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Jugend
bald ohne Gehör?
Morgens auf dem
Schulweg Walkman hören, nachmittags
bei Freunden die
neuesten CDs testen und abends mit der Clique in die
Disco oder ins Konzert
– die Begeisterung ihrer Kinder für laute Musik kennen
viele Eltern. Ob dies
den Ohren auf Dauer gut tut, scheint dabei die wenigsten
Jugendlichen zu
interessieren, werden Hörprobleme doch häufig als
„Altersleiden“
abgetan. „Dabei ist Schwerhörigkeit längst keine Frage des Alters
mehr“, warnt Gerhard Hillig. „Menschen mit Hörprobleme werden vielmehr
immer jünger.“
Ursachen
für Hörprobleme gibt es viele. Die Annahme, dass Hörprobleme im
Alter vorprogrammiert
sind und man dagegen nichts unternehmen kann, ist
jedoch grundweg falsch.
Richtig ist vielmehr: Je mehr man seinen Ohren in der
Jugend zumutet, desto größer
die Wahrscheinlichkeit einer späteren
Hörminderung. Bereits
in jungen Jahren ist daher ein sorgsamer Umgang mit
dem Gehör geboten: Wer
seine Ohren – z.B. in der Disco – regelmäßig großen
Lautstärken aussetzt,
darf sich später über Hörprobleme nicht wundern. Und:
Wenn das Piepen nach zu
viel lauter Musik aufhört, heißt dies noch lange nicht,
dass man noch einmal
„davongekommen“ ist. Oftmals stellen sich Hörprobleme
schleichend ein, die Schädigung
des Ohres ist nicht zwangsläufig sofort spürbar.
In
unserer lauten Gesellschaft sind Prävention und Gehörschutz wichtiger denn
je. Dabei geht es
keineswegs darum, den Kids das Hören lauter Musik mit erhobenem
Zeigefinger zu
verbieten;
vielmehr
kommt es darauf an, den Ohren auch
einmal Ruhe zu gönnen.
Wenn alles Reden der Eltern nichts hilft: „Viele
Jugendliche erleben spätestens
dann einen Aha-Effekt, wenn ihnen bewusst
wird, was schwerhörig
sein bedeutet – z.B. auf die Lieblingsmusik zu verzichten
und den Disco-Besuch
nicht mehr genießen zu können“ , weiß Gerhard Hillig.
Die
regelmäßige Untersuchung des Gehörs sollte daher schon im Teenageralter
selbstverständlich
sein. Ein Hörtest beim Hörgeräte-Akustiker oder HNO-Arzt
gibt Aufschluss darüber,
wie gut es um das Hörvermögen bestellt ist und ob das
Gehör bereits Schäden
davongetragen hat. Einige Hörgeräte-Akustiker bieten
auch
die Möglichkeit, die Lautstärke des Walkman in Dezibel zu testen.
Gerhard
Hillig: „Nicht
selten entspricht diese der Lautstärke eines Flugzeugs – für viele
Jugendliche
erschreckend und Anreiz genug, leisere Töne anzuschlagen.“
Wer
bereits in jungen Jahren Hörprobleme hat, sollte so schnell wie möglich
etwas dagegen
unternehmen, zum Beispiel mit der Anpassung von modernen
Hörsystemen. Lässt
man die Hörminderung auf sich beruhen, gewöhnt sich das
Gehirn daran, nur noch
bestimmte Töne zu hören. Die Folge: Viele
Höreindrücke gehen
verloren; man wird mit der Zeit außerdem immer schlechter
hören, denn das Gehör
erholt sich nicht. Ob die Ohren alt oder jung sind,
spielt hierbei keine
Rolle.
FORUM
BESSER HÖREN
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Arbeitslärm
nicht zu locker sehen
(fgh) Bei
manchen Dingen - Geld, Versicherungen oder guten Freunden - genügt es schon
zu wissen, dass man sie hat. Um beruhigt zu sein, muss man nicht täglich
damit zu tun haben. Bei Gehörschutz ist die Sache anders, er hilft nur,
wenn man ihn ständig trägt. Dennoch verzichten viele Arbeitnehmer darauf,
ihr Gehör zuverlässig zu schützen. Die Folge: Lärmschwerhörigkeit führt
in vielen Ländern die Liste der Berufskrankheiten an.
