Archiv Januar 2003                                                                   

Begleitmusik stört Verstehen

(fgh) Sie soll Stimmung erzeugen, aber sie stört oft: die Begleit- und Hintergrundmusik im Fernsehen oder Radio. Wird ein Gespräch oder eine Ansage wie beispielsweise die Nachrichten mit Musik unterlegt, erschwert dies ganz erheblich das Verstehen des Textes. Was für gut Hörende bereits lästig ist, wird für Menschen mit vermindertem Hörvermögen zum unüberwindbaren Hindernis: Sie verstehen nichts mehr. Prof. Dr. Jürgen Kießling, Audiologe an der Universität Gießen, erteilt der Begleitmusik eine klare Absage: "Immer mehr Texte in Funk und Fernsehen werden mit Musik unterlegt. Kommunikationstechnisch ist das eine reine Katastrophe."

Auch Prof. Dr. Klaus Seifert, Hals-Nasen-Ohrenarzt aus Neumünster und ehemaliger Vorsitzender des Deutschen Berufsverbandes für HNO-Ärzte, spricht sich gegen Begleitmusik aus. Darüber hinaus appellierte er kürzlich an Radiosender, auf deutliche Aussprache zu achten und auch auf das "blödsinnige Tempo" zu verzichten, in dem häufig gesprochen werde. Für ältere Menschen und für Menschen, deren Hörvermögen vermindert ist, "sind solche Texte nicht zu verstehen". Hierzu Dr. Karin Uphoff von der Fördergemeinschaft Gutes Hören:
"Da unsere Medien Inhalte vermitteln möchten, sollte darauf geachtet werden, dass sie nicht einen großen Anteil der Bevölkerung durch zu laute oder verzichtbare Hintergrundmusik ausgrenzen. Immerhin haben 14 bis 15 Millionen Menschen in Deutschland Hörprobleme, also jeder Fünfte."

Beim Stummfilm spielte die Musik bekanntlich die akustische Hauptrolle. Doch auch heute arbeiten die meisten Filme mit Hintergrundmusik. So werden Stimmungen erzeugt, Spannung wird aufgebaut oder Tempo in die Handlung gebracht. "Dagegen ist nichts einzuwenden", so Dr. Uphoff. "Doch wenn Menschen zu sprechen beginnen, sollte die Hintergrundmusik so weit zurückgenommen werden, dass man die Stimmen verstehen kann. Am günstigsten ist es, dann ganz auf Musik zu verzichten." Während man im Fernsehen (zumindest bei deutschsprachigen Produktionen) noch teilweise von den Lippen ablesen kann, verläuft der
Sprache-Musik-Mix im Radio zu einem unverständlichen Geräuschbrei. Und dennoch nimmt der Trend beim Rundfunk zu, sogar Nachrichten oder Verkehrsfunk mit Musik zu unterlegen.

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Stille Nacht vorbei

(fgh) Mit der stillen Nacht ist es am Heiligen Abend häufig spätestens dann vorbei, wenn die Kinder ihre Geschenke ausgepackt haben. Viele Spielsachen sind laut. Oft viel lauter als für Kinderohren gut ist. Und manchmal sogar so laut, dass sie das Gehör der Kleinen für den Rest des Lebens schädigen können.

Wer glaubt, Kinderspielzeug sei gesundheitlich unbedenklich, weil es sonst ja gar nicht verkauft werden dürfe, irrt. Freilich gibt es eine europäische DIN-Norm EN 71, die bleibende Hörschäden verhindern soll. Sie legt unter anderem fest, dass Spielzeug nicht lauter als 125 dB sein darf. Aber: Diese Norm geht davon aus, dass Quietsche- Entchen und Co. weit vom Ohr weggehalten werden, das heißt mindestens einen Abstand von einem halben Meter haben. Kinderarme jedoch sind meist kürzer. Außerdem macht es den Kleinen ja oft Spaß, ihre Altersgenossen mal so richtig zu erschrecken, indem sie ihnen direkt ins Ohr tröten, quietschen oder schießen. Bleibende Gehörschäden sind dadurch möglich.
Wer Spielzeug kaufen möchte, sollte daher zunächst mit eigenen Ohren überprüfen, wie laut es ist. Dabei ist auch zu bedenken, dass Kinder ja nicht nur kurz pfeifen, trommeln oder lärmende Computerspiele betreiben, sondern unter Umständen stundenlang. Selbst wenn der einmalige Ton gerade noch erträglich erscheint: Die Masse macht`s. Die Belastung fürs Gehör nimmt mit jedem Lärm-Ereignis zu.

