erheblich eingeschränkt. Das Kind könnte sich zurückziehen und ein Einzelgänger werden. 

Wenn es um das Erkennen von Schwerhörigkeit bei Kindern geht, sind Kinderärzte, Gynäkologen, HNO-Ärzte und Pädaudiologen genauso gefragt wie Hörgeräte-Akustiker, Pädagogen, Sprachtherapeuten und Psycholgen. "Das interdisziplinäre Zusammenspiel der verschiedenen Fachrichungen funktioniert jedoch nur, wenn die Eltern sich die Bedeutung guten Hörens für die kindliche Entwicklung stets vor Augen halten und aktiv werden", ergänzt Gerhard Hillig.

Einen festen zeitlichen Rhythmus, in dem das Gehör des Kindes getestet werden soll, gibt es nicht, da sich Hörprobleme auch von heute auf morgen einstellen können. Daher empfiehlt es sich, dass Eltern das Gehör ihres Kindes immer sofort und beim geringsten Verdacht untersuchen lassen. Regelmäßige Nachfolgeuntersuchungen sollten am besten bei niedergelassenen Pädaudiologen, auf Pädaudiologie spezialisierten.HNO-Ärzten oder in Kliniken erfolgen. Entsprechende Adressen finden sich in den Gelben Seiten.
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Immer mehr Hörgeschädigte

Niemand weiß genau, wie viele Hörgeschädigte es weltweit gibt. Schätzungen von Professor Adrian Davis vom britischen "MRC Institute of Hearing Research" zufolge wird die Gesamtzahl der Menschen mit einem Hörverlust von mindestens 25 dB weltweit im Jahre 2005 bei über 560 Millionen liegen.

In den Industrieländern wird die Zahl der Hörgeschädigten bei rund 190 Millionen liegen. Davon wird es in Europa über 80 Millionen Hörgeschädigte geben, in den USA und Kanada über 30 Millionen. In den Entwicklungsländern ist die Anzahl mehr als doppelt so groß. 

Adrian Davis zufolge gab es 1995 weltweit rund 440 Millionen Hörgeschädigte, davon allein in Europa mit einer Bevölkerungszahl von 700 Millionen über 70 Millionen Menschen. US-amerikanische Studien schätzen, dass die Anzahl der Hörgeschädigten in Nordamerika mit einer Bevölkerung von 300 Millionen bei über 25 Millionen liegt.

Das Problem wird immer größer und Adrian Davis schätzt, dass im Jahre 2015 mehr als 700 Millionen Menschen weltweit an Hörverlust von mehr als 25 dB leiden werden. Auf diesen Seiten können Sie sich ausgiebig über Verbreitung und Ursachen von Hörverlust in den verschiedenen Regionen der Erde informieren.

Quelle: hear-it.org
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Welcher Arzt darf operieren?

Operationen dürfen auch von Ärzten durchgeführt werden, die sich noch in der Facharzt-Ausbildung befinden. Der notwendige medizinische Standard wird mittels Überwachung durch einen anwesenden Facharzt sichergestellt. Darauf verweist der Anwalt-Suchservice und berichtet von einem Fall, den das OLG München zu entscheiden hatte.

Ein Mann ließ sich in einer Hals-Nasen-Ohren-Klinik operieren. Den Eingriff nahm eine Ärztin vor, die sich noch in der Ausbildung zur Fachärztin befand. Überwacht wurde die Operation von einem Oberarzt und HNO-Facharzt, der während des Eingriffs ständig anwesend war und bei Komplikationen weiter operierte. Trotz dieser fachlichen Absicherung wurde bei der OP das Gehirn des Patienten verletzt. Später ging der Fall zu Gericht.

Die Richter des OLG München stellten sich auf die Seite der Klinik (Urteil v. 31.01.2002, Az: 1 U 3145/01). Einem noch in der Ausbildung befindlichen hinreichend qualifizierten Arzt dürfe unter Aufsicht auch eine schwierige OP übertragen werden, da er ansonsten das Ausbildungsziel nicht erreichen könne. Der Patient müsse darüber auch nicht aufgeklärt werden, betonte das Gericht.

Im vorliegenden Fall sei der Facharztstandard während der durchgeführten Operation stets gewährleistet gewesen. Die Durchführung des Eingriffs habe der Ärztin übertragen werden dürfen. Sie habe das dritte medizinische Staatsexamen mit der Note 1 abgelegt gehabt und sich bereits in der Mitte ihrer Ausbildung zur Fachärztin befunden. Nach Beurteilung ihrer Vorgesetzten sei sie auch ausreichend geschickt und verantwortungsbewusst für die OP erschienen. An ihrer Kompetenz könne nicht gezweifelt werden, so das Gericht.
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