Wer einen lauten Arbeitsplatz hat, hat auch Gehörschutz. Denn das ist
gesetzlich vorgeschrieben. Wann und ob der Arbeitnehmer ihn nutzt,
entscheidet er letztlich selbst. Eine Studie des RNID (Royal National
Institute for Deaf and Hard of Hearing People) aus England ergab, dass nicht
alle Arbeiter den vorhandenen Gehörschutz nutzen: 18 Prozent der
Befragten gaben an, die zur Verfügung stehenden Ohrschützer nicht zu
tragen. Bei Arbeitsplätzen mit besonders hohem Lärmpegel und Gehörschutz-Pflicht
bekannten sich 29 Prozent der befragten Arbeiter dazu, den Schutz in lauten
Bereichen nicht immer zu tragen. Die Konsequenzen dieses lockeren Umgangs
mit Lärm sind vielen Menschen nicht bewusst: In vielen Fällen kommt es zu
unheilbaren Gehörschäden.
In Deutschland werden - trotz vorhandener Gehörschutzmöglichkeiten - jährlich
mehr als 6.000 neue Fälle arbeitsbedingter Lärmschwerhörigkeit
festgestellt. Um Schäden zu verhindern, so die Studie, sollten die
Arbeitnehmer über die Gefahren von Lärm aufgeklärt werden, sehr laute
Arbeitsorte müssen besonders gekennzeichnet und selbstverständlich muss
Gehörschutz zur Verfügung gestellt werden.
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Neulich
im Café
...
wurde ich unfreiwillig Zeuge des folgenden Dialogs: „Komm wir setzen uns
hier hin.“ Zwei ältere Damen nehmen unmittelbar hinter mir Platz. Beim
Studieren der Karte: „Ich glaube, für ein Eis ist es noch zu kalt.“ -
„???“ – „Für ein Eis ist es noch zu kalt.“ – „Wer ist zu
alt?“ – „... zu kalt!“ – „Was ist zu kalt?“ – „Eis!“ –
„... heiß?. Was denn jetzt, heiß oder kalt?“ – „Für Eis ist es zu
kalt.“ – „Kannst
Du nicht lauter sprechen?“
Als
die Bedienung kam, bestellten beide einen Kaffee, den sie wortlos tranken.
Die Wortlosigkeit hielt dann auch bis zum Bezahlen an – das Ende einer
Kommunikation.
Übrigens:
Beide Damen trugen Brillen. Selbstverständlich! Aber warum trug die eine
kein Hörgerät?
Wolfgang
Euerle
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Ruhiges
Landleben?
(fgh) Wer sich
das Dasein eines Bauern beschaulich und ruhig vorstellt, irrt offenbar. Eine
Untersuchung von Landwirten aus dem Mittleren Westen der USA zeigt, dass der
Alltag auf dem Bauernhof sehr laut sein kann.
So gaben 61 Prozent der befragten Landwirte an, dass ihre Sprache oft durch
Lärm übertönt wird. Sie müssten deshalb sehr laut reden oder brüllen,
um sich verständlich zu machen. Jeder Fünfte (21 Prozent) sagte, dass er täglich
extrem lauten Situationen ausgesetzt ist. Bei jedem Dritten (33 Prozent)
kommt es einmal pro Woche zu großer Lärmbelastung. Da in vielen
Situationen gar keine Gespräche geführt werden müssen, könnte oft Gehörschutz
genutzt werden. Dennoch gaben 78 Prozent der Befragten an, nie oder nur
selten Ohrenschützer zu verwenden.