Wichtig ist, Kinder über die Gefahren von lauten Tönen und Knallen zu informieren. Nur so kann man vermeiden, dass sie sich und andere mit Lärm schädigen. Denn auch die bei größeren Kindern beliebten Trillerpfeifen oder platzenden Luftballons gefährden das Hörvermögen. Ein einziger Knall kann zu einer lebenslangen Hörminderung führen. Darüber hinaus kann er bei Kindern wie Erwachsenen Ohrgeräusche (Tinnitus) auslösen, die den Alltag sehr belasten.

Und übrigens - nur so am Rande erwähnt: Die freundlichen Schenker sollten auch an die Eltern denken. Durch räumlichen Abstand zum Spielzeug mögen deren Ohren zwar außer Gefahr sein, doch die Nerven leiden bestimmt...

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Karneval: Kein Geld für Hörschäden

Wer als Zuschauer eines Karnevalsumzugs einen Hörschaden erleidet, kann dafür vom Veranstalter kein Schmerzensgeld oder Schadenersatz verlangen. Auf ein entsprechendes Urteil des Landgerichts Trier (Az.: 1 S 18/01) weist der Anwalt-Suchservice in Köln hin.

Die Klägerin hatte am Straßenrand einen Rosenmontagsumzug verfolgt. Langsam habe sich auch eine Gruppe mit so genannten Weinbergskanonen genähert, die daraus in regelmäßigen Abständen Böllerschüsse abgab. Unmittelbar vor der Klägerin wurde ein weiterer Böller abgefeuert. Die Frau erlitt ein so genanntes Knalltrauma und musste wegen eines dauernden Ohrgeräusches ein Woche lang stationär mit Infusionen behandelt werden. Mit der Klage gegen den Veranstalter hatte die Frau jedoch keinen Erfolg. Dem Anwalt-Suchservice zufolge begründete das Gericht seine Entscheidung wie folgt: Zwar sei der Veranstalter grundsätzlich verpflichtet, Vorkehrungen zum Schutz der Zuschauer zu treffen. Er könne und müsse jedoch nicht für alle denkbaren Risiken Vorsorge treffen. Zudem gehe es bei Karnevalsumzügen bekanntermaßen immer laut zu, auch Böllerschüsse seien üblich. Darüber hinaus hätte sich die Frau rechtzeitig entfernen oder sich anders vor den Knallgeräuschen schützen können.
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Hörgeräte im Flieger heraus nehmen

Hörgeräte sollten bei Flugreisen während des Starts und der Landung besser heraus genommen werden. Zumindest bei Hörgeräten, die den Gehörgang vollständig abdichten, ist das zu empfehlen, so das Centrum für Reisemedizin (CRM) in Düsseldorf.

