Archiv April 2003                                                                   

Menü mit voller Dröhnung

(fgh) Wenn die Bedienung in einem Szene-Lokal nicht auf das Zurufen der Gäste reagiert, könnte es an Ohrstöpseln liegen. Diese sollten Bedienungen in manchen Restaurants tragen, um ihr Gehör zu schützen. Denn die Lautstärke dort ist alles andere als dezent: Bei Tests in Londoner Szene- Restaurants und -Kneipen wurden Spitzenwerte von 88 bis 97 Dezibel gemessen. Ab 85 Dezibel ist hierzulande am Arbeitsplatz Gehörschutz vorgeschrieben, denn länger als 40 Stunden halten Ohren das pro Woche nicht schadlos durch. "Beim Tag gegen Lärm am 30. April sollte man nicht nur an Presslufthammer und Düsenjet denken: Gerade im Freizeitbereich wird dem Gehör oft zu viel zugemutet", so Dr. Karin Uphoff von der Fördergemeinschaft Gutes Hören (FGH).

Schlichte, stilvolle Einrichtungen, kein Teppichboden und nackte Wände, so sehen sie aus, die modernen Szene-Kneipen. Was ästhetisch der letzte Schrei sein mag, ist akustisch betrachtet oft eine Katastrophe. Wenn weder Teppiche noch Tapeten oder gar Vorhänge vorhanden sind, um den Lärm zu dämpfen, hallen sämtliche Geräusche und Stimmen von den Wänden, Decken und Böden wider. 
Wer sich in einem solchen Raum unterhalten möchte, muss besonders laut sprechen, was den vorhandenen Lärmpegel weiter erhöht. Wenn 80 Dezibel erreicht sind, müssen sich die Gäste mehr oder weniger anschreien, um sich verständlich zu machen. Hierzu Dr. Uphoff: "Jeder kennt den Spruch ‚Die Augen essen mit'. In Lokalen sollte man beachten, dass nicht nur die Augen, sondern auch die Ohren mit dabei sind."

Durchgeführt wurden die Tests von Mitarbeitern des Magazins "New Scientist". Nicht in allen, aber in einigen Lokalen wurden Lärmpegel erreicht, die den vom Gewerbeamt empfohlenen Grenzwert überschreiten. Und das, obwohl nirgends Hintergrundmusik lief. Herkömmliche Restaurants, so die Einschätzung der Forscher, seien mit ihren Tischdecken, Teppichen und Vorhängen sehr viel schonender fürs Gehör.

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Kein Gesetz für Kinderohren

Erwachsene werden am Arbeitsplatz durch Regeln und Bestimmungen vor Lärm geschützt. Für Kinder gibt es in ihrem Alltag keine vergleichbaren Gesetze, obwohl Kinder sehr lärmempfindlich sind und ein Hörverlust schwere soziale Konsequenzen mit sich führen kann.

Lautes Spielzeug kann das Gehör von Kindern schädigen. Dennoch verbietet in den meisten Ländern kein Gesetz, dass ein spielendes Kind unnötigem Lärm ausgesetzt ist. Während die Arbeitsplätze der Erwachsenen vom Gesetzesgeber mit zunehmender Aufmerksamkeit bedacht werden, ist für Kinder bisher wenig auf diesem Gebiet geschehen.

Es wird allgemein anerkannt, dass stundenlanges Hören von Lautstärken, die über 85 dB liegen, einen Hörverlust auslösen kann, doch diese Einsicht muss noch in Regelungen bezüglich Kinderspielzeug gefasst werden.

In den USA gibt es so gut wie keine Bestimmungen zur Lautstärke von Spielzeug. Die einzige Richtlinie für lautes Spielzeug, die von der US-amerikanischen Testgesellschaft "American Society of Testing and Materials" stammt, setzt den maximal erlaubten Lärmwert bei 134 dB an, was dem Lärmniveau eines Flugzeuges beim Abheben entspricht. Der europäische Spielzeug-Sicherheitsstandard erlaubt Geräuschpegel bis zu 115 dB. Der US-amerikanischen Arbeitsaufsichtsbehörde, OSHA, zufolge, dürfen Arbeitnehmer zusammengelegt maximal 15 Stunden einem Lärmpegel von 115 dB pro Tag ausgesetzt sein. In Kanada verbietet ein Gesetz gegen schädliche Produkte, Hazardous Products Act of Canada, dass Spielzeuge Lärmpegel von 100 dB überschreiten. Wenn Erwachsene über einen längeren Zeitraum bei solchen Geräuschniveaus arbeiten müssen, werden sie angewiesen, Ohrstöpsel zu tragen.

