Archiv März 2004                                                                   

Mehr Jugendliche bekommen Hörgerät

"Nach unserer Berechnung werden junge Leute für ein Hörgerät zusammensparen müssen, weil sie es mit 50 Jahren brauchen werden. Das sind 20 Jahre eher als ihre Eltern," sagt Professorin Therese Ovesen vom Århuser Krankenhaus zu der dänischen Zeitung "MetroXpress".

Die Lösung des Problems ist der Lautstärkenregler, sagt Randi Wetke, Vorsitzende der dänischen Gesellschaft für medizinische Audiologie "Dansk Selskab for Medicinsk Audiologi". "Hohe Lärmpegel sind kennzeichnend für die Jugendkultur. Von der Diskothek bis zum Fitness-Studio- überall gibt es Probleme mit dem Lärm. Junge Leute zu überreden, Ohrstöpsel zu benutzen ist extrem schwer. Trotzdem ist es äußerst wichtig, dass die Lautstärke verringert wird," sagt Dr.Wetke der Zeitung.

"Druckgefühl auf den Ohren beim Verlassen eines Nachtclubs ist Zeichen für eine Schädigung des Gehörs. Und wenn jemand die Veranlagung dazu hat, kann der momentane Schaden permanent werden," fügt Dr.Ovesen hinzu. 

"Als Daumenregel kann man sagen, dass Lärm schädlich ist, wenn Schreien nötig ist, um sich zu verständigen," sagt sie.

Sowohl Wetke als auch Ovesen beziehen sich auf britische und deutsche Studien. Der dänische Ménière- und Tinnitusverband hat ein eindeutiges Ursache/Wirkung-Verhältnis in Bezug auf die hohen Lärmpegel ausgemacht. "Die Zahl der Jugendlichen mit dauerhaftem Tinnitus ist steigend und in vielen Fällen ist ihr Nachtleben der einzig ersichtliche Grund," sagt Karen Lorenzen, Beraterin des Verbandes.

Wenn man eingefahrene Musik-Gewohnheiten nicht aufgeben kann, gibt es nur zwei Lösungen für das Problem: Die beste ist, die Lautstärke zu reduzieren. Die andere ist, Ohrstöpsel zu tragen.

Quelle: MetroXpress, Dänemark, 20.Februar 2004 Fundstelle: hear-it.org
 < zurück zur Archiv-Übersicht

 

Mit dem zweiten hört man räumlich

(fbh) „Rund 65 Prozent aller Träger von HörSystemen sind in Deutschland nicht optimal versorgt und riskieren, dass eines ihrer Ohren irreparabel verkümmert“, warnt Gerhard Hillig vom Forum Besser Hören in Hamburg. „Diejenigen, die auf beiden Ohren schlechter hören, brauchen auch fast immer zwei HörSysteme, sonst verlernt das nicht versorgte Ohr regelrecht das Hören.“

In 80 Prozent aller Fälle bedeutet eine Hörminderung, dass beide Ohren betroffen sind. Trotzdem glauben viele Betroffene, dass das Tragen eines HörSystems schon ausreiche, um wieder besser zu hören und zu verstehen. Dies schränkt jedoch nicht nur die Lebensqualität ein, sondern kann auch weitreichende Folgen haben: Die räumliche Wahrnehmung von Schall kann für immer verloren gehen. Denn um zu errechnen, aus welcher Richtung Stimmen und Geräusche kommen, braucht das Gehirn die Informationen von beiden Ohren. 

Es ortet aus winzigen Zeit- und Lautstärkeunter- schieden des eintreffenden Schalls dessen Herkunft. Wenn aber die Hörbahnen jahrelang nicht genutzt werden, kann das dazu führen, dass das Gehirn irgendwann keine Geräusche mehr vom nicht versorgten Ohr akzeptiert – selbst dann nicht, wenn später auf eine beidohrige (binaurale) HörSystem-Versorgung umgestiegen wird. Deswegen ist es wichtig, schon von Anfang an beide Ohren optimal zu versorgen.

Allerdings, so Hillig, setze sich dieses Wissen nur langsam durch. Dabei bringe eine binaurale Versorgung auch noch einen weiteren großen Vorteil mit sich: „Neben dem räumlichen Hören erleichtern zwei HörSysteme auch das Verstehen von Sprache. Insbesondere bei störenden Nebengeräuschen werden Stimmen viel deutlicher übertragen.“
 < zurück zur Archiv-Übersicht

 

Noch ganz Ohr?

(fgh) Die meisten Menschen wissen, ob sie hohen oder niedrigen Blutdruck haben, ob sie eine Brille brauchen oder nicht. Aber wenn’s ums Hören geht, sind viele auf Vermutungen angewiesen, denn sie haben noch nie einen Hörtest gemacht. Da Hörminderungen den Betroffenen selbst meist gar nicht auffallen, werden sie oft erst nach rund sieben Jahren bemerkt und behandelt.
Das sind Jahre, in denen soziale Kontakte und Lebensqualität meist deutlich gelitten haben. Das kann man sich und seinen Mitmenschen ersparen, wenn man regelmäßig sein Gehör testen lässt.

Wenn der Hörtest zeigt, dass das Hörvermögen nachgelassen hat, kann man etwas dagegen tun. Manchmal ist der Gehörgang nur verstopft – von einem Ohrschmalz-Pfropfen, den der HNO-Arzt entfernen kann. In anderen Fällen können Operationen helfen. Wenn der HNO-Arzt feststellt, dass das Innenohr geschädigt ist, sollte das Gehör mit Hörgeräten unterstützt werden. Dadurch verbessert sich nicht nur das Hören und Verstehen, sondern – als Folge – auch die Lebensqualität, wie viele Untersuchungen belegen.

