Archiv Januar 2006                                                                   

Lärmampel warnt vor Krach

Unruhe und Lärm sind Alltag von Erzieher/innen und Helfer/innen in Kindergärten und Freizeitheimen. Manchmal werden in den Institutionen Lautstärkenpegel vergleichbar mit denen eines Düsenjets beim Abheben erreicht. Die Konsequenzen können sehr ernst sein.

Nahezu jede(r) dritte Erzieher/in erleidet wegen der Dauerlärmpegel von 80 bis 85 dB einen Hörverlust oder andere Gehörschäden wie zum Beispiel Tinnitus. Unter Kindergartenpersonal kommt es nicht selten zu frühzeitigen Pensionierungen auf Grund von Lärm. In dem süddeutschen Ort Reichenbach/Fils ist daher eine Lärmampel entwickelt worden, die Lärm zuverlässig misst. Die Ampel enthält ein Messgerät mit frei einstellbarem Lautstärkenbereich ab 55 dB. Smiley-Gesichter in den Ampelfarben rot, orange und grün zeigen objektiv die Lärmsituation im Raum an. Die Kinder bzw. Schüler können dadurch erkennen, wann sie leiser werden sollen.

Aber nicht nur die Pädagogen, auch die Kinder sind von den hohen Lärmpegeln betroffen und riskieren bereits in jungen Jahren, ihr Gehör dauerhaft zu schädigen.
Quelle: www.org-delta.de , Fundstelle: hear-it.org

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Antidepressiva gegen Tinnitus

Die überraschende Entdeckung machte ein Forscherteam vom Sahlgrenska Krankenhaus in Götheborg. Das Team testete 80 Personen mit Tinnitus. Die Hälfte von ihnen bekam das antidepressive Mittel „Zoloft“. Die andere Hälfte bekam ein Placebo.

Alle Patienten, die das Antidepressivum eingenommen hatten, berichteten von einer Milderung ihrer Tinnitus-Symptome, wie schrilles Klingeln im Ohr und Schlaf- oder Konzentrationsstörungen. Ein paar Personen gaben sogar an, dass ihr Leiden geheilt sei.

Kajsa-Mia Holgers, Leiterin der Studie, ist davon überzeugt, dass diese Entdeckung von entscheidender Bedeutung ist.

”Ich denke, dass dies eine sehr wichtige Entwicklung ist, die vielen Menschen mit schwerem Tinnitus Hoffnung gibt,” sagte sie der schwedischen Zeitung „Expressen“.

Details der Studie werden in der Fachzeitschrift „Journal of Clinical Psychopharmacology“ veröffentlicht.

Quelle: www.expressen.se, Fundstelle: hear-it.org

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Gutes Hören im Straßenverkehr

Zuverlässiges Hören ist wichtig für die Sicherheit im Straßenverkehr. Dies gilt besonders in der dunklen Jahreszeit, wenn die Sicht auf Fahrbahnen, Rad- und Gehwegen schlecht ist und Gefahrenquellen schwerer erkannt werden als sonst.

Was das Auge unter solchen Bedingungen nicht leisten kann, lässt sich durch ein gutes Hörvermögen ausgleichen. Beispiel: Wer als Fußgänger eine Straße überqueren will und ein heran nahendes Auto rechtzeitig hört, kann richtig reagieren. Gleiches gilt für schlecht oder gar nicht beleuchtete Fahrräder, die nur durch ein Warnklingeln des Radlers bemerkbar sind. Auch wer selbst hinterm Lenkrad sitzt, muss sich auf sein Hörvermögen verlassen können. Nur so nimmt er das Warnhupen des Verkehrspartners oder auch das Martinshorn des Rettungswagens wahr.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Straßen im Herbst und Winter häufig glatt und die Bremswege damit länger sind. Gutes Hörvermögen auf beiden Ohren ist dann umso wichtiger. Denn uneingeschränktes beidohriges Hören ist Grundvoraussetzung, um sich in der Umwelt räumlich orientieren und sicher bewegen zu können. Nicht nur für den Straßenverkehr gilt deshalb: Das Gehör lenkt den Blick.

Wer sicher gehen will, dass sein Hörvermögen gut ist, kann jederzeit zum nächsten Hörakustiker gehen und dort einen unverbindlichen Hörtest vornehmen lassen. Sollte eine Hörschwäche vorliegen, kann dies mit Hilfe moderner Hörsysteme ausgeglichen werden. Digitale Technik bietet dafür individuelle Lösungen sowie ein Höchstmaß an Alltagstauglichkeit für die Betroffenen. Hörsysteme stellen sich automatisch und in Sekundenbruchteilen auf die jeweilige Hörsituation ein, in der sich der Träger gerade befindet. Damit ist optimales Hören im Straßenverkehr, aber auch in anderen alltäglichen Situationen jederzeit gewährleistet. FBH
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Hörverlust durch Ohrröhrchen

Die Behandlung von Ohrentzündungen bei Kindern mit Ventilationsröhrchen erhöht das Risiko, als Erwachsene einen leichten Hörverlust davonzutragen.

Eine holländische Studie befand einen durchschnittlichen Hörverlust von 4-9 dB bei einer Gruppe von 18-Jährigen, die in ihrer frühen Kindheit mit Röhrchen behandelt worden waren. Je häufiger sie mit den Röhrchen behandelt wurden, desto größer war ihr Hörverlust.

Die holländischen Forscher überwachten 358 Personen von der Geburt bis zu ihrem 18. Geburtstag. Rund die Hälfte von ihnen litten in ihrer frühen Kindheit an Ohrentzündungen und vielen wurden Ventilationsröhrchen eingesetzt. Die andere Hälfte war Teil der Kontrollgruppe der Studie.

