Archiv März 2003                                                                   

Routineuntersuchung?
Zu spät!

Was tun, wenn Kinder mit einer Hörstörung auf die Welt kommen? Viele Eltern bemerken dies erst bei einer Routineuntersuchung – die ist jedoch laut Gesetz erst im Alter von zehn bis zwölf Monaten vorgesehen. Gerhard Hillig vom Forum Besser Hören: "Das ist viel zu spät, um zu verhindern, dass die Hörminderung ohne Konsequenzen für die Sprachentwicklung bleibt." Auch die Chancen einer erfolgreichen Korrektur werden erheblich verringert.

Nach heutigen Erkenntnissen werden im Alter von vier bis sechs Monaten die Grundlagen für die Sprachentwicklung gelegt. Früherkennung und rechtzeitige Therapie sind daher für den späteren Lebensweg von Kindern von großer Wichtigkeit. Doch selbst wenn Eltern das Gehör ihres Kindes im Alter von zehn Monaten untersuchen lassen – das Durchschnittsalter, in dem frühkindliche Hörprobleme erkannt und behandelt werden, liegt zzt. bei 31 Monaten. „Wenn der Kinderarzt nämlich mit Händeklatschen das Gehör testet, kann es durchaus zu einer Reaktion des Kindes kommen: Es reagiert auf den damit verbundenen optischen oder haptischen Reiz. Der Hörtest bliebe demnach ohne Befund. Dann sind jedoch die wichtigsten Entwicklungsstufen bereits verpasst worden“, erklärt Gerhard Hillig. Außerdem haben schwerhörige Kinder schon Verhaltensweisen eingeübt, um den unbewussten „Mangel“ zu kompensieren. 

Sobald Eltern demnach Auffälligkeiten bei ihrem Kind feststellen, sollten Sie es umgehend von einem HNO-Arzt untersuchen lassen. Eine besondere Bedeutung bei der Erkennung von Hörproblemen bei Kindern kommt auch dem Neugeborenen- Hörscreening zu: Mittels modernster Messgeräte kann die Hörfähigkeit des Säuglings schon am 3. Lebenstag überprüft werden. "Eltern sollten die Möglichkeiten des Screenings unbedingt nutzen und auch die Nachsorgeuntersuchungen ernst nehmen", rät Gerhard Hillig.

Je eher die Hörminderung erkannt und behandelt wird, umso günstiger sind die Prognosen für die Sprachentwicklung: Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge kann eine im ersten Lebensjahr begonnene Therapie und frühzeitige Versorgung mit Hörgeräten eine nahezu normale Sprachentwicklung und soziale Integration gewährleisten. Einer normalen Entwicklung des Kindes steht dann nichts mehr im Wege.

Forum Besser Hören
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Mehr Lärmunfälle trotz scharfer Regeln

Die Anzahl von Verletzungen, die auf Lärmeinwirkung zurückzuführen sind, hat sich im letzten Jahr trotz strenger Regeln und Vorschriften des norwegischen Arbeitsumfeld-Gesetzes um 4% erhöht. Die Obergrenze für täglichen Lärm liegt bei 85 dB, so wie es von der Weltgesundheitsorganisation, WHO, empfohlen wird. Trotzdem ist Hörverlust der am häufigsten erlittene Arbeitsschaden, der drei Mal öfter vorkommt als andere Verletzungen, wie Hautschäden und Beeinträchtigungen der Atemwege.

Frühere Studien aus Norwegen zeigen, dass die Unternehmen es versäumen, nötige Schritte zu unternehmen. Einfache Vorsichtsmaßnahmen, wie z.B. das Kennzeichnen von Arbeitsorten mit sehr hohen Lärmpegeln, wurden völlig unzulänglich ausgeführt. Ironischerweise wurden die ineffizientesten Vorsichtsmaßnahmen in öffentlichen Institutionen entdeckt.

Lärmschäden können nicht geheilt werden und deshalb ist Vorbeugung umso wichtiger. Arbeitgeber sollten Aufklärung, Kennzeichnung und Ohrstöpsel zur Verfügung stellen. Arbeitnehmer können dem Risiko, durch Lärm zu erkranken, durch einen gesunden Lebensstil, niedrigere Lautstärkeneinstellung bei Musik und das Tragen von Ohrstöpseln bei lauten Beschäftigungen verringern.

Die Europäische Union kam nach zweijährigem Verhandeln zu dem Schluss, 87 dB als maximales, tägliches Geräuschlimit am Arbeitsplatz zuzulassen. Davor lag der erlaubte Wert bei 90 dB. Aber die norwegischen Bestimmungen sind noch etwas strenger als die EU-Grenzwerte.

