Lärm macht taub
Verkehr und zu laute Musik schaden Ohren und der Psyche
“Jugendliche werden im Alter von 40 Jahren so schlecht hören wie
die heute 60-Jährigen.“ Diese alarmierende Prognose stellt der deutsche
HNO-Arzt Hennning Wiegels aus Anlass des internationalen Tages gegen den Lärm.
Schuld daran sei der “eigentlich unnötige Freizeitlärm“ in
Diskotheken und beim Musikhören mit Kopfhörer-Radios.
Das Problem
“Wegen Ohrensausen nach regelmäßigem Discobesuch geht kaum jemand zum
Arzt. Langfristig können dadurch aber Schwerhörigkeit und die
Volkskrankheit Tinnitus (unerträgliche Ohrgeräusche, Anm.) entstehen“,
warnt der Wiener Umweltmediziner Hans-Peter Hutter. “Bei der Schwerhörigkeit
besteht eine irreparable Schädigung des Innenohres, den Betroffenen kann
nur noch mit Hörgeräten geholfen werden“, ergänzt Rüdiger. Tinnitus
lässt sich in manchen Fällen mit Beruhigungsmitteln, speziellen Hörgeräten
(“Masker“) oder Sauerstofftherapie in den Griff bekommen. Die
akustische Umweltverschmutzung greift aber nicht nur direkt das Gehör an:
Ein permanent hoher Geräuschpegel durch Maschinen am Arbeitsplatz oder
durch die Verkehrsbelastung verursacht Stress. Die Folgen sind erhöhter
Blutdruck, Herz-Kreislauf- oder Magenprobleme. “Manche Betroffene wählen
die falsche Strategie gegen den Stress und greifen zu Zigaretten und
Alkohol“, weiß der Sozialmediziner Univ.-Prof. Rudolf Schoberberger.
Jeder Vierte leidet
“Wie viele Menschen an lärmbedingten Krankheiten leiden, lässt sich
aber nicht eindeutig beziffern“, so Hutter. Fest stehe nur, dass in Österreich
Schwerhörigkeit die Berufskrankheit Nummer eins ist.
Im Jahr 2000 wurden knapp sechs Millionen Euro an Lärmrenten
ausbezahlt. Zugleich fühlt sich jeder vierte Österreicher in seiner
Wohnung durch Lärm gestört. Hierbei wird wiederum der Verkehr als
Hauptstörquelle betrachtet. “Durch Gegenmaßnahmen wie etwa Lärmschutzwände
kam es in den vergangenen Jahren nur zu leichten Verbesserungen, da das
Verkehrsaufkommen gestiegen ist“, sagt Hutter.
Maßnahmen gegen Angriffe der Schallwellen
Einig sind sich die Experten darüber, was jeder einzelne gegen den schädlichen
Angriff der Schallwellen tun kann.
- Gehörschutz:
Moderne Geräte filtern nur den Lärm und ermöglichen dennoch ein
normales Gespräch.
- Kopfhörer:
Nur Geräte verwenden, bei denen eine Abriegelung für die
Spitzenamplituden eingebaut ist.
- Fenster:
Dreifachverglasungen ermöglichen selbst in der Nähe stark
befahrener Straßen ruhigen Schlaf.
- Disco:
Nur mit Ohrstöpsel
- Entspannung:
Regelmäßige Ruhepausen und Entspannungsübungen verhindern, dass
nicht vermeidbarer Dauerlärm ungesunden Stress verursacht.
Quelle:
Kurier online, Österreich
< zurück zur Archiv-Übersicht
Auch
Ungeborene vertragen kein Lärm:
Mit
Hörschäden geboren
Der Hörsinn
eines Ungeborenen im Bauch der Mutter ist schon 20 Wochen nach der
Befruchtung voll entwickelt. Daher können die ersten Stadien einer Hörschädigung
bereits während der Schwangerschaft eintreten. Viele Schwangere sind an
ihrem Arbeitsplatz einer solchen Lärmbelastung ausgesetzt, dass für die
ungeborenen Kinder das Risiko von kongenitalen Hörschädigungen besteht,
da Ungeborene nicht gegen Lärm geschützt sind.
Forscher, die eine Anzahl von Studien ausgewertet und
die Ergebnisse in einem Artikel des angesehenen amerikanischen Magazins
"Pediatrics" veröffentlicht haben, kamen zu dem Ergebnis, dass
1) extremer Lärm während der Schwangerschaft bei Neugeborenen zu einem Hörverlust
im Hochfrequenzbereich führen kann und 2) extremer Lärm ebenfalls mit Prämaturität
und intrauteriner Wachstumsverzögerung in Zusammenhang gebracht wird.
