Archiv Mai 2004                                                                   

Anspannung führt zu Tinnitus

Psychologen der Universität Köln haben festgestellt, dass seelisch-körperliche Anspannung Hauptursache der immer weiter verbreiteten Tinnitus-Erkrankungen ist. Nach Angaben der Forscher leiden allein in Deutschland drei Millionen Menschen unter den Ohrgeräuschen. Vor allem Einschlafstörungen, Ängstlichkeit und Lebensunzufriedenheit fördern die chronische Entwicklung dieser Krankheit, berichten die Experten.

Dr. Michael Langenbach und Dr. Miriam Olderog von der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie stellten nach einer entsprechenden Studie fest, dass die Erkrankung früher nur vereinzelt und in erster Linie bei älteren Menschen aufgetreten ist, während heute Patienten aller Altersgruppen betroffen sind.

„Die Mehrzahl der Patienten zeigt sich nach einer anfänglichen Phase der Irritation weitgehend in der Lage, ein normales Leben fortzusetzen“, so die Mediziner. Etwa jeder achte Patient entwickle jedoch einen enormen Leidensdruck mit einer Vielzahl psychischer Auffälligkeiten wie Schlaf- und Konzentrationsstörungen sowie ängstlich-depressiven Symptomen. „Für besonders beeinträchtigte Patienten wurden unterschiedliche psychologische Behandlungsmodelle erarbeitet, die überwiegend darauf ausgerichtet sind, die Tinnitus-Toleranz durch Vermittlung von Bewältigungsstrategien zu verbessern“, führt Langenbach aus.

Die beiden Wissenschaftler kommen jedoch zu dem Schluss, dass die Wirksamkeit dieses Behandlungsansatzes unzureichend ist. „Nur vereinzelt kann der Leidensdruck der Patienten durch diese Interventionen substanziell vermindert werden“, meint Langenbach. Die Ergebnisse der Studie stützten die Annahme, dass sich die Ohrgeräusche bei den betroffenen Patienten auf Grund einer erhöhten seelisch-körperlichen Anspannung ausbilden. Diese würden sich im weiteren Verlauf mehr und mehr zum „Kondensationskern“ der bereits bestehenden Belastungen entwickeln, folgert der Experte. Die Psychologen fordern daher, dass sich die Behandlungsansätze nicht länger auf Strategien zur Erhöhung der Tinnitus-Toleranz beschränken dürfen, sondern den individuellen Belastungsfaktoren des Patienten angepasst werden müssen. „Dabei ist den Belastungen, die bereits zum Zeitpunkt des Auftretens der Ohrgeräusche vorlagen, eine besondere Aufmerksamkeit beizumessen“, meint Langenbach.

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Wer die Wahl hat ...

Wer Hörprobleme hat und sich für die Anpassung moderner Hörsysteme entscheidet, stellt schnell fest: Das Angebot an modernen Hörsystemen ist groß und mit dem früherer Jahre nicht zu vergleichen. „Die Hörgeräte-Hersteller arbeiten permanent an neuen, innovativen Hörsystemen, um dem Schwerhörigen die optimale Lösung zu bieten“, weiß Gerhard Hillig vom Forum Besser Hören. Mit Erfolg: Pro Jahr bringt jeder Hersteller im Schnitt 35 neue Produkte auf den Markt. Das bedeutet für den deutschen Hörgeräte-Markt insgesamt über 450 Modelle jährlich.

Enge Produktionszyklen und ein hoher Wettbewerbsdruck verlangen von der Hörgeräte-Industrie ständig technologische Innovationen. Jeder Hersteller hat daher gleich mehrere Produktfamilien im Programm, die wiederum Hörgeräte verschiedener Leistungsklassen umfassen. 

Bewährte und erfolgreiche Hörsysteme sind in der Regel fünf bis sechs Jahre erhältlich, so dass zurzeit insgesamt rund 2.000 verschiedene Geräte zu haben sind. Gerhard Hillig: „Ob man sich für zuzahlungsfreie Geräte, Mittelklasse- oder High-End-Systeme entscheidet, Hinter-dem Ohr- oder Im-Ohr-Geräte bevorzugt – für jeden Schwerhörigen gibt es die passende Lösung.“ Und das, obwohl jeder Hörverlust so individuell ist wie ein Fingerabdruck: Moderne Digitaltechnik und der Einsatz von Mikrochips ermöglichen eine genaue Feinanpassung der Geräte an die Bedürfnisse ihres Nutzers.

