Archiv Mai 2002                                                                   

Lärm macht taub
Verkehr und zu laute Musik schaden Ohren und der Psyche
 

“Jugendliche werden im Alter von 40 Jahren so schlecht hören wie die heute 60-Jährigen.“ Diese alarmierende Prognose stellt der deutsche HNO-Arzt Hennning Wiegels aus Anlass des internationalen Tages gegen den Lärm. Schuld daran sei der “eigentlich unnötige Freizeitlärm“ in Diskotheken und beim Musikhören mit Kopfhörer-Radios.

Das Problem
“Wegen Ohrensausen nach regelmäßigem Discobesuch geht kaum jemand zum Arzt. Langfristig können dadurch aber Schwerhörigkeit und die Volkskrankheit Tinnitus (unerträgliche Ohrgeräusche, Anm.) entstehen“, warnt der Wiener Umweltmediziner Hans-Peter Hutter. “Bei der Schwerhörigkeit besteht eine irreparable Schädigung des Innenohres, den Betroffenen kann nur noch mit Hörgeräten geholfen werden“, ergänzt Rüdiger. Tinnitus lässt sich in manchen Fällen mit Beruhigungsmitteln, speziellen Hörgeräten (“Masker“) oder Sauerstofftherapie in den Griff bekommen. Die akustische Umweltverschmutzung greift aber nicht nur direkt das Gehör an: Ein permanent hoher Geräuschpegel durch Maschinen am Arbeitsplatz oder durch die Verkehrsbelastung verursacht Stress. Die Folgen sind erhöhter Blutdruck, Herz-Kreislauf- oder Magenprobleme. “Manche Betroffene wählen die falsche Strategie gegen den Stress und greifen zu Zigaretten und Alkohol“, weiß der Sozialmediziner Univ.-Prof. Rudolf Schoberberger.

Jeder Vierte leidet
“Wie viele Menschen an lärmbedingten Krankheiten leiden, lässt sich aber nicht eindeutig beziffern“, so Hutter. Fest stehe nur, dass in Österreich Schwerhörigkeit die Berufskrankheit Nummer eins ist.

Im Jahr 2000 wurden knapp sechs Millionen Euro an Lärmrenten ausbezahlt. Zugleich fühlt sich jeder vierte Österreicher in seiner Wohnung durch Lärm gestört. Hierbei wird wiederum der Verkehr als Hauptstörquelle betrachtet. “Durch Gegenmaßnahmen wie etwa Lärmschutzwände kam es in den vergangenen Jahren nur zu leichten Verbesserungen, da das Verkehrsaufkommen gestiegen ist“, sagt Hutter.

Maßnahmen gegen Angriffe der Schallwellen
Einig sind sich die Experten darüber, was jeder einzelne gegen den schädlichen Angriff der Schallwellen tun kann.

  • Gehörschutz: Moderne Geräte filtern nur den Lärm und ermöglichen dennoch ein normales Gespräch.
  • Kopfhörer: Nur Geräte verwenden, bei denen eine Abriegelung für die Spitzenamplituden eingebaut ist.
  • Fenster: Dreifachverglasungen ermöglichen selbst in der Nähe stark befahrener Straßen ruhigen Schlaf.
  • Kein lautes Spielzeug
  • Disco: Nur mit Ohrstöpsel
  • Entspannung: Regelmäßige Ruhepausen und Entspannungsübungen verhindern, dass nicht vermeidbarer Dauerlärm ungesunden Stress verursacht.

Quelle: Kurier online, Österreich
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Auch Ungeborene vertragen kein Lärm:
Mit Hörschäden geboren
 

