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Begleitmusik
stört Verstehen
(fgh)
Sie soll Stimmung erzeugen, aber sie stört oft: die Begleit- und
Hintergrundmusik im Fernsehen oder Radio. Wird ein Gespräch oder eine
Ansage wie beispielsweise die Nachrichten mit Musik unterlegt, erschwert
dies ganz erheblich das Verstehen des Textes. Was für gut Hörende bereits
lästig ist, wird für Menschen mit vermindertem Hörvermögen zum unüberwindbaren
Hindernis: Sie verstehen nichts mehr. Prof. Dr. Jürgen Kießling, Audiologe
an der Universität Gießen, erteilt der Begleitmusik eine klare Absage:
"Immer mehr Texte in Funk und Fernsehen werden mit Musik unterlegt.
Kommunikationstechnisch ist das eine reine Katastrophe."
Auch Prof. Dr. Klaus Seifert, Hals-Nasen-Ohrenarzt aus Neumünster und
ehemaliger Vorsitzender des Deutschen Berufsverbandes für HNO-Ärzte,
spricht sich gegen Begleitmusik aus. Darüber hinaus appellierte er kürzlich
an Radiosender, auf deutliche Aussprache zu achten und auch auf das "blödsinnige
Tempo" zu verzichten, in dem häufig gesprochen werde. Für ältere
Menschen und für Menschen, deren Hörvermögen vermindert ist, "sind
solche Texte nicht zu verstehen". Hierzu Dr. Karin Uphoff von der Fördergemeinschaft
Gutes Hören:
"Da unsere Medien Inhalte
vermitteln möchten, sollte darauf geachtet werden, dass sie nicht einen
großen Anteil der Bevölkerung durch zu laute oder verzichtbare
Hintergrundmusik ausgrenzen. Immerhin haben 14 bis 15 Millionen Menschen
in Deutschland Hörprobleme, also jeder Fünfte."
Beim Stummfilm spielte die Musik bekanntlich die akustische Hauptrolle.
Doch auch heute arbeiten die meisten Filme mit Hintergrundmusik. So werden
Stimmungen erzeugt, Spannung wird aufgebaut oder Tempo in die Handlung
gebracht. "Dagegen ist nichts einzuwenden", so Dr. Uphoff.
"Doch wenn Menschen zu sprechen beginnen, sollte die Hintergrundmusik
so weit zurückgenommen werden, dass man die Stimmen verstehen kann. Am günstigsten
ist es, dann ganz auf Musik zu verzichten." Während man im Fernsehen
(zumindest bei deutschsprachigen Produktionen) noch teilweise von den
Lippen ablesen kann, verläuft der
Sprache-Musik-Mix im Radio zu einem unverständlichen Geräuschbrei. Und
dennoch nimmt der Trend beim Rundfunk zu, sogar Nachrichten oder
Verkehrsfunk mit Musik zu unterlegen.
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Stille
Nacht vorbei
(fgh) Mit der stillen Nacht
ist es am Heiligen Abend häufig spätestens dann vorbei, wenn die Kinder
ihre Geschenke ausgepackt haben. Viele Spielsachen sind laut. Oft viel
lauter als für Kinderohren gut ist. Und manchmal sogar so laut, dass sie
das Gehör der Kleinen für den Rest des Lebens schädigen können.
Wer glaubt, Kinderspielzeug sei gesundheitlich unbedenklich, weil es sonst
ja gar nicht verkauft werden dürfe, irrt. Freilich gibt es eine europäische
DIN-Norm EN 71, die bleibende Hörschäden verhindern soll. Sie legt unter
anderem fest, dass Spielzeug nicht lauter als 125 dB sein darf. Aber:
Diese Norm geht davon aus, dass Quietsche- Entchen und Co. weit vom Ohr
weggehalten werden, das heißt mindestens einen Abstand von einem halben
Meter haben. Kinderarme jedoch sind meist kürzer. Außerdem macht es den
Kleinen ja oft Spaß, ihre Altersgenossen mal so richtig zu erschrecken,
indem sie ihnen direkt ins Ohr tröten, quietschen oder schießen.
