Archiv Februar 2002                                                                   

Wie bitte, Herr Doktor?
Kommunikationsprobleme in der Arztpraxis

(fgh) Jeder fünfte hörgeminderte Patient verabschiedet sich von seinem Arzt, ohne zu wissen, welche Diagnose nun eigentlich gestellt wurde. Dies ergab eine Studie des britischen "Royal National Institute for Deaf People" (RNID). Als Ursache für diese Unwissenheit gibt die Mehrheit (80 Prozent) der Befragten an, dass die Kommunikation zwischen ihnen und dem Arzt mangelhaft sei. Zwölf Prozent der Befragten berichten, dass sie wegen der Verständigungsprobleme versuchen, Termine mit Arzt oder Praxispersonal möglichst zu vermeiden. "Mit gut angepassten Hörsystemen und geeigneten Kommunikationsstrategien könnten sich diese Patienten solche deprimierenden Erlebnisse ersparen", so Dr. Karin Uphoff von der Fördergemeinschaft Gutes Hören.

Eine grundlegende Voraussetzung für gute Verständigung ist die fachkundige Anpassung von Hörsystemen beim Hörakustiker.
Doch es gibt darüber hinaus sinnvolle Tipps zum Verhalten in Arztpraxen: So sollte man schon bei der Anmeldung darauf hinweisen, dass man Hörprobleme hat und daher Lautsprecheransagen oder leises Aufrufen schlecht versteht. Auch den Arzt sollte man gleich bei der Begrüßung um deutliches Sprechen bitten.
Umgekehrt sollte auch von Seiten der Praxis grundsätzlich darauf geachtet werden:
- dass keine störenden Nebengeräusche im Behandlungszimmer zu hören sind,
- dass der Arzt den Patienten ansieht, während er mit ihm spricht,
- dass es sinnvoll ist, wichtige Sätze in ruhigem Ton mehrmals zu wiederholen,
- dass bei Nichtverstehen immer der ganze Satz und nicht nur ein Wort wiederholt werden sollte,
- dass Fachbegriffe nicht vorausgesetzt, sondern kurz erklärt werden sollten.

Alle diese Kommunikationsstrategien machen im Übrigen auch Gespräche mit gut hörenden Menschen angenehmer.

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Hörgeräte vermindern Depressionen

(dgk) Eine amerikanische Studie zeigt: Wenn Schwerhörige mit Hörsystemen versorgt sind, verbessert sich ihre Lebenssituation deutlich. Sie haben bessere zwischenmenschliche Beziehungen, eine stabilere Gefühlslage, fühlen sich gesünder und sind aktiver innerhalb von Gruppen. Ärger, Frustration, Depressionen, Selbstkritik, zurückgezogenes Verhalten und Diskriminierung vermindern sich durch das Tragen von Hörgeräten spürbar.  Diese Ergebnisse sind von besonderer Bedeutung angesichts der Zahlen in Deutschland: Von den rund 14 Millionen Schwerhörigen hierzulande sind weniger als drei Millionen mit Hörgeräten versorgt. Das heißt, mehr als elf Millionen Menschen in Deutschland könnte es körperlich wie auch emotional deutlich besser gehen, wenn sie Hörsysteme tragen würden.
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Sechs Tipps im Umgang mit Schwerhörigen:
Nicht schreien, sondern deutlich sprechen

(fgh) Schreien ist der falsche Weg, sich Schwerhörigen verständlich zu machen. Mit deutlichem Sprechen erreicht man mehr. Das liegt daran, dass Menschen mit Hörproblemen besonders die hohen Töne nicht mehr so gut hören wie früher. Damit die Kommunikation von Normalhörenden mit Schwerhörigen besser klappt, gibt die FGH folgende sechs Tipps:

1. Schreien bringt nichts: Sprechen Sie deutlich und in langsamem, gleichmäßigem Tempo sowie in kurzen Sätzen.

2. Sie machen es Hörgeräteträgern leichter, Sie zu verstehen, wenn Sie sie beim Sprechen ansehen, möglichst im Licht stehen und Sie Ihren Mund nicht verdecken. Die Bewegungen von Mund und Lippen helfen Menschen mit Hörproblemen, die gesprochenen Worte im Kontext zu erkennen.

3. Wenn Ihr Gesprächspartner etwas nicht versteht, wiederholen Sie den vollständigen Satz und nicht nur das letzte Wort. Bleiben Sie geduldig!

4. Nähern Sie sich einem Menschen mit Hörproblemen nicht von hinten. Er könnte Sie nicht hören und sich erschrecken.

5.Helfen Sie Schwerhörigen in Gesprächsrunden mit mehreren Gesprächspartnern oder starken Hintergrundgeräuschen. Informieren Sie ihn über das Thema und ziehen Sie ihn durch direkte Ansprache ins Gespräch.

6. Wenn Sie das Gespräch schwierig finden, denken Sie bitte daran, dass Menschen mit Hörproblemen es viel schwerer haben als Sie.