Der Hörsinn eines Ungeborenen im Bauch der Mutter ist schon 20 Wochen nach der Befruchtung voll entwickelt. Daher können die ersten Stadien einer Hörschädigung bereits während der Schwangerschaft eintreten. Viele Schwangere sind an ihrem Arbeitsplatz einer solchen Lärmbelastung ausgesetzt, dass für die ungeborenen Kinder das Risiko von kongenitalen Hörschädigungen besteht, da Ungeborene nicht gegen Lärm geschützt sind.
Forscher, die eine Anzahl von Studien ausgewertet und die Ergebnisse in einem Artikel des angesehenen amerikanischen Magazins "Pediatrics" veröffentlicht haben, kamen zu dem Ergebnis, dass 1) extremer Lärm während der Schwangerschaft bei Neugeborenen zu einem Hörverlust im Hochfrequenzbereich führen kann und 2) extremer Lärm ebenfalls mit Prämaturität und intrauteriner Wachstumsverzögerung in Zusammenhang gebracht wird.
Eine der ausgewerteten Studien umfasst einen Test an Kindern mit Hörverlust im Hochfrequenzbereich. Es zeigte sich, dass die Mütter während der Schwangerschaft mit großer Wahrscheinlichkeit einer konstanten Arbeitslärmbelastung von 85 bis 95 dB ausgesetzt waren.
Die Forscher vermerkten allerdings, dass die Studie einige Schwächen aufweist.
Ein lärmender Arbeitsplatz erhöht nicht nur das Risiko eines Hörverlusts bei Ungeborenen, sondern auch die Gefahr einer verkürzten Gestation, wie vier der Untersuchungen ergaben.
Frauen, die während einer 8-stündigen Schicht 80 dB ausgesetzt waren, unterlagen einer erhöhten Gefahr für eine Frühgeburt.
Ausgehend von der Untersuchung schlagen die Forscher vor, dass bei Kindern, die während der Schwangerschaft u. U. extremen Lärmpegeln ausgesetzt waren, seitens der Fachärzte für Pädiatrie ein Screening für lärmbedingten Hörverlust erwogen werden sollte.
Zum Beispiel können die Mütter einer Tätigkeit nachgehen, bei der Gehörschutz vorgeschrieben ist, oder sie waren in anderer Weise extremen Lärmpegeln ausgesetzt, wie z. B. beim Spielen lauter Musik oder der Anwesenheit in der Nähe einer Explosion.
Die Konklusion der Forscher lautet, dass die Auswirkung von Lärm während der Schwangerschaft Gegenstand weiterer Forschungsarbeit sein sollte.

Quellen:
Pediatrics, Band 100, Ausgabe 4, Oktober 1997
Die dänische Tageszeitung Politiken
Fundstelle: german.hear-it.org

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FORUM BESSER HÖREN
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Schwerhörigkeit noch immer ein Tabuthema

Das Tragen von Hörgeräten bei Schwerhörigkeit wird häufig als ein Makel angesehen. »Viele Leute wollen einfach nicht akzeptieren, dass sie Hörprobleme haben«, sagt die Schwerhörigen-Beraterin der Stadtmission Zwickau, Christel Geithner. Dabei könne Schwerhörigkeit durchaus als Volkskrankheit angesehen werden, deren Ursache nicht selten in Lärmbelastung liege.

Die 47-jährige Sozialarbeiterin mit Zusatzausbildung arbeitet seit 1989 mit Menschen, die Hörprobleme haben. Nicht nur Senioren suchen dabei ihren Rat. »Auch unter Jugendlichen wächst die Zahl der Schwerhörigen«, betonte Geithner. Insbesondere laute Musik in Discotheken oder auch im Kinderzimmer verursache dauerhafte Hörschäden: »Schon wer jeden Tag zwei Stunden mit dem Walkman Musik hört, riskiert eine bleibende Beeinträchtigung seines Gehörs.« Prinzipiell seien Hörschäden wie beispielsweise Tinnitus - ein ständiges Rauschen oder Pfeifen im Ohr - nämlich nicht zu heilen.

Bei Hörtests in Schulklassen der Mittelstufe hat Geithner beobachtet, dass durchschnittlich bereits zwei von 15 Jugendlichen bestimmte Tonfrequenzen nicht mehr wahrnehmen. »Aber offenbar haben Jugendliche Angst vor Stille«, sagte Geithner. So sorgten viele von ihnen für eine permanente Beschallung zumeist aus verschiedenen Quellen. 

Während der Erledigung der Hausaufgaben liefen nicht selten Fernsehgerät und Radio parallel. Daneben sorgten Klimaanlagen, Computerlüfter, Kühlschränke und der Straßenverkehr vor dem Haus für eine allgegenwärtige permanente Hintergrundbeschallung.