Lärm übertönt
nicht nur die Stimmen hart arbeitender Landwirte. Er ist auch die
Hauptursache für Hörprobleme in den USA, wie eine andere Studie zeigt. Ein
Drittel (33,7 Prozent) der befragten erwachsenen US-Bürger nannte Lärm als
Ursache für ihr Hörproblem. Dies zeigte eine Studie des "National
Centre for Health Statistics". Weitere 28 Prozent der Befragten mit
vermindertem Hörvermögen gab das Alter als Grund an. 17,1 Prozent führten
den Hörverlust auf eine Entzündung oder Verletzung zurück. Knapp jeder
20. (4,4 Prozent) gab an, dass sein Hörvermögen von Geburt an verringert
war. Die restlichen 16,8 Prozent nannten andere Gründe. Die oben genannten
Landwirte werden Jahre später sicherlich ahnen, woher ihre Hörprobleme
kommen...
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Wussten
Sie schon, ...
...
dass
Verkehrslärm den Blutdruck in die Höhe treibt? - Wer nachts vor dem
Schlafzimmerfenster einen Schallpegel von 55 Dezibel und mehr hat, trägt
ein doppelt so hohes Risiko, behandlungsbedürftigen Bluthochdruck zu
bekommen, wie Menschen, deren Nachtruhe weniger gestört ist. Dies belegt
eine neue Studie des Robert Koch-Instituts im Auftrag des Umweltbundesamtes,
an der 1.700 Menschen teilnahmen.
... dass Musik in Fitness-Studios oft gesundheitsgefährdend laut ist?
- Das schwedische Institut für Berufsleben untersuchte den Lärmpegel in 32
unterschiedlichen Fitnesskursen. Gemessen wurden Lautstärken, die teilweise
mehr als 85 Dezibel erreichten. Ab 85 Dezibel ist am Arbeitsplatz Gehörschutz
vorgeschrieben. Da überrascht es kaum, dass zwei der Kursleiter bereits
einen leichten Hörschaden hatten. Die Trainer waren übrigens der Meinung,
die laute Musik steigere die Leistung der Kursteilnehmer. Ein Irrtum, denn
die Studie ergab auch, dass die Freizeitsportler bei leiserer Musik genau
die gleichen Leistungen erbrachten. Eine Studie aus den Vereinigten Staaten
ermittelte bei Fitnesskursen sogar Werte von bis zu 110 Dezibel.
... dass Besucher von
Karnevalsumzügen nach richterlichem Entscheid mit sehr lauten Knallen
rechnen müssen und die Folgen eines Knalltraumas selbst zu verantworten
haben? - Wer zum Karnevalsumzug geht, sollte Gehörschutz tragen. Denn
falls man dort ein Knalltrauma erleidet, das einen Hörschaden und Tinnitus
(Ohrgeräusche) zur Folge hat, hat man keinen Anspruch auf Schadensersatz
oder Schmerzensgeld. So entschied das Landgericht Trier (Az.:1 S 18/01).
Direkt vor der betroffenen Klägerin wurde ein Böllerschuss abgegeben. Da Böllerschüsse
aber bei solchen Umzügen üblich seien, und in diesem Fall auch vorher
schon in regelmäßigen Abständen Böllerschüsse abgegeben wurden, hätte
die Klägerin sich rechtzeitig zurückziehen oder sich anders vor Knallgeräuschen
schützen können, so das Gericht. Bei Karnevalsumzügen gehe es bekanntermaßen
immer laut zu.
... dass Odysseus bereits Gehörschutz verwendete? - Bei seinen
Irrfahrten überstand der griechische Held allerlei Abenteuer - mit Mut und
auch mit Köpfchen. So griff er, um dem verlockenden Gesang der Sirenen im
Tyrrhenischen Meer nicht zu verfallen, zu Gehörschutz: Er verstopfte die
Ohren seiner Gefährten an Bord mit Wachs. Sich selbst ließ er an den Mast
seines Schiffes binden. So konnte er dem unwiderstehlichen Gesang der
Sirenen zwar lauschen, doch vom Weg abbringen konnten sie ihn nicht. Seinen
Gefährten blieben die Qualen, die Odysseus durch die unerfüllten
Verlockungen erleiden musste, dank Gehörschutz erspart.