Diese Regeln gelten im Umgang von Normalhörenden mit Schwerhörigen und Hörgeräteträgern. Letztere brauchen Ihre Unterstützung besonders, wenn sie die Geräte erst seit kurzem tragen oder in schwierigen Hörsituationen in Restaurants und bei Konferenzen sind. Denn man muss immer bedenken: Moderne Hörgeräte gleichen Hörverluste zwar weitgehend aus, können aber einmal zerstörte Hörsinneszellen nicht wieder zum Leben erwecken. Vorbeugung von Hörschäden bei Jüngeren ist daher genauso wichtig wie das frühzeitige Tragen von Hörgeräten nach Feststellen eines Hörschadens.
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Anwohner können Fastnachtsumzüge nicht verbieten lassen

Berlin/Frankfurt (dpa/gms) - Genervte Anwohner können Fastnachtsumzüge nicht verbieten lassen. Wie der Informationsdienst Recht und Steuern der Landesbausparkassen mitteilt, müssen sie im Karneval den Lärm von Umzügen und Bällen in der Nachbarschaft dulden. Der Informationsdienst beruft sich dabei auf ein Urteil des Verwaltungsgerichts Frankfurt (Az.: 15 G 401/99).

Bei Karnevalsumzügen handele es sich um Belästigungen von verhältnismäßig kurzer Dauer und um Traditionsveranstaltungen, heißt es darin zur Begründung.

Im konkreten Fall hatte den Angaben zufolge ein Anwohner vor dem Verwaltungsgericht durchsetzen wollen, dass ein jährlich stattfindender, etwa dreistündiger Faschingszug mit Jahrmarkt und Fahrgeschäften einen Geräuschpegel von 70 Dezibel nicht überschreiten dürfe. Das hätte bedeutet, dass die Veranstalter auf ihre beliebten Karnevalsschlager hätten verzichten müssen. Bei der Abwägung von Vor- und Nachteilen seien die Richter zu dem Ergebnis gekommen, dass weiter gefeiert werden dürfe. Ruhebedürftigen Anwohnern bleibe daher im Karneval nichts anderes übrig, als für ein paar Tage die Flucht zu ergreifen, heißt es.

Quelle: Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag
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Hören: Demokratie unter Wasser

Die „Demokratisierung des Hörens“ findet unter Wasser statt. Davon ist das Forum Besser Hören, das Presse- und Informationszentrum der Vereinigung der Hörgeräte-Industrie in Hamburg, überzeugt. Denn im Wasser umhüllen Schallschwingungen den Körper in einem Winkel von 360 Grad und erreichen das Gehör über Haut und Knochen. „Bei der so genannten akustischen Knochenleitung versetzen die Schallwellen die Schädelknochen in Schwingungen und teilen sich – dank einer anderen Frequenzcharakteristik als an Land – direkt dem Innenohr mit“, so Silke Brandes vom Forum Besser Hören. Die Folge: Sowohl Normalhörende als auch Personen mit Hörminderungen erleben unter Wasser faszinierende und spannende Höreindrücke. Je nach Hörverlust können die Hörerlebnisse von Hörgeminderten denen eines Normalhörenden sogar sehr ähnlich sein.
Das Phänomen der akustischen Knochenleitung lässt sich bereits – mit dem Kopf unter Wasser und einer
Geräuscheinwirkung von außen – in der privaten Badewanne erahnen. Sehr viel eindrucksvoller ist jedoch ein Besuch im „Liquid Sound“ in Bad Sulza, Thüringen. Liquid Sound, ein Projekt der Expo 2000, steht für Baden in Licht und Musik: Die Besucher treiben in warmem Thermalwasser und hören unter Wasser sphärische Klänge, das Singen von Walen oder auch klassische Musik. „Für Hörgeminderte ist das gemächliche Treiben in warmem und salzhaltigem Thermalwasser ein wunderbares Erlebnis“, weiß Angelika Beck, Gebärdendolmetscherin mit langjährigen Erfahrungen im Umgang mit Gehörlosen, Tauben und Hörgeminderten, aus eigener Anschauung. „So haben Viele zum ersten Mal am eigenen Leib erfahren, was es bedeutet, Musik zu hören und zu erleben. Anderen konnte je nach Hörverlust ein Eindruck vermittelt werden, wie Normalhörende ungefähr hören. Die Erfahrungen waren insgesamt so unterschiedlich und vielfältig wie das Hören selbst. Von der entspannenden Wirkung jedoch schwärmten alle.“
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Klingelts?

Das Handy als Statussymbol? War mal, heute ist es selbstverständlich, eins zu haben (Verweigerung ist etwas für Fundis). Ebenso verbreitet ist aber der Unmut über das Klingeln von Nachbars Handy zur Unzeit. Besonders lästig, wenn die kleine Nervensäge in einem verschlossenen Garderobenschrank loslegt, während die Besitzerin sich wonnevoll in der Sauna entspannt . . . Geradezu vernichtende Blicke zieht auf sich, wer «eingeschaltet» ins Konzert geht. Wie Hundehaken vor der Metzgerei wünscht sich mancher Musikfreund einen Handy-Keeper an der Garderobe.
Ganz anders, wer in ein Konzert des amerikanischen Komponisten Golan Levin geht: Am Desk im Foyer lässt man sein Handy registrieren, lädt einen Klingelton und bekommt im Saal einen Platz zugewiesen.