Eine der ausgewerteten Studien umfasst einen Test an
Kindern mit Hörverlust im Hochfrequenzbereich. Es zeigte sich, dass die Mütter
während der Schwangerschaft mit großer Wahrscheinlichkeit einer
konstanten Arbeitslärmbelastung von 85 bis 95 dB ausgesetzt waren.
Die Forscher vermerkten
allerdings, dass die Studie einige Schwächen aufweist.
Ein lärmender Arbeitsplatz erhöht nicht nur das
Risiko eines Hörverlusts bei Ungeborenen, sondern auch die Gefahr einer
verkürzten Gestation, wie vier der Untersuchungen ergaben.
Frauen, die während einer 8-stündigen Schicht 80 dB
ausgesetzt waren, unterlagen einer erhöhten Gefahr für eine Frühgeburt.
Ausgehend von der Untersuchung schlagen die Forscher
vor, dass bei Kindern, die während der Schwangerschaft u. U. extremen Lärmpegeln
ausgesetzt waren, seitens der Fachärzte für Pädiatrie ein Screening für
lärmbedingten Hörverlust erwogen werden sollte.
Zum Beispiel können die Mütter einer Tätigkeit
nachgehen, bei der Gehörschutz vorgeschrieben ist, oder sie waren in
anderer Weise extremen Lärmpegeln ausgesetzt, wie z. B. beim Spielen
lauter Musik oder der Anwesenheit in der Nähe einer Explosion.
Die Konklusion der Forscher lautet, dass die
Auswirkung von Lärm während der Schwangerschaft Gegenstand weiterer
Forschungsarbeit sein sollte.
Quellen:
Pediatrics, Band 100, Ausgabe 4, Oktober 1997
Die dänische Tageszeitung Politiken
Fundstelle: german.hear-it.org
< zurück zur Archiv-Übersicht
Kostenloser
Service vom Forum Besser Hören
Moderne
HörSysteme:
Jetzt bleibt keine Frage offen
Was
ist zu tun, wenn das Hörvermögen nachlässt? Was
leisten
moderne HörSysteme? Und woran sind qualitativ hochwertige HörSysteme
wirklich
vorzubringen.
Das
Forum Besser Hören hat hierauf reagiert und das Faltblatt „Moderne
HörSysteme:
Das sollten Sie wissen“ herausgegeben. Die am häufigsten gestellten
Fragen
rund um das Thema „Moderne HörSysteme“ werden aufgegriffen und
beantwortet.
Zur
tiefergehenden Information liegt ein Coupon zur kostenlosen Bestellung der
Broschüre
hören bei. Damit sorgt das Forum Besser Hören dafür, dass keine Frage
offen bleibt.
Das
Faltblatt „Moderne HörSysteme: Das sollten Sie wissen“ richtet sich
sowohl an
Hörgeminderte
als auch an deren Angehörige. Es ist ab sofort beim Hörgeräte-Akustiker
oder
beim Forum Besser Hören, Spadenteich 1, 20099 Hamburg kostenlos
FORUM
BESSER HÖREN
< zurück zur Archiv-Übersicht
Schwerhörigkeit
noch immer ein Tabuthema
Das
Tragen von Hörgeräten bei Schwerhörigkeit wird häufig als ein Makel
angesehen. »Viele Leute wollen einfach nicht akzeptieren, dass sie Hörprobleme
haben«, sagt die Schwerhörigen-Beraterin der Stadtmission Zwickau,
Christel Geithner. Dabei könne Schwerhörigkeit durchaus als
Volkskrankheit angesehen werden, deren Ursache nicht selten in Lärmbelastung
liege.
Die
47-jährige Sozialarbeiterin mit Zusatzausbildung arbeitet seit 1989 mit
Menschen, die Hörprobleme haben. Nicht nur Senioren suchen dabei ihren
Rat. »Auch unter Jugendlichen wächst die Zahl der Schwerhörigen«,
betonte Geithner. Insbesondere laute Musik in Discotheken oder auch im
Kinderzimmer verursache dauerhafte Hörschäden: »Schon wer jeden Tag
zwei Stunden mit dem Walkman Musik hört, riskiert eine bleibende Beeinträchtigung
seines Gehörs.« Prinzipiell seien Hörschäden wie beispielsweise
Tinnitus - ein ständiges Rauschen oder Pfeifen im Ohr - nämlich nicht zu
heilen.
Bei
Hörtests in Schulklassen der Mittelstufe hat Geithner beobachtet, dass
durchschnittlich bereits zwei von 15 Jugendlichen bestimmte Tonfrequenzen
nicht mehr wahrnehmen. »Aber offenbar haben Jugendliche Angst vor Stille«,
sagte Geithner. So sorgten viele von ihnen für eine permanente
Beschallung zumeist aus verschiedenen Quellen.