Lösen kann man Hör- und Kommunikationsprobleme jedoch nur, wenn man sie erkannt hat. Das Zauberwort heißt Hörtest. Doch wer im Berufsleben steht, hat für vorsorgliche Tests meist “keine Zeit”. Deshalb geht die Fördergemeinschaft Gutes Hören (FGH) mit ihren Hörtests dorthin, wo die Menschen sind. Gemeinsam mit dem Deutschen Grünen Kreuz bietet die FGH eine Woche lang Hörtests an – am Arbeitsplatz, in Apotheken, bei Behörden, im Einkaufszentrum, überall. Während der Deutschen HÖRtest-Woche, vom 10. bis 16. Mai, sind bundesweit Hörakustiker der FGH unterwegs, um kostenlose Hörtests anzubieten. Unter www.hoertest-woche.de kann man eine Liste der Aktionen abrufen. Wer nicht bis Mai warten möchte, um einen Hörtest zu machen, kann jederzeit zum Hörakustiker gehen und den kostenlosen Service nutzen. Unter www.fgh-gutes-hoeren.de findet man den FGH-Hörakustiker in seiner Nähe.
 < zurück zur Archiv-Übersicht

 

Diabetes geht auf die Ohren

Diabetes schädigt im Laufe der Jahre Organe wie Herz, Nieren, Augen und das Nervensystem. Nun haben US-Wissenschaftler in einer noch nicht abgeschlossenen Untersuchung mit 800 älteren Probanden festgestellt, dass die chronische Erkrankung, bei der es zu einem Insulinmangel kommt, auch die Hörfähigkeit beeinträchtigt. Betroffen seien auffallend viele Patienten vor dem 60. Lebensjahr, berichteten die Forscher auf dem Wintertreffen der Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde in Daytona Beach (Florida, USA).

Bisher haben Nancy Vaughan und Stephen Fausti vom Department of Veterans Affairs National Center for Rehabilitative Auditory Research (NCRAR) die Daten von 700 Veteranen, darunter zahlreiche Diabetiker, erfasst. Die Forscher ermittelten deren Blutwerte, Dauer und Verlauf der Zuckerkrankheit, Menge des täglich zugeführten Insulins, Alter und berichtete Lärmbelastungen. Außerdem führten die Wissenschaftler Hörtests bei den Studienteilnehmern durch.

Bisheriges Ergebnis der Untersuchung: Diabetiker und gesunde Studienteilnehmer hören ab dem 60. Lebensjahr gleichermaßen gut – oder schlecht. Bei jüngeren Patienten zeigten sich hingegen deutlich stärkere Hörverluste im Vergleich zu Nichtdiabetikern. Als Diabetiker stuften die Forscher Menschen ein, bei denen mindestens fünf Jahre zuvor die Zuckerkrankheit diagnostiziert worden war.

Nun wollen die Wissenschaftler untersuchen, ob und wieso Diabetes in jüngeren Jahren das Gehör angreift. Erste Vermutungen: Nach dem 60. Lebensjahr kaschiert eine altersbedingte Schwerhörigkeit die durch Diabetes hervor gerufenen Hörschäden.
Quelle: wissenschaft.de, Fundstelle: gehoerratgeber.de

 < zurück zur Archiv-Übersicht

 

Hilfe per SMS

Deutschland
Der ADAC, Deutschlands größter Automobilclub, bietet Hörgeschädigten die Möglichkeit, den Pannennotruf per SMS zu benachrichtigen. Die Handy-Nachricht sollte maximal 160 Zeichen umfassen. Wichtig dabei ist, möglichst den genauen Standort, den eigenen Namen und die Mitgliedsnummer anzugeben. Der Service ist unter der bundeseinheitlichen Nummer 01891 - 93 83 03 erreichbar, an die auch Faxe geschickt werden können. Der ADAC-Pannendienst kann bei Bedarf eine Antwort-SMS zurückschicken. Wer ein Handy mit eingebauter E-Mail-Funktion besitzt, kann den Notruf unter webnotruf@adac.de benachrichtigen.

Bei einer Panne auf der Autobahn stehen Notrufsäulen in einem Abstand von 500 Metern zur Verfügung. Doch selbst normal hörende Autofahrer haben oft Probleme, sich bei starkem Hintergrundlärm verständlich zu machen oder die Anweisungen des Pannendienstes zu verstehen. Daher wird der SMS-Service sicher nicht nur bei hörgeschädigten Verkehrsteilnehmern willkommen sein.

Österreich
Österreichs größter Automobilclub, ÖAMTC, bietet aus technischen Gründen derzeit keinen SMS-Notruf an. Im Jahr 2005 wird das Einsatzleitsystem jedoch geändert und dann wird, so die Auskunft der ÖAMTC-Pressestelle, auch an eine Notruf-Möglichkeit per SMS gedacht. Für Hörgeschädigte bietet sich bis dahin die Möglichkeit, den Pannendienst per Fax ( 01-25120-25 ) oder E-Mail, schutzbrief-notruf@oeamtc.at, zu alarmieren.

Die Schweiz
Beim größten Automobilclub der Schweiz, TCS, können Hörgeschädigte den Pannendienst mit Hilfe eines Schreibtelefons unter der Nummer (+41) 79 702 29 16 benachrichtigen

Quelle: hear-it.org
 < zurück zur Archiv-Übersicht