»Auch die häufige oder längere Benutzung von Handkreissägen und Rasenmähern ohne Ohrenschutz kann zu bleibenden Hörschäden führen«, sagte Geithner. Die Entstehung von Schwerhörigkeit sei zumeist ein schleichender Prozess, der von den Betroffenen zunächst noch gar nicht wahrgenommen werde. Das erkläre auch die hohe Dunkelziffer von Schwerhörigen. »Bundesweit gehen Experten von bis 15 Millionen Schwerhörigen aus.« Wie hoch die genaue Zahl der schwerhörigen Sachsen ist, konnten allerdings das Gesundheitsministerium in Dresden, der Bund der Schwerhörigen und Krankenkassen auf dpa- Nachfrage nicht abschätzen.

Nach einer Studie des Umweltbundesamtes stört täglicher Straßenlärm fast 60 Prozent der Befragten. In der Rangliste als störend empfundener Lärmquellen folgen Nachbarn, Flugzeuge, Eisenbahnen und Industriebetriebe.

Quelle: TLZ
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Warum zwitschern die Vögel nicht mehr?

“Schade, dass es nur noch so wenige Vögel gibt. Früher hat ihr Zwitschern den Frühling angekündigt!” Wem dieser wehmütige Gedanke in den ersten Frühlingstagen durch den Kopf gegangen ist, wohnt entweder in einer extrem tierarmen Gegend – oder sollte einmal einen Hörtest machen. Vielleicht hat nicht die Anzahl der Vögel, sondern das Hörvermögen abgenommen?
Eine erste Einschätzung bietet ein telefonischer Hörtest der Fördergemeinschaft Gutes Hören unter der Telefonnummer 0180 / 5 323 754 (Gebühr: 1,44 DM).
Individuelle Hörtests führen Hörakustiker durch. Sie beantworten auch Fragen zum Thema Hören. Wer sich telefonisch über medizinische und technische Lösungsmöglichkeiten für sein Hörproblem informieren möchte, kann bei der Telefon-Hotline “Gutes Hören” anrufen. Hier geben jeden Mittwoch von 14 bis 16 Uhr HNO-Ärzte (Tel. 0800 – 0112 113) und Hörakustiker (Tel. 0800 – 0112 112) Auskunft. Das Beratungstelefon ist eine Initiative des Deutschen Grünen Kreuzes mit dem Berufsverband der HNO-Ärzte und der Fördergemeinschaft Gutes Hören.
Wer den Griff zum Hörer oder den Gang zum Hörakustiker und HNO-Arzt nicht scheut, kann sich vielleicht schon bald wieder über das Vogelzwitschern freuen. (fgh)
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Buchbesprechung:
Du gehörst dazu, Jonas!
Sandra Werner-Kreßmann

Jonas, ein gehörgeschädigter Junge, besucht die Schule für Hörgeschädigte. In seiner Freizeit würde er gerne Kontakt zu den hörenden Kindern in seinem Wohnort aufbauen. Aber er hat Angst. zurückgewiesen und ausgelacht zu werden. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als von seinem Fenster aus den Kindern beim Fußballspielen zuzuschauen.

So fühlt er sich oft sehr einsam. Eines Tages zieht Emily in das Haus gegenüber. Jonas und Emily werden schnell Freunde. Aber Emily findet auch Kontakt zu den anderen Kindern aus der Nachbarschaft. Jonas hat deshalb mit Trauer und Eifersucht zu kämpfen. Er zieht sich zurück.

Da haben die Eltern von Jonas und Emily eine Idee: Sie veranstalten ein Fest, zu dem nicht nur die Nachbarskinder eingeladen sind, sondern auch Jonas bester Freund Raphael und seine Klassenlehrerin Frau Gruber.

Jetzt haben alle die Gelegenheit, sich gegenseitig kennen zu lernen. Die Kinder stellen viele Gemeinsamkeiten fest und Frau Gruber beantwortet alle ihre Fragen rund um die Hörschädigung.

Für Jonas bedeutet dieses Fest sehr viel, denn zum Abschied verabreden sich die Kinder mit ihm zum Fußballspielen am nächsten Tag ...

