Archiv Januar 2004                                                                   

Immer mehr Hörgeschädigte

Niemand weiß genau, wie viele Hörgeschädigte es weltweit gibt. Schätzungen von Professor Adrian Davis vom britischen "MRC Institute of Hearing Research" zufolge wird die Gesamtzahl der Menschen mit einem Hörverlust von mindestens 25 dB weltweit im Jahre 2005 bei über 560 Millionen liegen.

In den Industrieländern wird die Zahl der Hörgeschädigten bei rund 190 Millionen liegen. Davon wird es in Europa über 80 Millionen Hörgeschädigte geben, in den USA und Kanada über 30 Millionen. In den Entwicklungsländern ist die Anzahl mehr als doppelt so groß.Adrian Davis zufolge gab es 1995 weltweit rund 440 Millionen Hörgeschädigte, davon allein in Europa mit einer Bevölkerungsrate von 700 Millionen über 70 Millionen Menschen. US-amerikanische Studien schätzen, dass die Anzahl der Hörgeschädigten in Nordamerika mit einer Bevölkerungsrate von 300 Millionen bei über 25 Millionen liegt.

Das Problem wird immer größer und Adrian Davis schätzt, dass im Jahre 2015 mehr als 700 Millionen Menschen weltweit an Hörverlust von mehr als 25 dB leiden werden. 
Fundstelle: hear-it.org
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Tinnitus findet im Gehirn statt

Chronische Ohrgeräusche lassen sich wegtrainieren. Das dauert in der Regel etwa so lange, wie der so genannte Tinnits - die quälenden Ohrgeräusche - schon anhält. Das schreibt die "Neue Apotheken Illustrierte/Gesundheit" unter Berufung auf medizinische Spezialisten.

Das Ohr hört nicht selbst, sondern verwandelt mechanische Reize in elektrische Ströme. Die gelangen ins Gehirn. Und das entscheidet über die Weiterleitung ins Hörzentrum. Normalerweise unterscheidet das Gehirn zwischen Nutzschall und Störschall. Plötzlicher Lärm, Durchblutungsstörungen im Gehirn und nachfolgendem Hörsturz und insbesondere Stress überfordern diese Filterfunktion des Gehirns. Als Klingeln, Sausen oder Brausen beschreiben Betroffene die dann auftretenden Dauergeräusche, die nur sie aber kein anderer hört. Fünf bis sieben Prozent aller Deutschen leiden unter diesem chronischen Tinnitus. Sich auf keinen Fall auf diese subjektiv empfundenen Geräusche konzentrieren, lautet der erste und wichtigste Rat. Besser: die Aufmerksamkeit nach draußen lenken, auf Vogelstimmen oder Gespräche. Die Konzentration auf leisere Töne macht auch das Kernstück der modernen "Retraining Therapie" aus, die mit Hörgeräte-artigen Geräuschgebern arbeitet und nun auch in die deutschen Arztpraxen Einzug gehalten hat. Erfolgsquote über 80 Prozent.
Quelle: Neue Apotheken Illustrierte/Gesundheit

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Rauchende Stahlarbeiter in Gefahr

Die Kombination von Lärm und regelmäßigem Zigarettenkonsum verdoppelt das Risiko, einen Hörverlust zu bekommen. Das ist das Ergebnis einer umfassenden Studie an 4624 Stahlarbeitern in Japan. Das Risiko, einen Hörverlust zu erleiden, ist bei Rauchern, die in lauter Arbeitsumgebung im Stahlwerk arbeiten, 156 Prozent höher als bei anderen Arbeitern des Stahlwerkes. Lärm allein erhöht die Gefahr um 77 Prozent, während Rauchen allein das Risiko um 55 Prozent steigert.

Laut der Studie, die in der Januar-2003-Ausgabe von "Occupational & Environmental Medicine" veröffentlicht wurde, ist Lärm die häufigste Einzelursache für Hörverlust. Die Studie besagt weiter, dass Lärm in Kombination mit Zigarrettenkonsum die Gefahr, einen Hochfrequenzhörverlust zu erleiden, substantiell erhöht. Die Studie kombinierte Informationen über Rauchgewohnheiten und Hörfähigkeiten, die bei obligatorischen Gesundheitsuntersuchungen im Zusammenhang mit Stahlwerks-Daten ermittelt wurden und außerdem die Schallpegel in verschiedenen Arbeitsbereichen dokumentiert.

Rauchen wird seit langem als mögliche Ursache für Hörverlust angesehen und die Studienergebnisse zeigen an, dass Hochfrequenz-Hörverlust ein Resultat von Zigarettenkonsum sein könnte. Dies stimmt mit den Ergebnissen anderer, kürzlich durchgeführter Studien überein. Rauchen erhöht den Bedarf an Sauerstoff im Körper, da ein Übermaß an Kohlenmonoxid in das Blut gelangt. Gleichzeitig drosselt Rauchen die Versorgung der Schnecke im Innenohr mit frischem Sauerstoff, was wiederum ihre Leistung beeinträchtigt.
Quelle: Occupational &Environmental Medicine 2003; 60(1):56-9& Public Health 2001;115(3):192-6
Fundstelle: hear-it.org
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Das zweitlauteste Land der Welt

Spanien ist nach Japan das zweitlauteste Land der Welt und Madrid ist eine der lautesten Hauptstädte, so das Ergebnis mehrerer Studien der Weltgesundheitsorganisation, WHO.