 «Dialtones» heisst das Werk, das gespielt wird, eine «Telesymphonie»: Per Computer werden die Handys angerufen und geben zusammen ein Konzert von einer eigentümlichen Raumwirkung. Im finalen Crescendo klingeln 200 Handys gleichzeitig! Von «ungenutztem musikalischem Potenzial» schwärmt Levin, von nie da gewesenen Klangphänomenen. «'Dialtones' kehrt unsere Auffassung von akustischer Intimsphäre und öffentlichem Raum um», schreibt er zu seinem Werk. Noch nicht bekehrt hat sich mein Kunstverstand: Wenn das Handy «La donna è mobile» intoniert,ist das schlussendlich nichts anderes als Lärm - auch wenn das Spektakel im Brucknerhaus in Linz stattfindet.Eva Bachmann

Quelle: St. Galler Tagblatt
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Ungesundes aus der Dose

(smog) Die Qualität unserer Nahrung wird nicht nur durch die verwendeten Zutaten und den Herstellungsprozess bestimmt, sondern ganz wesentlich auch von der Verpackung. Sie soll das Produkt schützen und die ursprüngliche und unverfälschte Qualität des Lebensmittels erhalten.
Der Verzehr von Lebensmitteln aus Konserven kann laut einer aktuellen Untersuchung des belgischen Verbraucherverbandes gesundheitsschädigend sein. Grund hierfür ist die Kunststoffbeschichtung der Konservendosen, aus der unter anderem die Substanz Bisphenol A in die Lebensmittel gelangen kann. Kunststoff schützt nicht zuverlässig vor äußeren Einflüssen, weil es beispielsweise im Gegensatz zu Glas nicht sauerstoffdicht ist.
Laut Angaben des Verbraucherverbandes waren von 400 analysierten Dosen 70 Prozent verunreinigt. Insbesondere in Konserven, die Lebensmittel mit einem hohen Säuregrad enthalten, wurden Rückstände von Schadstoffen gefunden. Dazu zählen beispielsweise viele Fischdosen. Aber auch in Fleischkonserven, bei Kondensmilch sowie Gemüse und 
Früchten in Dosen wurden Verunreinigungen festgestellt.
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Binsenweisheit widerlegt:

"Altersschwerhörigkeit" entsteht nicht durchs Altern
Studie zeigt, dass auch 70-jährige das Gehör eines 30-jährigen haben können

(fgh) "Er hört nicht mehr so gut, weil er so alt ist", solche Sätze kommen im Umgang mit älteren Menschen leicht über die Lippen. Die Fördergemeinschaft Gutes Hören macht darauf aufmerksam, dass es eine zwangsläufige "Altersschwerhörigkeit" gar nicht gibt. Bei Naturvölkern ohne viel Lärm hören 70-Jährige noch genauso gut wie 30-Jährige in Industriestaaten, wie Studien zeigen. Hörschäden sind keine automatische Folge von Alterungsprozessen, sondern von der Anhäufung vieler kleiner Hörschäden (Lärm, Alkohol, Rauchen, Medikamente, Entzündungen) über viele Jahre, die im fortgeschrittenen Alter spürbar werden. Da beschädigte Hörzellen im Ohr nicht repariert werden können, wird der Hörschaden immer größer, je älter man wird. Fortschreitende Hörschäden kann man umso besser aufhalten, je früher man das Resthörvermögen mit modernen Hörsystemen vom Hörakustiker unterstützt.
Dass Hörschäden nicht automatisch mit Alterung verknüpft sind, zeigen Vergleichsstudien zwischen Naturvölkern und Industriebevölkerung. Die Hörschwelle für einen 6000 Hertz hohen Ton lag bei 70-jährigen Zentralafrikanern bei einer Lautstärke  von 20 Dezibel, während der gleiche Ton bei 70-jährigen Amerikanern erst bei 70 Dezibel gehört wird. 30-jährige Amerikaner hatten dieselbe Hörschwelle wie 70-jährige Zentralafrikaner. Die sogenannte "Altersschwerhörigkeit" (Presbyakusis) tritt also nicht zwangsläufig durch die physiologische Alterung auf.
Die "Altersschwerhörigkeit" macht sich durch allmähliches Nachlassen der Hörfähigkeit im hohen Frequenzbereich bemerkbar. Die Menschen überhören zunehmend die Türglocke oder das Telefonklingeln. Es fällt schwer, ein Gespräch mit mehreren Personen zu führen. Dies tritt besonders bei starken Hintergrundgeräuschen – bei einer Party oder im Restaurant – auf. Der Hörverlust für hohe Töne beeinträchtigt auch das Erkennen und Unterscheiden von Konsonanten: Aus "Kuss" wird "Bus", aus "Tal" wird "Stahl", aus "kahl" wird "fahl". Ausgeglichen werden können diese Hördefekte durch moderne Hörsysteme vom Hörakustiker. Dann wird der ältere Schwerhörige häufiger den Satz zu hören bekommen: "Du hörst ja wieder gut, obwohl du so alt bist."

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