Mit zu- oder abnehmender Höhe veränderten sich die Druckverhältnisse im Innenohr. Der notwendige Luftaustausch werde von festsitzenden Hörgeräten verhindert. Ein Druckausgleich ist dann nicht möglich - beim Start und bei der Landung können dem CRM zufolge starke Schmerzen im Innenohr die Folge sein.
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Ulla Schmidt: Hörbotschafterin

Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) will sich verstärkt für gesundes Hören einsetzen. Gemeinsam mit WDR-Intendant Fritz Pleitgen und dem Vorsitzenden des Deutschen Kulturrats Max Fuchs warb sie in Berlin für die «Initiative Hören», deren neue Botschafterin sie ist. Bundesweit haben sich mehr als 20 Verbände und Institutionen aus den Bereichen Gesundheit, Kultur und Medien zusammen geschlossen. Ziel der bereits im März des Vorjahres gegründeten Initiative ist es, «die pädagogische, gesundheitliche und kulturelle Bedeutung des Hörens in die Öffentlichkeit zu tragen.» «Neuere Studien gehen davon aus, dass bis zu 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland bereits hörgeschädigt sind», erklärte Schmidt. Sie unterstütze daher die Entwicklung diagnostischer Verfahren zur Früherkennung.

Zugleich sprach sie sich für eine Verringerung des Lärms aus. Gemeinsam mit dem Umweltministerium würden derzeit Studien zur Lärmbelästigung durchgeführt.

Pleitgen betonte, der Hörsinn sei auch Voraussetzung für Medienkompetenz und die Bildung einer eigenen Meinung: «Man muss hören und zuhören lernen, um aus dem Programmangebot das Wichtige auszusuchen.» Dazu bedürfe es pädagogischer Anleitung. Max Fuchs verwies darauf, dass das Hören als sozialer Sinn unterschätzt sei:

«Nicht nur das Inhaltliche, auch die Art und Weise, wie etwas vermittelt wird, hat mit Werte-Erziehung zu tun.»
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Zuhören leicht gemacht

(fgh) Jeder kennt das: Man sitzt in gemütlicher Runde zusammen, im Hintergrund läuft Musik und man versucht, sich zu unterhalten. Ein echtes Gespräch kommt da nur schwer zustande. Noch schwieriger wird es, wenn man nicht optimal hört. "Dagegen kann man etwas tun", so Dr. Karin Uphoff von der Fördergemeinschaft Gutes Hören. "Es gibt heute ein großes Angebot von technisch hochwertigen Hörsystemen, die das Hören in lauter Umgebung erleichtern." Wenn sich außerdem die Gesprächspartner an ein paar einfache Regeln halten, steht der Diskussion nichts mehr im Wege.

"Wer ein vermindertes Hörvermögen hat, braucht heute nicht mehr abseits zu stehen", so Dr. Karin Uphoff. "Individuell angepasste Hörsysteme bringen einen enormen Zugewinn an Lebensqualität. Es gibt heute Spracherkennungsprogramme, die Sprache hervorheben und Nebengeräusche absenken. Manche Geräte arbeiten mit zwei oder drei Mikrofonen, was eine gezielte akustische Orientierung ermöglicht. Auch Richtmikrofone helfen dabei, sich auf einzelne Stimmen zu konzentrieren."
Studien belegen, dass Menschen, die Hörgeräte nutzen, sich insgesamt wohler fühlen.

Sie hören und verstehen vieles wieder, können sich darum selbstsicherer an Gesprächen beteiligen und besser ihre Kontakte zu anderen Menschen halten.

Trotzdem wird es immer Situationen geben - zum Beispiel in einer geselligen Runde - , in denen die Verständigung erschwert ist. Mit etwas Rücksicht kann man allen das Zuhören erleichtern. Menschen mit Hörproblemen profitieren besonders davon:

- Den Gesprächspartner beim Sprechen ansehen, damit er auch von den Lippen ablesen kann.
- Beim Sprechen den Mund nicht mit der Hand verdecken. Ein Bart kann den Blick auf den Mund einschränken. Auch Kaugummi oder Zigarette im Mund stören.
- Deutlich und nicht zu schnell sprechen, kurze Sätze verwenden.
- Schreien nützt nichts - viele Menschen, die leises Sprechen nicht verstehen, empfinden laute Geräusche sogar als schmerzhaft.

Wer schlecht hört, sollte offen darauf hinweisen, damit sich die anderen darauf einstellen können. Und wenn etwas nicht verstanden wurde: nachfragen!

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