Archiv April 2004                                                                   

Ist Tinnitus heilbar?

Klingeln, Rauschen, Piepen, Hämmern - es gibt viele Beschreibungen für Tinnitus. Das lästige Geräusch im Ohr wird indivuell auch sehr unterschiedlich empfunden. Manche Menschen gewöhnen sich einfach an den ständigen Begleitton, andere wiederum treibt ihr Tinnitus zur Verzweiflung.

Das Gefühl der Hilflosigkeit lässt die Betroffenen leicht zu jedem Strohhalm greifen. Auch wenn wir die Zusammenhänge der Entstehung von Tinnitus immer besser verstehen lernen, bleiben viele Einzelaspekte noch ungeklärt. Diese Unsicherheit machen sich Anbieter wissenschaftlich nicht belegter Behandlungsangebote zu Nutzen. Ob im Internet, in der Tagespresse oder im Fernsehen: Die Liste der als wirkungsvoll angepriesenen Tinnitus-Kuren ist lang.

"Es gibt nichts, was es nicht gibt", so Thomas Lübbert von der Tinnitus-Selbsthilfegruppe "Freizeichen". "Der Wald an Heilsversprechen ist riesengroß!"

Da gerade bei Tinnitus die Psyche eine nicht unwesentliche Rolle spielt, können manche Tinnitus-Geplagten tatsächlich Nutzen aus dem einen oder anderen Angebot ziehen, insbesondere wenn ein Teil davon aus Entspannung und Gesprächen besteht.

"Solche Behandlungen sind Therapieansätze. Wenn sie jemandem helfen, dann ist es ja gut. Wissenschaftlich fundiert ist davon aber nichts," so die Auskunft des Tinnitus-Care-Centrums in Tübingen.

Was also tun? In Deutschland empfiehlt die Schulmedizin bei akutem Tinnitus, eine medikamentöse Behandlung samt Infusionen unter ärztlicher Aufsicht einzuleiten. Danach ist es sinnvoll, eine Desensitivierungstherapie durchzuführen. In dieser Kombination bestehen realistische Chancen, seinen Tinnitus einzudämmen oder zu überwinden.
Quelle: www.netdoktor.de
Fundstelle: hear-it.org

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Mumps macht schwerhörig

(dgk) Jeder denkt bei Mumps sofort an "dicke Backen". Das klassische Krankheitssymptom ist die Entzündung der Ohrspeicheldrüse, durch deren Schwellung die typischen Hamsterbacken entstehen. In 10 bis 15 Prozent der Fälle entzünden sich die Hirnhäute, es kommt zur Meningitis. Eine Mumps-Meningitis bedeutet zudem Gefahr für das Gehör. Mumps ist auch heutzutage noch eine der häufigsten Ursachen für bleibende Schwerhörigkeit bei Kindern; in seltenen Fällen bleibt das Ohr sogar taub. Um das zu verhindern, werden für alle Kinder unter zwei Jahren zwei Mumps-Impfungen empfohlen, in Kombination mit der Masern- und der Röteln-Impfung.

Auch die Bauchspeicheldrüse und die Geschlechtsdrüsen können vom Mumps-Virus befallen werden. So kommt es bei jedem vierten jugendlichen und erwachsenen Mann zu einer Schwellung und Entzündung der Hoden, bei jungen Mädchen und Frauen können die Eierstöcke betroffen sein. Grund genug dafür zu sorgen, dass alle Jugendlichen tatsächlich sicher vor Mumps geschützt sind. Das Robert Koch-Institut berichtet aber, dass nur jeder fünfte Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren einen ausreichenden Impfschutz gegen Mumps hat. Wer also als Jugendlicher noch nicht über die beiden Masern-, Mumps- und Röteln-Impfungen (MMR) verfügt, sollte dies dringend nachholen. Geimpft sein sollten auch alle Beschäftigten in der Kinderheilkunde, Kinderheimen und Gemeinschaftseinrichtungen für das Vorschulalter, die noch nicht gegen Mumps immun sind. Nach Kontakt zu einem Mumpskranken kann noch innerhalb von drei Tagen geimpft werden. Geimpft werden sollte am besten mit mit einem Masern-Mumps-Röteln- Kombinationsimpfstoff, so die Ständige Impfkommission - unabhängig davon, ob eine der Infektionen bereits durchgemacht worden ist.

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Haarzellen von Mäusen

Wissenschaftler der Harvard Medical School haben Hoffnung geschürt, den Traum von einer möglichen neuen Behandlungsform für Hörverlust in der fernen Zukunft wahr werden zu lassen.

Dem Team von Forschern ist es gelungen, innere Haarzellen von Stammzellen embryonischer Mäuse zu züchten und sie erfolgreich in die sich entwickelnden Ohren von Hühner-Embryonen einzupflanzen.