Quelle: Din Hørsel, No.8, november 2002 (veröffentlicht von dem norwegischen Hörgeschädigtenverband)
Fundstelle: hear-it.org  
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Preiswerte Hörverlust-Behandlung

Bei einem 1999 veröffentlichten Bericht der Arbeitsgemeinschaft SIHI der Universität Maastricht, stellte sich heraus, dass Hörverlust zu den Behinderungen zählt, die sich am günstigsten und effektivsten behandeln lassen.

Bei dem Maastrichter Bericht wurde der Messwert QALY (Quality Adjusted Life Year), ein in der Medizin benutztes, international anerkanntes Standardmaß, benutzt. Die Messung zeigt Änderungen in der Lebensqualität im Verhältnis zu den Behandlungskosten.

Die Kosten pro QALY belaufen sich für die Behandlung einer Person mit Hörverlust im Alter zwischen 65 und 69 Jahren auf 11.500 Euro. 

Im Vergleich dazu betragen die Kosten pro QALY bei einem Brustkrebs-Screening 10.300 Euro, bei einer Knieprothese 46.500 Euro pro QALY und bei einer Nierendialyse 78.000 Euro (siehe Diagramm oben).

Ist der Hörgeschädigte unter 65 Jahre alt, sind die Kosten pro QALY auf Grund seiner zu erwartenden steigenden Lebensqualität sogar noch niedriger.

Der Maastrichter Bericht ist das Ergebnis des ersten gemeinsamen größeren Forschungsprojektes in Europa über soziale, wirtschaftliche und persönliche Folgen von Hörschäden und der Verwendung.

Quelle: hear-it.org
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Wohin mit alten Hörgeräten?

Die Aktion „Hörgeräte spenden“ kann auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken: „Rund 600 ausgediente Hörgeräte wurden uns im letzten Jahr zugesandt,“ resümiert Gerhard Hillig vom Forum Besser Hören. „Davon waren 300 Geräte nach der technischen Prüfung geeignet, um sie Hilfsinitiativen für humanitäre Zwecke zur Verfügung stellen. Das Engagement wollen wir auch 2003 fortsetzen – uns liegen schon jetzt zahlreiche Anfragen vor.“ Deshalb ruft das Forum Besser Hören erneut zu einer bundesweiten Sammelaktion auf: Nicht mehr benötigte Hörgeräte können an das Forum Besser Hören in Hamburg gesandt werden. Nach technischer Überprüfung und Reinigung werden die Geräte dann an ausgewählte Initiativen weitergegeben, die eine fachgerechte Anpassung und nachfolgende Betreuung sicherstellen.

So konnte beispielsweise bereits Kindern und Erwachsenen in Weißrussland und Kuba zu besserem Hören verholfen werden, die zum Teil den Hörgeräten ihre ersten Höreindrücke verdanken. Jetzt können diese Menschen lernen, arbeiten und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.

Das Forum Besser Hören unterstützte im August 2002 auch die Mongolei- Hilfsaktion der HNO-Klinik der Universität Würzburg. Unter der Leitung von Prof. Jan Helms war eine Gruppe von Ärzten und Audiologen im August 2002 zur Universitätsklinik in die Hauptstadt Ulan Bator gereist, um die dortigen Fachleute mit der modernen Hörgeräteversorgung vertraut zu machen. Dabei wurden von den Würzburgern zahlreiche Patienten medizinisch untersucht, behandelt und mit Hörgeräten versorgt. 100 Hörgeräte aus der Sammelaktion des Forum Besser Hören gingen mit auf die Reise in das zentralasiatische Flächenland, wo die Hörgeräteversorgung noch völlig unterentwickelt ist. Lediglich in der Hauptstadt gibt es erste Ansätze, Menschen mit Hörproblemen effektiv zu behandeln. „Wir haben mit dieser Hilfsaktion vielen Menschen geholfen, die sich selbst kein Hörgerät leisten können,“ sagt Prof. Erdenechulun von der Universitätsklinik in Ulan Bator.

Die Hilfsinitiativen, die vom Forum Besser Hören Hörgeräte erhalten haben, hoffen darauf, auch im Jahr 2003 „Patienten“ versorgen zu können. Außerdem liegen Anfragen aus Georgien und weiteren Regionen in Weißrussland vor. Ausgediente Hörgeräte können an das Forum Besser Hören Stichwort „Hörgeräte spenden“, Spadenteich 1, 20099 Hamburg gesandt werden.
Forum Besser Hören
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Babys mit Hörverlust in China

Die Zahl der Kinder, die mit einem Hörverlust zur Welt kommen, könnte in China erheblich höher liegen als in der restlichen Welt. Chinas größtes Neugeborenen-Screening zeigt, dass sechs von tausend untersuchten Kindern hörgeschädigt sind. Die Menge ist wesentlich höher als die von dem chinesischen Gesundheitsministerium gesetzte Akzeptanz-Zielrate, schreibt die Nachrichtenagentur Xinhua News Agency.