Während
der Erledigung der Hausaufgaben liefen nicht selten Fernsehgerät und
Radio parallel. Daneben sorgten Klimaanlagen, Computerlüfter, Kühlschränke
und der Straßenverkehr vor dem Haus für eine allgegenwärtige permanente
Hintergrundbeschallung.
»Auch
die häufige oder längere Benutzung von Handkreissägen und Rasenmähern
ohne Ohrenschutz kann zu bleibenden Hörschäden führen«, sagte Geithner.
Die Entstehung von Schwerhörigkeit sei zumeist ein schleichender Prozess,
der von den Betroffenen zunächst noch gar nicht wahrgenommen werde. Das
erkläre auch die hohe Dunkelziffer von Schwerhörigen. »Bundesweit gehen
Experten von bis 15 Millionen Schwerhörigen aus.« Wie hoch die genaue
Zahl der schwerhörigen Sachsen ist, konnten allerdings das
Gesundheitsministerium in Dresden, der Bund der Schwerhörigen und
Krankenkassen auf dpa- Nachfrage nicht abschätzen.
Nach
einer Studie des Umweltbundesamtes stört täglicher Straßenlärm fast 60
Prozent der Befragten. In der Rangliste als störend empfundener Lärmquellen
folgen Nachbarn, Flugzeuge, Eisenbahnen und Industriebetriebe.
Quelle:
TLZ
< zurück zur Archiv-Übersicht
Warum zwitschern
die Vögel nicht mehr?
“Schade, dass es nur noch so wenige Vögel
gibt. Früher hat ihr Zwitschern den Frühling angekündigt!” Wem dieser
wehmütige Gedanke in den ersten Frühlingstagen durch den Kopf gegangen
ist, wohnt entweder in einer extrem tierarmen Gegend – oder sollte
einmal einen Hörtest machen. Vielleicht hat nicht die Anzahl der Vögel,
sondern das Hörvermögen abgenommen?
Eine erste Einschätzung bietet ein telefonischer Hörtest der Fördergemeinschaft
Gutes Hören unter der Telefonnummer 0180 / 5 323 754 (Gebühr: 1,44 DM).
Individuelle Hörtests führen Hörakustiker
durch. Sie beantworten auch Fragen zum Thema Hören. Wer sich telefonisch
über medizinische und technische Lösungsmöglichkeiten für sein Hörproblem
informieren möchte, kann bei der Telefon-Hotline “Gutes Hören”
anrufen. Hier geben jeden Mittwoch von 14 bis 16 Uhr HNO-Ärzte (Tel. 0800
– 0112 113) und Hörakustiker (Tel. 0800 – 0112 112) Auskunft. Das
Beratungstelefon ist eine Initiative des Deutschen Grünen Kreuzes mit dem
Berufsverband der HNO-Ärzte und der Fördergemeinschaft Gutes Hören.
Wer den Griff zum Hörer oder den Gang zum Hörakustiker und HNO-Arzt
nicht scheut, kann sich vielleicht schon bald wieder über das
Vogelzwitschern freuen. (fgh)
< zurück zur Archiv-Übersicht
Buchbesprechung:
Du gehörst dazu, Jonas!
Sandra Werner-Kreßmann
Jonas, ein gehörgeschädigter Junge,
besucht die Schule für Hörgeschädigte. In seiner Freizeit würde er
gerne Kontakt zu den hörenden Kindern in seinem Wohnort aufbauen. Aber er
hat Angst. zurückgewiesen und ausgelacht zu werden. Ihm bleibt nichts
anderes übrig, als von seinem Fenster aus den Kindern beim Fußballspielen
zuzuschauen.
So fühlt er sich oft sehr
einsam. Eines Tages zieht Emily in das Haus gegenüber. Jonas und Emily
werden schnell Freunde. Aber Emily findet auch Kontakt zu den anderen
Kindern aus der Nachbarschaft. Jonas hat deshalb mit Trauer und Eifersucht
zu kämpfen. Er zieht sich zurück.
Da haben die Eltern von
Jonas und Emily eine Idee: Sie veranstalten ein Fest, zu dem nicht nur die
Nachbarskinder eingeladen sind, sondern auch Jonas bester Freund Raphael
und seine Klassenlehrerin Frau Gruber.
Jetzt haben alle die
Gelegenheit, sich gegenseitig kennen zu lernen. Die Kinder stellen viele
Gemeinsamkeiten fest und Frau Gruber beantwortet alle ihre Fragen rund um
die Hörschädigung.