Für das menschliche Gehör sind die winzigen Haare im Innenohr von zentraler Bedeutung. Sind sie einmal beschädigt oder zerstört, können sie sich nicht mehr erholen und dies führt zu dauerhaftem Hörverlust. Geschädigte oder zerstörte Haarzellen sind in 80 Prozent der Fälle der Grund für Hörverlust beim Menschen. Jeder Versuch, die Haarzellen im menschlichen Innenohr zu regenerieren oder zu ersetzen wird als einer der möglichen Wege für zukünftige Behandlungsformen, oder sogar Heilmittel für Hörverlust angesehen.

Am Harvards Massachusetts Augen und Ohren Krankenhaus "Harvard's Massachusetts Eye and Ear Infirmary" wurden die Haarzellen, auch Mechanorezeptor-Zellen genannt, in Petrischalen mit Stammzellen von Embryo-Mäusen gezüchtet. Die Zellen besaßen sämtliche Merkmale der Haarzellen und ähnelten unter optimalen Bedingungen im Aussehen sogar ansatzweise winzigen Haarzellen. Sie wurden dann in das Innenohr von Hühner-Embryonen transplantiert, weil diese Embryonen über kein Immunsystem verfügen, das die Zellen abstoßen könnte. Im Innenohr der jungen Hühner zeigten die Mäuse-Stammzellen später alle Kennzeichen von Haarzellen im Innenohr.

Diese Ergebnisse wurden in der Zeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" veröffentlicht und von Experten, die sich mit diesem Thema beschäftigen, wie z.B. der Vorsitzende des US-amerikanischen Instituts für Stammzellenforschung "The National Institutes of Health Stem Cell Task Force", James Battey, positiv zur Kenntnis genommen. Trotzdem stellte Battey einige der Ergebnisse in Frage und machte darauf aufmerksam, dass sich dieser Forschungszweig noch ganz in den Anfängen befindet.

Quellen: Proceedings of the National Academy of Sciences, 11. November 2003, und Milwaukee Sentinel, 28. Oktober 2003 - Fundstelle: hear-it.org
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Geschäfte lassen Hörgeschädigte im Stich

Viele britische Geschäfte, die es versäumen, auf die Bedürfnisse ihrer hörgeschädigten Kunden Rücksicht zu nehmen, riskieren nun, in Konflikt mit dem kommenden Teil des Diskriminierungsgesetzes für Behinderte, dem "Disability Discrimination Act", zu geraten, das im Oktober 2004 in Kraft tritt.

Das neue Gesetz verlangt von Geschäften u.a. sicherzustellen, dass hörgeschädigte Kunden beim Erwerb von Produkten oder Serviceleistungen in Läden, Banken oder Büros nicht unnötigen Hindernissen ausgesetzt sind.

Eine Studie des britischen Hörgeschädigten- und Gehörlosenverbands "RNID" unter 396 Geschäften ergab, dass nur 14 Prozent der Geschäfte von den neuen Bestimmungen des Gesetzes Kenntnis hatten. Ganze 69 Prozent der Geschäfte planen keine Änderungen oder Verbesserungen für hörgeschädigte Kunden. Ab Oktober 2004 können Unternehmen leichter verklagt und Beschwerde gegen sie eingereicht werden, falls sie den Bestimmungen des Behindertengesetzes nicht gerecht werden.

Nur zwei Prozent der Geschäfte planen, besondere Ausstattung wie Induktionsschleifenanlagen anzuschaffen und ihr Personal darin zu schulen, wie man hörgeschädigte Kunden angemessen bedient.

"Gehörlose und hörgeschädigte Kunden erwarten von kleinen Geschäften keine kostenintensiven Veränderungen, aber laut Behindertengesetz haben sie das Recht, "vernünftige Anpassungen" einzufordern," sagt Dr.John Low, Leiter des RNID, zu der RNID-Publikation "OneInSeven".

Als Konsequenz der fehlenden Aufmerksamkeit der Geschäfte auf die neuen Gesetzesforderungen und deren mangelnde Einsicht in die Bedürfnisse von hörgeschädigten Kunden, hat der RNID eine Kampagne zur Erhöhung der Aufmerksamkeit auf die Probleme bezüglich Hörverlust ins Leben gerufen.

Quelle: "The Countdown Begins", OneInSeven, Ausgabe 38 2004, RNID
Fundstelle: hear-it.org

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Radio 108,8

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat zusammen mit der "Schule des Hörens e.V." das PC-Spiel "Radio 108,8" für Kinder zwischen 10 und 12 Jahren entwickelt. Themenschwerpunkt bei diesem Spiel ist die gesundheitliche Gefährdung durch Lärm. Eingebettet in das Tagesgeschäft eines Radiosenders lernen Kinder zum Beispiel den Aufbau und die faszinierende Funktionsweise des Ohres und damit auch dessen Schutzbedürftigkeit kennen.