Bleibende Gehörschäden sind dadurch möglich.
Wer Spielzeug kaufen möchte, sollte daher zunächst mit eigenen Ohren überprüfen,
wie laut es ist. Dabei ist auch zu bedenken, dass Kinder ja nicht nur kurz
pfeifen, trommeln oder lärmende Computerspiele betreiben, sondern unter
Umständen stundenlang. Selbst wenn der einmalige Ton gerade noch erträglich
erscheint: Die Masse macht`s. Die Belastung fürs Gehör nimmt mit jedem Lärm-Ereignis
zu.
Wichtig ist, Kinder über die Gefahren von lauten Tönen und Knallen zu
informieren. Nur so kann man vermeiden, dass sie sich und andere mit Lärm
schädigen. Denn auch die bei größeren Kindern beliebten Trillerpfeifen
oder platzenden Luftballons gefährden das Hörvermögen. Ein einziger
Knall kann zu einer lebenslangen Hörminderung führen. Darüber hinaus
kann er bei Kindern wie Erwachsenen Ohrgeräusche (Tinnitus) auslösen,
die den Alltag sehr belasten.
Und übrigens - nur so am Rande erwähnt: Die freundlichen Schenker
sollten auch an die Eltern denken. Durch räumlichen Abstand zum Spielzeug
mögen deren Ohren zwar außer Gefahr sein, doch die Nerven leiden
bestimmt...
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Karneval:
Kein Geld für Hörschäden
Wer
als Zuschauer eines Karnevalsumzugs einen Hörschaden erleidet, kann dafür
vom Veranstalter kein Schmerzensgeld oder Schadenersatz verlangen. Auf ein
entsprechendes Urteil des Landgerichts Trier (Az.: 1 S 18/01) weist der
Anwalt-Suchservice in Köln hin.
Die
Klägerin hatte am Straßenrand einen Rosenmontagsumzug verfolgt. Langsam
habe sich auch eine Gruppe mit so genannten Weinbergskanonen genähert,
die daraus in regelmäßigen Abständen Böllerschüsse abgab. Unmittelbar
vor der Klägerin wurde ein weiterer Böller abgefeuert. Die Frau erlitt
ein so genanntes Knalltrauma und musste wegen eines dauernden Ohrgeräusches
ein Woche lang stationär mit Infusionen behandelt werden.
Mit der Klage gegen den Veranstalter hatte die Frau jedoch keinen Erfolg.
Dem Anwalt-Suchservice zufolge begründete das Gericht seine Entscheidung
wie folgt: Zwar sei der Veranstalter grundsätzlich verpflichtet,
Vorkehrungen zum Schutz der Zuschauer zu treffen. Er könne und müsse
jedoch nicht für alle denkbaren Risiken Vorsorge treffen. Zudem gehe es
bei Karnevalsumzügen bekanntermaßen immer laut zu, auch Böllerschüsse
seien üblich. Darüber hinaus hätte sich die Frau rechtzeitig entfernen
oder sich anders vor den Knallgeräuschen schützen können.
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Hörgeräte
im Flieger heraus nehmen
Hörgeräte
sollten bei Flugreisen während des Starts und der Landung besser heraus
genommen werden. Zumindest bei Hörgeräten, die den Gehörgang vollständig
abdichten, ist das zu empfehlen, so das Centrum für Reisemedizin (CRM) in
Düsseldorf.
Mit
zu- oder abnehmender Höhe veränderten sich die Druckverhältnisse im
Innenohr. Der notwendige Luftaustausch werde von festsitzenden Hörgeräten
verhindert. Ein Druckausgleich ist dann nicht möglich - beim Start und
bei der Landung können dem CRM zufolge starke Schmerzen im Innenohr die
Folge sein.
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Ulla
Schmidt: Hörbotschafterin
Gesundheitsministerin
Ulla Schmidt (SPD) will sich verstärkt für gesundes Hören einsetzen.