Quellen: Occupational Safety &Health Administration; League for the Hard of Hearing
Fundstelle: hear-it.org


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Fool´s Garden:
Tag gegen den Lärm

(fgh) Wer schon immer mal wissen wollte, wie sein Gehör funktioniert, für den bietet sich jetzt eine einmalige Gelegenheit: Unter www.hoerquiz.de gibt es Infos rund ums Hören und dazu ein Hörquiz, bei dem man sein Wissen testen kann. Wer mitmacht, dem winken tolle Sachpreise oder einen Erlebnistag mit der Band Fool´s Garden ("Lemon Tree").

Am 30. April 2003 ist es soweit. Dann startet der "Tag gegen Lärm", anlässlich dessen die Fördergemeinschaft Gutes Hören (FGH) insbesondere musikbegeisterte Jugendliche auf die schädigende Wirkung von lauter Musik aufmerksam machen will. Die Patenschaft der diesjährigen Aktion hat die angesagte Band Fool´s Garden ("Lemon Tree") übernommen. Und das nicht ohne Grund.

Ein Bandmitglied kennt die Problematik aus eigener Erfahrung. "Laute Musik fand ich einfach toll. Wenn ich früher schon gewusst hätte, was da mit den Ohren passiert, wäre ich vorsichtiger gewesen. Deswegen setzen wir uns jetzt auch für die Aufklärungsarbeit ein", so Volker Hinkel, Bassist von Fool´s Garden. Ihm hat die laute Dauerbeschallung mit Musik einen so genannten Tinnitus (Dauerpfeifgeräusch im Ohr) beschert. Wer wissen will, wo für das Ohr der Spaß aufhört und die Schmerzgrenze anfängt, sollte einen Blick auf das Internetquiz der Fördergemeinschaft Gutes Hören werfen. Neben einer Vielzahl interessanter Informationen kann man hier zum "Hörexperten" werden und sich auf eine Reihe musikalischer Preise freuen, die unter den erfolgreichen Quiz-Teilnehmern verlost werden. Also - ab dem 30. April rein ins Web unter www.hoerquiz.de und ran an die Arbeit.
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Hörerlebnis-Nachmittage für Senioren

(fgh) Hören bringt Lebensfreude. Wer gut hört, kann an Gesprächen teilhaben und beim alltäglichen Leben richtig dabei sein. Wer aber nicht mehr alles versteht, kann etwas dagegen tun. Darauf machen die "Hörerlebnis- Nachmittage" aufmerksam. Ins Leben gerufen wurde diese Aktion vom Deutschen Grünen Kreuz (DGK), der Fördergemeinschaft Gutes Hören (FGH) und dem Deutschen Berufsverband der HNO-Ärzte. Sie wendet sich bundesweit an Senioren-Einrichtungen, wie Altenheime, Tagesstätten oder Treffpunkte.

Bei den Hörerlebnis-Nachmittagen informieren Hörakustiker der FGH und HNO-Ärzte gemeinsam über das Hören. Die Besucher erleben durch unterhaltsame Hörbeispiele, wie differenziert das eigene Gehör arbeitet, und haben die Gelegenheit, ihr Gehör testen zu lassen. Hören ist ein wichtiges Thema: Jeder Dritte der 60- bis 69-Jährigen hat Hörprobleme und ab 70 Jahren jeder Zweite. Doch die wenigsten tun etwas dagegen. Die bundesweite Aktion "Hörerlebnis-Nachmittage" startete im vergangenen Jahr. Da die Ansprüche an Veranstaltungen zum Thema Hören - je nach Einrichtung - sehr unterschiedlich sind, wurde ein Konzept entwickelt, das aus eigenständigen Bausteinen besteht. So kann der Umfang und Schwerpunkt der Veranstaltung an die Bedürfnisse des Publikums angepasst werden.

Senioren-Einrichtungen, die sich für "Hörerlebnis-Nachmittage" interessieren, wenden sich bitte an: Dr. Gabriele Ruppert-Seipp, Deutsches Grünes Kreuz / Fördergemeinschaft Gutes Hören, Schuhmarkt 4, 35037 Marburg, Tel.: 06421/293 163, Fax: 06421/293 660. Den Einrichtungen entstehen keine Kosten, da die Hörakustiker und HNO-Ärzte ehrenamtlich mitarbeiten.

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Eltern in der Schlüsselrolle

(fbh) Für eine optimale Entwicklung von Kindern ist ein gutes Gehör unbedingt notwendig: Nur durch gutes Hören lernen Kinder zu sprechen und zu verstehen, sich mitzuteilen und im Leben zurecht zu finden.