Die Autorin, Sandra Werner-Kreßmann, ist Lehrerin an einer Schule für Hörgeschädigte.

Das Buch umfasst 54 Seiten mit zahlreichen Illustrationen und ist zu bestellen beim

Förderkreis der Erich-Kästner-Schule für Hörgeschädigte und Sprachbehinderte, Moltkestraße 136, 76187 Karlsruhe, Tel. 0721/133-4771

ISBN: 3-9808131-0-X, Preis: 12 EUR
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Das Salz in der Suppe
Neue Erkenntnisse zur Behandlung von Bluthochdruck

(dgk) Bluthochdruck gilt als eine der wichtigsten Volkskrankheiten in Deutschland. Etwa 14 Millionen Deutsche leiden darunter. Hoher Blutdruck ist der Risikofaktor schlechthin für Herzinfarkt und Schlaganfall, der Todesursache Nummer 1 in Deutschland. Auch chronisches Nierenversagen kann Folge eines zu hohen Blutdrucks sein. Mehrere Faktoren fördern seine Entstehung: Unter anderem sind dies Übergewicht, Blutfett-Störungen, Diabetes und ein zu hoher Salzkonsum.
Ist der Blutdruck erhöht, sollte der Patient besonders auf seine Ernährung achten. Eine salzarme und gesundheitsbewusste Kost kann den Blutdruck ebenso senken wie Medikamente. Dies ist das Ergebnis einer großen Studie aus den USA, die jetzt beim 26. Heidelberger Nephrologischen Seminar, veranstaltet von der Sektion Nephrologie der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg und dem Reha-Zentrum für chronisch Nierenkranke, vorgestellt wurde.
Der empfohlene Wert für die tägliche Salzzufuhr liegt heute bei 5,8 Gramm. Wird dieser Wert noch unterschritten und mit einer Diät, die überwiegend Gemüse, Obst, aber wenig Fleisch, Zucker und Fett enthält, kombiniert, kann der Blutdruck weiter gesenkt werden - und zwar in demselben Ausmaß wie durch blutdrucksenkende Medikamente. Professor Martin Zeier, Medizinische Klinik Heidelberg, weist besonders darauf hin, wie wichtig die Kochsalzbeschränkung gerade bei Patienten mit Diabetes und einem chronischen Nierenversagen ist, die fast immer einen erhöhten Blutdruck haben

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Erste Kommission für Hörgeschädigte

In Baden-Württemberg hat sich die nach Angaben des Sozialministeriums bundesweit erste Landeskommission für Hörgeschädigte gegründet. Der Behindertenbeauftrage des Landes, Sozialminister Friedhelm Repnik, sagte in Stuttgart, die gemeinsame Interessenvertretung wolle Vorbeugung und Behandlung von Hörschäden verbessern. „Die landesweit mehr als 30.000 hörbehinderten Menschen erhalten ein Sprachrohr", sagte Repnik. Die Kommission vereinige die beiden Gruppen der Gehörlosen und der Schwerhörigen. Die Schwerpunkte der Kommission liegen nach den Worten ihres Vorsitzenden, Erwin Löhle, in den Bereichen Wohnen, Arbeit und Bildung. Hörbehinderte sollten noch besser am gesellschaftlichen Leben teilhaben.
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Recht auf Ruhe:
Schienenverkehr muss leiser werden


Anwohner von Bahnstrecken müssten besser vor Lärm geschützt werden als bislang, fordert das Umweltbundesamt (UBA). Die Behörde spricht sich dafür aus, den Rechtsanspruch der Anwohner auf Lärmschutz an den Gleisen und auch Lärmvorschriften für Schienenfahrzeuge gesetzlich zu verankern. Es sei zwar ökologisch sinnvoll, Verkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern, gleichzeitig aber müsse der Lärm von der Schiene gemindert werden. Auch die Sachverständigen für Umweltfragen, die die Bundesregierung beraten, haben in ihrem jüngsten Bericht den Verkehrslärm als „inzwischen eines der schwerwiegendsten Probleme des Umwelt- und Gesundheitsschutzes“ bezeichnet.
Quelle: Süddeutsche Zeitung  
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