Nahezu neun Millionen spanische Bürger sind Lärmpegeln ausgesetzt, die das Schalllimit der WHO von 65 dB überschreiten. Das bedeutet, dass einer von vier Spaniern exzessiven Lärmpegeln ausgesetzt sind. In Europa leiden rund 20 Prozent der Bevölkerung (80 Millionen) unter inakzeptabler Lärmbelastung. Weltweit sind 130 Millionen Menschen Lärmpegeln über 65 dB ausgesetzt, und weitere 300 Millionen leben mit unangenehmem Lärm (55-65 dB), laut einer Studie, die in dem Magazin "Ciudadano" zitiert wird. Es gibt viele Quellen für Lärmverschmutzung. 80 Prozent werden von motorisierten Fahrzeugen, 10 Prozent von der Industrie und der Rest von Zügen, öffentlichen Plätzen, Bars, Werkstätten etc. verursacht. Die Konsequenzen der Lärmbelastung liegen auf der Hand. Außer der Zunahme und Ausbreitung von Hörverlust löst sie auch körperliche und mentale Beschwerden aus, die wiederum die Lebensqualität beeinträchtigen.

Ein Gesetz der Europäischen Union hat das maximal akzeptable Schalllimit, das eine Person täglich tolerieren kann, auf 65 dB festgesetzt. Lärmpegel zwischen 70 und 125 dB können schmerzhaft sein und Lärm wird bei 140 dB unerträglich. Während Vogelsingen 10 dB nicht überschreitet, kann ein Hupen 90 dB, die Disko 110 dB und ein Motorrad ohne Schalldämpfer 115 dB erreichen.
Quelle: www.ruidos.org und die Online-Magazine "Consumer" und "Ciudadano" , Fundstelle: hear-it.org
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Hörgerät hilft Stotternden

Eine technische Hilfe soll den Sprachfluss von Stotterern glätten. Wie das Wissensmagazin P.M. in seiner neuen Ausgabe berichtet, hat sich die East Carolina University ein kleines Gerät mit der Bezeichnung "SpeechEasy" patentieren lassen, das einen bekannten Effekt nutzt: Wenn Stotterer im Chor sprechen, haben sie oft keine Probleme.

"SpeechEasy" sieht aus wie ein kleiner Hörapparat, der im Ohr getragen wird. Das Gerät nimmt die Sprache des Stotterers auf, verändert seine Stimme elektronisch und strahlt sie auf das Trommelfell ab. Dadurch wird eine fremde Stimme vorgegaukelt, die synchron mitspricht. Die hohe Erfolgsrate zwischen 50 und 95 Prozent verblüfft selbst Experten - Hoffnung für die weltweit 60 Millionen Stotterer. Neurologische und psychologische Defizite können die Auslöser der Sprachstörung sein. Wahrscheinlich spielen auch genetische Faktoren eine Rolle; Psychotherapien und Psychopharmaka haben bisher wenig Wirkung gezeigt.

Quelle: ots
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Tinnitus und Stress

Bislang wurde Tinnitus vornehmlich als eine Durchblutungsstörung im Innenohr angesehen und behandelt. Dass dieser Ansatz längst nicht die gesamte Dimension des Tinnitus ausmacht, ist durch die Forschung der letzten Jahre im In- und Ausland deutlich geworden.

Forscher gelangen immer mehr zu der Überzeugung, dass Tinnitus außer durch Krankheitsfaktoren mit einem Zusammenspiel aus psychischem Befinden, vegetativer Reaktionslage und persönlicher Stressbewältigung zusammenhängt.

Wie sehr dieses individuelle Wirkungsmuster eine Rolle spielt, haben Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover aufgewiesen: Während einige der untersuchten Menschen ihren Tinnitus kaum wahrnehmen, leiden andere Personen unsäglich unter dem Ohrensausen. Sie geraten teilweise in einen Teufelskreis aus Schlafstörungen und manche entwickeln sogar eine Depression. Es zeigte sich, dass Menschen, die schon vorher unter Stress litten, körperliche Beschwerden hatten, sehr leistungsorientiert oder sozial besonders angepasst waren, ihren Tinnitus als wesentlich bedrohlicher empfinden. Manche vermuten hinter ihrem Tinnitus gar eine schlimme Krankheit. Menschen, die eine ruhige Persönlichkeitsstruktur aufweisen und die ein gutes Allgemeinbefinden haben, litten weit weniger unter dem ständigen Pfeifen im Ohr.

Quellen: Medizinische Hochschule Hannover (Dr. Jäger) und www.netdoktor.de Fundstelle: hear-it.org
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