Aber was ist, wenn Kinder schlecht hören? „Meist sind es die Eltern und Großeltern, denen die Hörschwäche des Kindes im alltäglichen Umgang auffällt“, weiß Gerhard Hillig vom Forum Besser Hören. Ihnen kommt daher beim Erkennen von Hörproblemen die Schlüsselrolle überhaupt zu: „Nur wenn Eltern die Entwicklung des Kleinkindes sorgfältig beobachten und bei Auffälligkeiten sofort handeln, hat das Kind die Chance auf eine normale Entwicklung.“

Folgende Punkte können Anzeichen für Hörprobleme bei Kindern sein:

- Das Kind macht keine Fortschritte in seiner Sprachentwicklung; selbst kurze Sätze zu sprechen, fällt ihm schwer.
- Es antwortet nur verzögert oder gar nicht, wenn es angesprochen wird.
- Bei lauten Geräuschen (z. B. Türenschlagen) erwacht oder erschrickt das Kind
nicht.
- Es kann Geräusche oder Tierlaute nicht imitieren.
- Es hat Schwierigkeiten, Geräusche zu orten und reagiert auf Geräusche und Sprache außerhalb seines Blickfelds nicht.
- Es kann aus dem Alltag bekannte Dinge wie Kleidungsstücke oder Körperteile
nicht bezeichnen.
- Das Kind hat nur wenige soziale Kontakte und ist ein Einzelgänger.
- Es hat häufig Ohrentzündungen.

Natürlich entwickelt sich jedes Kind nach seinem eigenen Tempo. Bei den geringsten Anzeichen ist Vorsicht jedoch besser als Nachsicht: „Wer unsicher ist, sollte sofort und lieber einmal mehr als zu wenig den HNO-Arzt aufsuchen und das Gehör des Kindes überprüfen lassen“, rät Gerhard Hillig. Ein leichter Hörverlust z.B. kann nur durch einen Hörtest festgestellt werden; genaue Beobachtung des kindlichen Verhaltens allein reicht hier nicht aus.

Prinzipiell gilt: Je früher Hörprobleme bei Kindern entdeckt und mit modernen HörSystemen behandelt werden, desto besser die Chancen für eine einwandfreie Entwicklung. Die Kinder lernen nicht nur rechtzeitig, mit der Hörminderung umzugehen, sondern auch, sie zu akzeptieren.
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Junge Hörgeminderte haben´s schwer

Die Zahl der Beschäftigten und das Ausbildungsniveau ist unter Hörgeschädigten niedriger als bei normal hörenden Menschen. Das hat für Hörgeschädigte ein geringeres Selbstwertgefühl zur Folge und wirkt sich auf deren allgemeine finanzielle Situation aus. Laut einer finnischen Studie, die in "Scandinavian Audiology 2001; 30" erwähnt wurde, liegt die Beschäftigtenzahl unter jungen Hörgeschädigten deutlich unter der Quote anderer junger Leute.

Beinahe 3,65 Millionen Amerikaner und Europäer wurden mit Hörverlust geboren oder werden an Hörverlust vor ihrem 18.Lebensjahr erkranken. Das hat Auswirkungen darauf, ob sie eine Ausbildung absolvieren oder nicht und einen Beruf ausüben, der ihren Fähigkeiten entspricht.

Für Hörgeschädigte ist eine Ausbildung der sicherste Weg in einen Beruf, aber viele hören auf, nachdem sie die schulische Grundausbildung absolviert haben. Mehrere Studien zeigen, dass der Übergang vom Schulsystem zur Universität für hörgeschädigte Jugendliche schwieriger ist.

Ein Faktor, der eine akademische Laufbahn verhindert, könnte die soziale Isolierung sein, die Hörgeschädigte, einzeln oder als Gruppe, empfinden. Darum ist es sehr wichtig, dass deren Eltern und Lehrer die weitere Ausbildung mit viel Enthusiasmus fördern und unterstützen.

Bis jetzt haben nur ein paar Studien die Lage der Hörgeschädigten an Universitäten beleuchtet. Eine Studie, die in "American Annals of the Deaf, 1996" zitiert wird, belegt, dass die hörgeschädigte Minderheit der Studenten der Universitäten von Schweden sich häufig allein und deprimiert fühlt, aber auf akademischer Ebene gut zurechtkommt und engen Kontakt zu ihren Lehrern pflegt.

Quellen: Scandinavian Audiology 2001; 30: 106-108 & 120-128; American Annals of the Deaf 1996; 141: 359-364, Fundstelle: hear-it.org
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