Insgesamt wurden 4800 Babys im Alter von 6 und 24 Wochen, die im Jahre 2000 geboren wurden, im Beijing Haidan Mutter- und Kind- Gesundheitszentrum gescreent und untersucht.
Die otoakustischen Emissions-Hörscreenings ergaben, dass 38 Babys beim Screening durchfielen. Davon wurde bei 29, oder 0,604%, ein kongenitaler Hörverlust diagnostiziert.

Fast überall auf der Welt liegt die Zahl der hörgeschädigten Neugeborenen bei 0.1-0.3%, was 20 000 bis 60 000 Säuglingen mit Hörverlust pro Jahr in China entspräche. Bei der Menge, die in Beijing gemessen wurde, läge die Anzahl bei 120 000 Kindern. Doch bisher haben keine landesweiten Screenings stattgefunden, und Qi Yisheng, Leiter des Screening-Programms am Beijinger Institut für Ohrenheilkunde unterstreicht dem Xinhua News Service gegenüber, dass ein allgemeines Hör-Screening sämtlicher Neugeborener noch längst nicht spruchreif ist. Die Studie macht den Bedarf deutlich, Hörverlust bei Kindern erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken, und Audiologen schlagen vor, dass so früh wie möglich landesweite Hörscreenings aller Neugeborenen durchgeführt werden, um die Behandlung zu dem frühest möglichen Zeitpunkt der kindlichen Entwicklung einzuleiten.

Quelle: Xinhua News Agency, Xinhua Economic News Service, 2. Juli 2002
Fundstelle: hear-it.org

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Große Unterschiede bei Hörverlusten

Einer von zehn Schweden leidet unter so starkem Hörverlust, dass es ihm schwer fällt, sich mit mehr als einer Person pro Mal zu unterhalten. Hörprobleme sind bei älteren Leuten besonders stark ausgeprägt, doch es lassen sich bedeutende Unterschiede zwischen den verschiedenen sozioökonomischen Gruppen feststellen.

Diese Ergebnisse basieren auf Interviews, die zwischen 1986 und 1993 mit 48.680 Schweden im Alter von 16-84 Jahren gemacht wurden und in der Zeitschrift "Audiology", (1999; 38: 328-334) veröffentlicht wurden.

Die Interviews sind ein Teil der jährlich vom schwedischen Statistikamt, Svensk Statistik, vorgenommenen Studien über die Lebensumstände in Schweden. Es wurde u.a. gefragt, ob man problemlos an einer Unterhaltung mit mehreren Personen teilnehmen kann. 11% der Interviewpartner gaben an, Verständnisprobleme dabei zu haben. In der Altersgruppe der 16-24-Jährigen gaben 2% an, Schwierigkeiten bei einer solchen Gesprächsrunde zu haben. Bei den Personen über 75 Jahren konnten 30% einer Unterhaltung mit mehreren Personen nicht folgen.

Bei der Beurteilung der Schwere ihrer Behinderung, tippten die meisten Personen auf ein wesentlich besseres Ergebnis, als das, was die klinischen Untersuchungen tatsächlich zeigten. Auch hier beleuchten die breitangelegten Skalen-Studien die Unterschiede zwischen den verschiedenen Bevölkerungsschichten.

Bei Arbeitern, Arbeitslosen und körperlich Behinderten waren die Hörprobleme deutlich schwerer als in anderen Gruppen. Insgesamt entsprach der von den Arbeitern empfundene Schwerhörigkeitsgrad dem Niveau von zehn Jahre älteren, nicht mehr tätigen, Arbeitern.

In der Altersgruppe der 35-44-Jährigen berichten 10% von einem wahrgenommenen Hörverlust. Dies korrespondiert mit dem empfundenen Hörverlust, von dem 10% der Nicht-Arbeiter zwischen 45-55 Jahren berichten. Der Artikel liefert hierfür keine Erklärung, aber das Lärmniveau auf den Arbeitsplätzen beider Gruppen beantwortet Einiges. Unterschiede zwischen sozioökonomischen Schichten wurden auch durch andere Studien bestätigt.

Die schwedischen Ergebnisse zeigen zudem, dass mehr Männer als Frauen unter Hörproblemen leiden.

Quelle: hear-it.org
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