Damit das große Angebot für den Schwerhörigen nicht zur Qual der Wahl wird, trifft der Hörgeräte-Akustiker gemäß den Bedürfnissen und Hörgewohnheiten des Hörgeminderten eine Vorauswahl. Die Anpassung und Einstellung der Geräte erfolgt dann in enger Zusammenarbeit mit dem neuen Hörgeräteträger, der die Geräte auch kostenlos zu Hause Probe tragen kann.
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Ohr ist Trainer für Gehirn

Werkzeug, das lange nicht benutzt wurde, muss erst mal vom Rost befreit werden. Ähnlich ist es auch mit Hammer, Amboss und Trompete im Mittelohr. Wissenschaftler haben festgestellt, dass erworbenes Wissen verloren geht und die Denkfähigkeit abnimmt, wenn eine Schädigung des Gehörs unbehandelt oder sogar unerkannt bleibt. Vereinfacht bedeutet dies: Probleme beim Hören gehen auf Kosten des Verstandes.

Diese Erfahrung machte auch Brigitte Mehdorn bei ihrer 72-jährigen Mutter. Diese litt sein längerem an Hörproblemen, lehnte aber eine Hörhilfe ab. Nach dem ihre Vergesslichkeit immer mehr zunahm, wurde sie auf Alzheimer untersucht. Letztendlich gab der HNO-Arzt den entscheidenden Tipp, dass sie ihr Hörgerät regelmäßig tragen sollte. Schon nach wenigen Wochen war das Problem gelöst, so die Tochter der 72-Jährigen.

Gerhard Hillig vom Forum Besser Hören kann dieses Phänomen gut erklären: „Wir haben neueste Untersuchungen angestellt und wir haben festgestellt, dass Schwerhörigkeiten, die unversorgt bleiben, auf Dauer zu einer Minderung des Intelligenzpotenzials führen.“

So berichtet Hillig über eine Untersuchung von 136 Alzheimer-Patienten. Von denen hörten 100 der Erkrankten normal, 36 hatten Hörproblem. Bei letzteren stellte man fest, dass die Alzheimersche Krankheit schneller vorangeschritten war, als bei den anderen.

Die Untersuchung zeigt, so der Experte: Wer schlechter hört, erhält weniger Informationen. Demzufolge erhält auch des Gehirn weniger Informationen, die es verarbeiten kann. Und ein Kopf, der weniger arbeitet, ist nicht im Training.

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Jäger setzen Gehör aufs Spiel

Wenn Sie zum Schießstand gehen, werden Sie bemerken, dass die meisten Leute Ohrenschutz tragen. Das ist vernünftig. Einen Jäger auf der Pirsch mit Ohrenschutz gegen den Lärm der Gewehrschüsse anzutreffen, ist dagegen oft genau so schwierig, wie einen Bär im Winter aufzustöbern.

Wenn Sie Jäger sind und noch einen Rest ihres Gehörs übrig haben, sollten Sie sich vielleicht die Geschichte von R. David Wilson aus Columbus, Ohio, anhören. Er hat sein Leben lang Tontauben geschossen und zahlt nun den Preis dafür, dass er als junger Mann keinen Ohrenschutz getragen hat.

"Ich habe ungefähr die ersten 10 Jahre beim Tontaubenschießen keinen Gehörschutz getragen. Der Hörverlust stellte sich nach und nach ein. Nachdem ich ihn bemerkt hatte, schoss ich noch weitere 10 Jahre, bevor ich ein Hörgerät bekam," erzählte er vor kurzem der Zeitung "The Columbus Dispatch".

Laut einer Studie, deren Auszüge in der Zeitschrift "Women in the Outdoors" veröffentlicht wurde, die von der "National Wild Turkey Federation" herausgegeben wird, leiden ganze fünfzig Prozent der Freizeitschützen unter Hörverlust. Die Erklärung hierfür ist einfach: Der Lärm eines einzigen Gewehrschusses übertrifft bei weitem den Lärmpegel, der dauerhafte Gehörschäden auslösen kann. Doch meistens wird der Hörverlust durch wiederholte, intensive Lärmbelastung verursacht.