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Schüler
erfahren Schwerhörigkeit
Im
Bundesdurchschnitt ist jeder fünfte bis sechste
Deutsche schwerhörig: Mit 15 Millionen Hörgeminderten ist Schwerhörigkeit
damit längst eine Volkskrankheit, von der auch immer mehr junge Menschen
betroffen sind. Häufiges Walkman-Hören und laute Konzertbesuche schaden
den Ohren erheblich und sorgen dafür, dass auch Teenager schon unter
Hörproblemen leiden. Doch wie kommen Hörgeminderte im Alltag zurecht?
Und wie reagiert die Umwelt, wenn jemand schlecht hört und öfter
nachfragen
muss?
Das
Forum Besser Hören führte vor diesem Hintergrund kürzlich das bundesweit
einmalige Pilotprojekt „Schüler erfahren Schwerhörigkeit“ durch: 24
Schüler einer 7. Gymnasialklasse aus Hamburg wurden mit Ohrstöpseln
ausgestattet
und mussten – nunmehr nur noch eingeschränkt hörend – Aufgaben des
täglichen Lebens erledigen: z. B. beim Bäcker ein Brötchen kaufen, im
Kaufhaus
den Preis für ein Fahrrad einholen, sich am Schalter des ÖPNV nach dem
Fahrplan erkundigen, in der Sparkasse nach einem Sparbuch fragen.
Die
zwölfjährige Georgina nach der knapp zweistündigen Aktion: „Ich hätte
nicht gedacht , dass man als Schwerhöriger so sehr auf ein
entgegenkommendes
Verhalten seiner Mitmenschen – lautes und deutliches Sprechen, Geduld –
angewiesen
ist.“ Den Unterschied zwischen normal und eingeschränkt hörend
bemerkten die Schüler vor allem im Straßenverkehr, bei dem sie sich viel
unsicherer
fühlten als mit intaktem Gehör, und in lauter Umgebung mit vielen
Hintergrundgeräuschen. Naturgeräusche wie z.B. Vogelgezwitscher oder auch
ihre Schritte auf dem Asphalt nahmen sie gar nicht mehr wahr.
„Die
Schüler sollten erleben und nachvollziehen können, wie man sich als
Schwerhöriger fühlt“, beschreibt Birgit Ney vom Forum Besser Hören das
Ziel
des Projekts. „Wichtig ist dabei, dass typische Alltagssituationen
nachgestellt
werden, bei denen Schwerhörige in der Regel Probleme haben.“
Das
Projekt umfasst neben dem oben beschriebenen Aktionstag auch eine Vor- und
Nachbereitung durch den betreuenden Lehrer mit Unterrichtseinheiten zu
Aufbau und Funktionsweise des Ohres, Schwerhörigkeit, Gehörschutz und
Behandlung von Hörproblemen mit modernen Hörsystemen. Außerdem steht
bei den teilnehmenden Schülern ein Hörtest auf dem Programm. Studienrat
Markus Gruber, Biologielehrer der am Pilotprojekt teilnehmenden Klasse:
„Die
Schüler setzen sich bei diesem Projekt auf ungezwungene Art und Weise mit
dem Thema Schwerhörigkeit auseinander und lernen gleichzeitig etwas fürs
Leben – das macht Spaß.“
Das
Projekt startet nach dem erfolgreichen Testlauf nun auch auf Bundesebene:
Interessierte Lehrer, die „Schüler erfahren Schwerhörigkeit“ mit
ihrer Klasse
ebenfalls durchführen möchten, können sich an das Forum Besser Hören,
Spadenteich 1, 20099 Hamburg, Fon 040-28401350, Fax 040-28401340
wenden. Das Forum Besser Hören stellt Informationsmaterial und Demo-CDs
zur Verfügung, gibt Tipps zur Durchführung des Projekts und hilft bei der
Vermittlung eines Hörgeräte-Akustikers vor Ort.
Forum
Besser Hören
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