Diejenigen, die eine Behandlung mit Röhrchen durchlaufen hatten, hatten bei Frequenzen von 5 – 2 kHz durchschnittlich ein um 4 dB geringeres Hörvermögen als die Kontrollgruppe und bei 8 kHz ein um 9 dB geringeres Hörvermögen. Im Vergleich dazu wurde ein durchschnittlicher Hörverlust von circa 2 dB bei Personen festgestellt, deren Ohrinfektionen ohne Röhrchen behandelt worden waren.

Das Ausmaß der Schwerhörigkeit hing außerdem von der Anzahl der Behandlungen mit Röhrchen ab. Personen, die wiederholt mit Ventilationsröhrchen behandelt wurden, hatten durchschnittlich einen um 3dB größeren Hörverlust als diejenigen, die nur ein Mal mit Röhrchen behandelt worden waren.

Die Studie ergab außerdem einen oder mehrere Fälle, wo das Trommelfell bei 75 % der mit Röhrchen behandelten Patienten beschädigt worden war. Diese Gruppe hatte durchschnittlich 3,4 dB weniger Hörfähigkeit als der Rest, aber sogar in der Gruppe mit unbeschädigtem Trommelfell könnte deren Hörverlust darauf zurückzuführen sein, dass in ihre Ohren Röhrchen eingeführt worden waren.

Gestützt durch die Studie gelangten die Forscher zu dem Ergebnis, dass die Behandlung mit Röhrchen in Zusammenhang mit stabilem konduktivem Hörverlust und sensorineuralem Hörverlust steht, der sich im Laufe der Zeit progressiv verschlechtern kann.

Quelle: Hearing loss in young adults who had ventilation tube insertion in childhood, Annals of Otology, Rhinology & Laryngology, Juni 2004.
Fundstelle: hear-it.org

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Warnung vor Bohrmaschinen

Neue, schnurlose Bohrgeräte und Schraubenzieher werden in den USA als ideale Geschenke für Heimwerker angepriesen. Doch die Begeisterung für die potenten neuen Geräte wird gedämpft durch eine Warnung der Verbraucherzentrale, die größte Verbraucherorganisation in den USA. Die Zentrale befand, dass die neuen Geräte extrem laut und eine Gefahr für das Gehör sind.

Ein Test von 10 verschiedenen Geräten, durchgeführt von der Verbraucherzentrale, zeigte, dass die Ohren bei hoher Umdrehungszahl des Gerätes durchschnittlich 104 dB ausgesetzt sind. Das ist, laut Verbrauchermagazin, weitaus lauter als Standard-Bohrgeräte und ebenso laut wie Motorsägen, und liegt weit über den 85 dB, die als Grenze gelten und bei deren Überschreitung die Verbraucherzentrale Ohrschutz empfiehlt. Warnungen bezüglich des Gehörschutzes sind im Handbuch des Bohrgerätes nahezu unauffindbar.

Die Verbraucherzentrale unterstrich, dass laut nationaler Gesundheitsbehörde bloß eine Minute bei 110 dB ausreicht, um permanente Schwerhörigkeit hervorzurufen und dass die Behörde empfiehlt, sich nicht länger als 15 Minuten ungeschützt einem Lärmpegel von 100 dB auszusetzen.

Die Verbraucherzentrale kam zu folgendem Ergebnis: “Bis leisere Modelle auf den Markt kommen, glauben wir, dass die Hersteller Lärmwarnungen auf die Verpackung und auf das Produkt anbringen und ein Paar Ohrstöpsel hinzufügen sollten.”

Quelle: Consumer Reports, Dezember 2005
Fundstelle: hear-it.org

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Hören und Einkommen

In Armut lebende Familien haben ein höheres Risiko, schwerhörige Kinder zu bekommen. Die Anzahl der Kinder, die mit Hörverlust zur Welt kommen ist bei armen Familien ungefähr vier Mal größer als bei gut gestellten Familien, so eine schottische Studie an 105.000 Kindern

Die Kinder wurden in sieben verschiedene sozioökonomische Gruppen eingeteilt. Es wurde ein deutlicher Zusammenhang zwischen Armut und angeborenem Hörverlust festgestellt. In der niedrigsten Einkommensgruppe kamen 1,72 von 1.000 Kindern mit Hörverlust zur Welt. In der höchsten Einkommensgruppe kamen nur 0,47 von 1.000 Kindern mit Hörverlust zur Welt.

Die Forscher haben zwei mögliche Erklärungen dafür. Bei Familien mit niedrigem Einkommen kommen Kinder häufiger zu früh auf die Welt und haben ein niedriges Geburtsgewicht. Die nachfolgende Behandlung dieser Kinder kann einen negativen Einfluss auf ihr Gehör haben.

Kinder in armen Familien können auch ein erhöhtes Risiko von angeborenem Hörverlust haben, weil Hörschäden in armen Familien stärker vorherrschen.

Die Entdeckung von Hörverlust bei den Kindern und das Alter, in dem sie ihre ersten Hörgeräte bekommen unterscheidet sich bei den verschiedenen sozioökonomischen Gruppen nicht.

Die Forscher der Studie empfahlen, dass Serviceeinrichtungen für Hörgeschädigte besonderes Augenmerk auf die Bedürfnisse schlechter gestellter Familien richten sollten.

Quelle: Is deafness a disease of poverty? The association between socio-economic deprivation and congenital hearing impairment, International Journal of Audiology 2004, Nr. 3
Fundstelle: hear-it.org

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