Lärm ist für den Großteil der Menschen das wichtigste Umweltproblem. Lärm macht krank. Er trägt zu irreversiblen Schädigungen des Gehörs bei, verursacht Stress und kann zu Herz-Kreislaufpro- blemen, zu Konzentrationsstörungen und Nervosität führen.

Rund ein Viertel aller Jugendlichen in Deutschland leidet an nicht heilbaren Hörschäden und Tinnitus-Symptomen. Sie hören bereits so schlecht wie um Jahrzehnte ältere Menschen. Da sie aufgrund ihres Alters keinen wesentlichen Kontakt mit berufsbedingten Lärmeinwirkungen haben, ist ein großer Teil dieser Gehörerkrankungen auf Freizeitlärm wie Knallgeräusche durch Knallkörper oder Spielzeugpistolen und vor allem auf laute Musik zurückzuführen. Jugendliche hören gerade in der Pubertät vermehrt zu laute Musik. Darum ist es wichtig, Kinder schon frühzeitig auf die Bedeutung des Gehörs für sie selbst und auf dessen Schutzbedürftigkeit hinzuweisen. 

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat deshalb gemeinsam mit der „Schule des Hörens“ ein Konzept entwickelt, das die Präventionsbotschaften spielerisch und ohne Verbote interaktiv umsetzt. Die „Initiative Hören e.V.“, deren Botschafterin die Ministerin für Gesundheit und Soziale Sicherung, Ulla Schmidt ist, unterstützt diese Aktion.

„Mit dem neuen PC-Spiel Radio 108,8 haben wir ein Strategiespiel entwickelt, das viele Informationen rund um das Hören enthält. Wir wollen damit ganz gezielt Kinder zwischen 10 und 12 Jahren ansprechen, um sie noch vor Beginn der ‚heißen Discophase’ zu erreichen“, erklärt die Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Dr. Elisabeth Pott. „Die Kinder können bei dem Spiel selbst Klänge erzeugen, Musik machen, Geräusche raten und sich auch fachlich informieren. Im Mittelpunkt steht die Erfahrung, dass sie durch ihr eigenes Verhalten ihr Gehör vor Lärm schützen können und sie gleichzeitig lernen, Lärm zu vermeiden. Eigenverantwortliches und gesundheitsförderndes Verhalten muss gerade beim Thema Lärm schon in jungen Jahren einsetzen“, so Dr. Pott weiter.

Das PC-Spiel „Radio 108,8“ ist kostenlos. Es kann unter folgender Adresse bestellt werden: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, 51101 Köln, Fax: 0221-8992257

E-mail: order@bzga.de
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Tag gegen Lärm

Lärm ist ein gravierendes Umweltproblem. Andauernde aber auch kurzzeitige Lärmexposition kann eine Vielzahl an negativen Effekten auf den Menschen haben, die von dem Gefühl, belästigt zu werden bis zu einer akuten oder chronischen Schädigung der Gesundheit reichen.

Wussten Sie schon, dass ...

  • nahezu alle Deutschen (80%) in irgendeiner Weise von Lärm betroffen sind?

  • über die Hälfte der Bevölkerung durch mehrere Lärmquellen zugleich belästigt wird?

  • über ein Drittel der Menschen in Deutschland sich durch Straßenlärm wesentlich belästigt fühlt?

  • rund ein Viertel der Bundesbürger/innen vom Schienenverkehrslärm beeinträchtigt wird?

  • fast 15% sich durch Fluglärm wesentlich gestört fühlen?

  • immerhin 6,5% der Deutschen durch den Lärm ihrer Nachbarn hochgradig belästigt werden? 

    Die häufigsten beeinträchtigenden Wirkungen sind

    • Behinderung der Kommunikation

    • Schlafstörungen

    • Konzentrationsminderung

    • Belastung des Herz-Kreislauf-Systems

    • Schwerhörigkeit (ca.14 Millionen Bundesbürger, das sind ungefähr 15% der Bevölkerung; Tendenz steigend)

    • Tinnitus (fast 3 Millionen Bundesbürger, das sind ca. 4% der Bevölkerung über 10 Jahre; Tendenz steigend)

    • Einschränkung von Erholung und Entspannung

    Die Deutsche Gesellschaft für Akustik e.V. (DEGA) organisiert seit 1998 den Tag gegen Lärm in Deutschland durch den Arbeitskreis "Öffentlichkeitsarbeit für gehörgerechte Geräuschbeurteilung" im Fachausschuss Hörakustik der DEGA im Verbund mit dem International Noise Awareness Day.

    28. April 2004
    15 Sekunden Ruhe um 14.15 Uhr

    dieses Motto geht am International Noise Awareness Day um die Welt und verbindet die Aktionen.
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