Rechtshändige Schützen, die das Gewehr an das rechte Kinn halten neigen dazu, Hörverlust auf dem linken Ohr zu entwickeln, während Linkshänder auf dem rechten Ohr Hörverlust erleiden.

R. David Wilson, ehemaliger Präsident des Tontaubenverbandes in Ohio kennt zwei Lösungen für das Problem: Entweder man zahlt heute und schafft sich einen guten Gehörschutz an oder man zahlt später den wesentlich höheren Preis für ein Hörgerät.

Ohrenschutz für Zielschützen reicht von günstigen Ohrenstöpseln bis zu angepasstem Gehörschutz und -bügeln. Für Jäger, die zwischen den Schüssen ein sehr gutes Gehör brauchen, gibt es neue Geräte, die normale Geräusche verstärken und gleichzeitig schädlichen Lärm abblocken. Wenn ein Schuss abgegeben wird, blockiert das Gerät den Ton sofort.

Auch wenn der Preis für den besten Ohrenschutz für Jäger bei bis zu 900 US-Dollar liegt, ist das auf lange Sicht im Vergleich zu den besten High-Tech-Hörgeräten und den damit verbundenen Hörbeschwerden ein geringer Kostenaufwand.

Quelle: The Columbus Dispatch, 9. November, 2003
Fundstelle: hear-it.org

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Kasse muss zahlen

(dpa/lby) - Eine Krankenkasse muss im Einzelfall auch Batterien für ein Hörgerät bezahlen. Das hat das Landgericht München I in einem Urteil klargestellt. Wenn eine Versicherung derartige Leistungen aus ihrem Leistungskatalog herausnehmen wolle, müsse sie dies klar in ihren Bedingungen zum Ausdruck bringen (Az.: 20 S 19205/03).

Im vorliegenden Fall hatte der Vater einer im Jahr 2000 geborenen Tochter Klage erhoben. Das Mädchen ist von Geburt an taub, kann mit einem so genannten Cochlear-Implantat seit dem Jahr 2002 aber hören.  Die Kosten des Implantats wurden von der privaten Krankenversicherung der Familie erstattet, nicht aber die monatlichen Kosten von rund 40 Euro für die nötigen Batterien.

Die Krankenversicherung hatte sich auf ihre Versicherungsbedingungen berufen und erklärt, danach würden nur Kosten für einzeln aufgezählte Hilfsmittel - darunter auch Hörgeräte - und deren Reparatur erstattet. Die 20. Zivilkammer stellte in ihrem Urteil nun fest, bei den Batteriekosten handele es sich um erstattungsfähige Reparaturkosten für das Implantat, das die Versicherung selbst als Hörgerät und damit als erstattungsfähiges Hilfsmittel eingestuft habe. Da durch das Einsetzen der Batterien die Funktion des Implantats wieder hergestellt werde, seien die Kosten für den Batteriewechsel als Reparaturkosten anzusehen.

Landgericht München I (Az.: 20 S 19205/03)
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Die Ärzte kommen

Am 1. Mai vergrößerte sich die Europäische Union von 15 auf 25 Mitgliedsstaaten. Nun befürchten die Beitrittsländer eine Abwanderung ihrer Ärzte in den „Westen“. Die Sprecherin der polnischen Ärztekammer sieht das starke Lohngefälle zwischen den „alten“ und „neuen“ Ländern als Grund dafür. Schon jetzt mache sich die Abwanderung in Polen bemerkbar, so die Sprecherin gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Viele Ärzte und Pflegekräfte verlassen das Land Richtung Deutschland, Großbritannien oder Schweden. Auch der Gesundheitsminister von Lettland, Rinalds Mucins befürchtet, dass das medizinische Personal, das über Fremdsprachenkenntnisse verfügt, sein Land verlassen wird.

Nach Angabe von AFP verdient ein Arzt in osteuropäischen Ländern nicht annährend so viel Geld wie sein Kollege in der „alten EU“. So bekommt ein Mediziner in Polen im Durchschnitt 420 EUR, in Lettland rund 310 EUR. Der tschechische Mediziner hat im Vergleich zu den anderen Beitrittsländern das meistens Geld in Portemonnaie, circa 1.000 EUR. Dagegen hat der Kollege in Großbritannien das Siebenfache in der Geldbörse.

Quelle: ärzteblatt.de
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