Gemeinsam mit WDR-Intendant Fritz Pleitgen und dem Vorsitzenden des
Deutschen Kulturrats Max Fuchs warb sie in Berlin für die «Initiative Hören»,
deren neue Botschafterin sie ist. Bundesweit haben sich mehr als 20 Verbände
und Institutionen aus den Bereichen Gesundheit, Kultur und Medien zusammen
geschlossen. Ziel der bereits im März des Vorjahres gegründeten
Initiative ist es, «die pädagogische, gesundheitliche und kulturelle
Bedeutung des Hörens in die Öffentlichkeit zu tragen.» «Neuere Studien
gehen davon aus, dass bis zu 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland
bereits hörgeschädigt sind», erklärte Schmidt. Sie unterstütze daher
die Entwicklung diagnostischer Verfahren zur Früherkennung.
Zugleich
sprach sie sich für eine Verringerung des Lärms aus. Gemeinsam mit dem
Umweltministerium würden derzeit Studien zur Lärmbelästigung durchgeführt.
Pleitgen
betonte, der Hörsinn sei auch Voraussetzung für Medienkompetenz und die
Bildung einer eigenen Meinung: «Man muss hören und zuhören lernen, um
aus dem Programmangebot das Wichtige auszusuchen.» Dazu bedürfe es pädagogischer
Anleitung. Max Fuchs verwies darauf, dass das Hören als sozialer Sinn
unterschätzt sei:
«Nicht
nur das Inhaltliche, auch die Art und Weise, wie etwas vermittelt wird,
hat mit Werte-Erziehung zu tun.»
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Zuhören
leicht gemacht
(fgh)
Jeder kennt das: Man sitzt in gemütlicher Runde zusammen, im Hintergrund
läuft Musik und man versucht, sich zu unterhalten. Ein echtes Gespräch
kommt da nur schwer zustande. Noch schwieriger wird es, wenn man nicht
optimal hört. "Dagegen kann man etwas tun", so Dr. Karin Uphoff
von der Fördergemeinschaft Gutes Hören. "Es gibt heute ein großes
Angebot von technisch hochwertigen Hörsystemen, die das Hören in lauter
Umgebung erleichtern." Wenn sich außerdem die Gesprächspartner an
ein paar einfache Regeln halten, steht der Diskussion nichts mehr im Wege.
"Wer
ein vermindertes Hörvermögen hat, braucht heute nicht mehr abseits zu
stehen", so Dr. Karin Uphoff. "Individuell angepasste Hörsysteme
bringen einen enormen Zugewinn an Lebensqualität. Es gibt heute
Spracherkennungsprogramme, die Sprache hervorheben und Nebengeräusche
absenken. Manche Geräte arbeiten mit zwei oder drei Mikrofonen, was eine
gezielte akustische Orientierung ermöglicht. Auch Richtmikrofone helfen
dabei, sich auf einzelne Stimmen zu konzentrieren."
Studien belegen, dass Menschen, die Hörgeräte nutzen, sich insgesamt
wohler fühlen.
Sie
hören und verstehen vieles wieder, können sich darum selbstsicherer an
Gesprächen beteiligen und besser ihre Kontakte zu anderen Menschen
halten.
Trotzdem
wird es immer Situationen geben - zum Beispiel in einer geselligen Runde -
, in denen die Verständigung erschwert ist. Mit etwas Rücksicht kann man
allen das Zuhören erleichtern. Menschen mit Hörproblemen profitieren
besonders davon:
- Den Gesprächspartner beim Sprechen ansehen, damit er auch von den
Lippen ablesen kann.
- Beim Sprechen den Mund nicht mit der Hand verdecken. Ein Bart kann den
Blick auf den Mund einschränken. Auch Kaugummi oder Zigarette im Mund stören.
- Deutlich und nicht zu schnell sprechen, kurze Sätze verwenden.
- Schreien nützt nichts - viele Menschen, die leises Sprechen nicht
verstehen, empfinden laute Geräusche sogar als schmerzhaft.
Wer schlecht hört, sollte offen darauf hinweisen, damit sich die anderen
darauf einstellen können. Und wenn etwas nicht verstanden wurde:
nachfragen!
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