Für Jonas bedeutet dieses
Fest sehr viel, denn zum Abschied verabreden sich die Kinder mit ihm zum
Fußballspielen am nächsten Tag ...
Die Autorin, Sandra
Werner-Kreßmann, ist Lehrerin an einer Schule für Hörgeschädigte.
Das Buch umfasst 54 Seiten
mit zahlreichen Illustrationen und ist zu bestellen beim
Förderkreis der Erich-Kästner-Schule
für Hörgeschädigte und Sprachbehinderte, Moltkestraße 136, 76187
Karlsruhe, Tel. 0721/133-4771
ISBN: 3-9808131-0-X, Preis: 12 EUR
< zurück zur Archiv-Übersicht
Das
Salz in der Suppe
Neue
Erkenntnisse zur Behandlung von Bluthochdruck
(dgk)
Bluthochdruck gilt als eine der wichtigsten Volkskrankheiten in
Deutschland. Etwa 14 Millionen Deutsche leiden darunter. Hoher Blutdruck
ist der Risikofaktor schlechthin für Herzinfarkt und Schlaganfall, der
Todesursache Nummer 1 in Deutschland. Auch chronisches Nierenversagen kann
Folge eines zu hohen Blutdrucks sein. Mehrere Faktoren fördern seine
Entstehung: Unter anderem sind dies Übergewicht, Blutfett-Störungen,
Diabetes und ein zu hoher Salzkonsum.
Ist der Blutdruck erhöht, sollte der Patient besonders auf seine Ernährung
achten. Eine salzarme und gesundheitsbewusste Kost kann den Blutdruck
ebenso senken wie Medikamente. Dies ist das Ergebnis einer großen Studie
aus den USA, die jetzt beim 26. Heidelberger Nephrologischen Seminar, veranstaltet
von der Sektion Nephrologie der Medizinischen Universitätsklinik
Heidelberg und dem Reha-Zentrum für chronisch Nierenkranke, vorgestellt
wurde.
Der empfohlene Wert für die tägliche Salzzufuhr liegt heute bei 5,8
Gramm. Wird dieser Wert noch unterschritten und mit einer Diät, die überwiegend
Gemüse, Obst, aber wenig Fleisch, Zucker und Fett enthält, kombiniert,
kann der Blutdruck weiter gesenkt werden - und zwar in demselben Ausmaß
wie durch blutdrucksenkende Medikamente. Professor Martin Zeier,
Medizinische Klinik Heidelberg, weist besonders darauf hin, wie wichtig
die Kochsalzbeschränkung gerade bei Patienten mit Diabetes und einem
chronischen Nierenversagen ist, die fast immer einen erhöhten Blutdruck
haben
< zurück zur Archiv-Übersicht
Erste
Kommission für Hörgeschädigte
In Baden-Württemberg hat sich die nach
Angaben des Sozialministeriums bundesweit erste Landeskommission für Hörgeschädigte
gegründet. Der Behindertenbeauftrage des Landes, Sozialminister Friedhelm
Repnik, sagte in Stuttgart, die gemeinsame Interessenvertretung wolle
Vorbeugung und Behandlung von Hörschäden verbessern. „Die
landesweit mehr als 30.000 hörbehinderten Menschen erhalten ein
Sprachrohr", sagte Repnik. Die Kommission vereinige die beiden
Gruppen der Gehörlosen und der Schwerhörigen. Die Schwerpunkte der
Kommission liegen nach den Worten ihres Vorsitzenden, Erwin Löhle, in den
Bereichen Wohnen, Arbeit und Bildung. Hörbehinderte sollten noch besser
am gesellschaftlichen Leben teilhaben.
< zurück zur Archiv-Übersicht
Recht
auf Ruhe:
Schienenverkehr muss leiser werden

Anwohner
von Bahnstrecken müssten besser vor Lärm geschützt werden als bislang,
fordert das Umweltbundesamt (UBA). Die Behörde spricht sich dafür aus,
den Rechtsanspruch der Anwohner auf Lärmschutz an den Gleisen und auch Lärmvorschriften
für Schienenfahrzeuge gesetzlich zu verankern. Es sei zwar ökologisch
sinnvoll, Verkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern,
gleichzeitig aber müsse der Lärm von der Schiene gemindert werden. Auch
die Sachverständigen für Umweltfragen, die die Bundesregierung beraten,
haben in ihrem jüngsten Bericht den Verkehrslärm als „inzwischen eines
der schwerwiegendsten Probleme des Umwelt- und Gesundheitsschutzes“
bezeichnet.
Quelle: Süddeutsche
Zeitung
< zurück zur Archiv-Übersicht
|